Einerseits ist das Barock das Zeitalter vom Dreißigjährigen Krieg, Reformation und Inquisition und geprägt von der deutlichen Hinwendung der Menschen zum jenseitigen Leben. Anderseits wird, gerade weil die Welt ein „Jammertal“ ist, alles, was sie bietet, auch intensiv ausgekostet. Prachtliebende Fürsten wie August der Starke und der Sonnenkönig Ludwig der XIV sind Leitbilder für den gesamten Adel. Pracht und Glanz entfalten sich an den Höfen Europas- wenn auch oft sehr steif und pompös.
Mode:
Frauen im höfischen oder großbürgerlichen Bereich sind schon rein äußerlich oft recht üppig und unterstreichen ihre Sinnlichkeit noch durch prächtigste Kleidung.
Die Kleidung ist regional sehr unterschiedlich. Während die Frauen in Spanien, Deutschland und Flamen unter dem religiös begründeten Diktat der strengen „Spanischen Mode“ mit ihren steifen Miedern, der schwarzen Farbe und den hochgeschlossenen Mühlstein – Spitzkragen stehen, brechen die Französinnen und mehr noch die Italienerinnen dieses Diktat selbstbewusst auf: Aus Mühlsteinkrägen werden offene Spitzenkragen über tiefen Dekolletés, die vorgeschrieben sittsamen dunklen Farben werden durch Gold, Silber und Weiß aufgehellt oder völlig ignoriert.
Die Schnitte sind pompös, die verschwenderisch verwendeten Stoffe schwer und prächtig. zur Volumenerweiterung der Röcke werden zunächst steife kegelförmige Reifröcke getragen, die aber dann zeitweilig von dicken, um die Hüften geschnallten Lederwülsten abgelöst werden, die man als „Weiberspeck“ bezeichnete.
Die Männer tragen zur Heerpauke (einer kugelrund ausgestopften kurzen Hose)ein vollständig wattiertes Wams mit „Gänsebauch“- Optik, eine insgesamt derartig steife Kleidung, die an Bequemlichkeit den mittelalterlichen Rüstungen in nichts nachgestanden haben wird.
Der ständige Krieg mit seinen Landsknechten, die als Söldner ganz Europa bereisen, bringt bis zur Jahrhundertmitte Belebung in die Mode. Sie bevorzugen weite, grellbunte Kleidungsstücke(die Zerhauenen), die extrem geschlitzt werden, und aus der ellenlang helles Unterfutter heraushängt: Die Hosenform der „Pluderhosen“ wird von ihnen erfunden. Auch in der höfischen und damit in der tonangebenden Gesellschaftsschicht wird der Sitz der Kleidung lockerer (was sich aber nicht auf das weibliche Schnürmieder bezieht). Die Eitelkeit – insbesondere die männliche – feiert fröhliche Urständ und bringt Dinge hervor wie die „Rheingrafen“ (weite Hosenröcke mit Rüschensaum), Bänder und Schleifen an allen Kleidungsteilen, rote hohe Absätze an den Schuhen und die verschwenderische Verwendung von Spitzen.
Das Ganze gipfelt am Jahrhundertende in der bekannten Pracht des französischen Hofes zur Zeit des Sonnenkönigs.
In der Frauenkleidung reicht es zu der Zeit schon lange nicht mehr aus, nur ein einzelnes Kleid zu tragen, man muss zeigen, dass man sowohl ein kostbares Unterkleid als auch einen ebenso kostbaren „manteau“ tragen (und bezahlen) kann. Damit aber beide Kleiderteile so richtig zur Geltung kommen, wird raffinierte Draperien gelegt. Die Silhouette wird dadurch schmaler, was man noch durch Frisuren „a la Fontange“ (d.h. Strumpfbandfrisur) verstärkte. hierzu wurden die Haare mittels eines Spitzenbandes auf bis zu 50 cm hohen schmalen Drahtgestellen aufgebunden.
Die Männermode beruhigte sich allmählich und die Form des „Justaucorps“ (einer über einer langen Weste getragenen, oft reich bestickten Jacke) entwickelt sich. Vorbild ist natürlich wieder ein Militärrock. Dies ist im Grossen und Ganzen die Form der Männerbekleidung.
Die einzige größere Extravaganz in der Männermode am Ende des Jahrhunderts ist die naturfarbene lockenreiche (und extrem warme) Allongeperücke, die durch den nicht mehr ganz jugendfrischen Sonnenkönig eingeführt wird. Sie soll ihm sein ewig jugendlich, strahlendes Aussehen sichern und wird natürlich am Hof und in modischen Kreisen sofort kopiert.
Tänze:
Tänze der Renaissancezeit strotzten vor Lebenskraft, die Tänze des Barock waren noch leidenschaftlich, und die Tänze der Rokokozeit wie z.B. das Menuett vergleicht man heute mit dem mechanischem Ablaufen eines Uhrwerkes.
1680 hatte ein Tanz mit dem Namen Allemande Eingang am französischen Hof. Es gab diesen Tanz zwar auch schon in der Renaissancezeit, aber erst in der Barock- und Rokokozeit wurde dieser Tanz populär. Der Reiz der Allemande lag in der erotischen Verschlingung der Arme, dadurch wurde er zu einem Flirtspiel für beide Partner.
Die Courante wurde fast 200 Jahre gern getanzt. Die Courante war im 17. Jahrhundert die Königin des Tanzes. Der Tanz war nicht einfach zu erlernen. „Wie auf einem Boot im Sturm“, von rechts nach links schwankend, wird sie von Zeitgenossen beschrieben. Auch durch die Zickzackbewegungen wurde sie bei Sachs „Hüpfendes Hin und Her“ genannt.
Die Sarabande ist seit etwa 1650 als höfische Tanzform der Barockmusik ein häufiger, ursprünglich fester Kernsatz der barocken Suite: Allemande — Courante — Sarabande — Gigue. Da sie ein exotischer, schneller und obszön wirkender Tanz war, wurde sie immer wieder und wieder verboten. In kürzester Zeit wurde sie ein langsamer, anständiger Tanz, ausgelöst durch diese Verbote. Bei den spanischen Tänzen tanzen beide Partner mit erhobenem oder bewegtem Arm. Die Sarbande wurde mit Kastagnetten getanzt.
Zur Branlefamilie gehört die Gavotte. Sie ist der lustigste und ausgelassenste Tanz der Suite.
Tatsächlich gibt es ein Bergvolk des Gapencais im oberen Dauphiné, dass sich Gavots nennt. Ihr Haupttanz nennt sich Gavotte. Zunächst tanzte man diese Gavotten in verschiedenen gestaffelten Zeitmaßen im Kreis oder in der Reihe. In der höfischen Gesellschaft war die Gavotte gern als Einschub in die Suite verwendet worden. Oft erscheint die Gavotte hier auch als Mittelteil in der dreiteiligen Musette.
Die Gavotte lebt heute als Volkstanz in der Bretagne weiter.
Die Blütezeit der Gigue ist das 17. und das beginnende 18. Jahrhundert. Hier erlebte sie nicht nur an den Höfen ihre volle Bedeutung, sondern fand auch gleichzeitig in den Komposition der Zeit ihren Stellenwert. Danach tritt sie nur noch vereinzelt auf. Auch am Hofe von Elisabeth der I. von England pflegt man die sog. „Elisabethanischen Jigs“ zu tanzen. Shakespeare nannte ihn „hot and hasty“. Die Tänzer heben die Arme hoch, hopsen herum und machen sich zum Narren. Er wird nur gehüpft. Besondere Bedeutung fand der Giuge als Schlusssatz in der Suite.
Die Barockzeit war gekennzeichnet durch steife Förmlichkeit, polierte Beherrschung und eine Vorliebe für Fettleibigkeit. Es gibt neue Erfindungen in der Musik, die Oper, das Oratorium, die Kirchensonate, das Konzert und die Suite.
Die höfischen Tänze waren nicht alle künstlich – geziert, dass einige von ihnen fröhlich und ausgelassen getanzt wurden. Dies gehört offenbar zu den Widersprüchlichkeiten der Zeit, zu jenen Unebenheiten der „barocca“, zur Inkonsequenz des Lebendigen, die selbst in dieser Epoche in vielen Bereichen immer wieder durchbrach.
Ein Ball beginnt mit einer Branle. Der König führt den Reigen an; es folgen die Tänzer in strenger Standesordnung. Der Anführer wechselt jeweils ans Ende der offenen Kette, bis der König wieder an der Reihe ist. Alle Tänze beginnen und enden mit Reverenzen. Es folgt eine Gavotte, die ebenfalls ein Reigen ist, nur ein schneller getanzter. Als nächstes wird eine Courante getanzt. Es tanzen allein der König mit der Königin; alle anwesenden sehen stehend zu. Der König der dann nach Status festlegt, wer nacheinander, die Hofleute – immer unter den Augen des Herrschers und des gesamten Hofes, tanzt. Der nächste Tanz ist das Menuett. Geschildert wird eine Art von Folge.
Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde vor allem, durch Froberger, eine bestimmte Satzfolge als verbindlich angesehen: Allemande – Courante – Sarabande – Gigue. Die Einleitung übernahm oft ein nicht tanzmäßiger Satz, z.B. eine Intrada.
Air, Aria: nicht tanzmäßige Suitensätze
Badinerie: Tändelei, Spaß. Dreiertakt. h-mollSuite von Bach
Bourrée: Altfranzösischer Volkstanz
Canarie: schneller Tanz aus dem 16. und 17. Jahrhundert, aus Afrika. Verwandter des Gigue.
Chaconne: kommt aus Mittelamerika. Wie die Sarbande ein ursprünglich obzöner, sinnlicher, ausgelassener Tanz mit Beckenbewegungen im ¾ Takt.
Entrée: Ein Aufzug oder Einzug, getanzt von einer oder mehreren Personen.
Folia: Der Name -. Tollheit, Narretei – lebhafte Bewegungen. Ein alter porugiesischer Fruchtbarkeitstanz. Man verwendete Kastagnetten.
Forlana: Ein Werbetanz der venetianischen Gondolieri. Füße und Hände bewegen sich wie bei der Tatantella. Casanova beschreibt den Tanz in seiner Lebensgeschichte.
Hornpipe: Ein Tanz der schottischen Matrosen. Hier verbindet sich der Tanz mit Holzblasinstrumenten. Der Tanz hatte einen derben, wenig höfischen Charakter.
Loure: Dieser ist ein Dudelsacktanz aus Frankreich. „Stolz und aufgeblasen“nennt sie Mattheson und sieht in ihr eine langsame Art Gigue.
Marsch: Ein Marsch ist eigentlich kein Tanz und wenn er in Schauspielen gebraucht wird, schreiten die Personen ganz langsam daher, ohne tanzen, hüpfen oder springen. (Mattheson 1739)
Der Marsch wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besonders beliebt. Im Barock tanzte man ihn als Aufzug.
Musette: Der Tanz kommt aus Frankreich und dürfte gavotteähnlich getanzt worden sein.
Passacaglia: Der Name bedeutet „Gassenschritt“. Die Passacaglia blieb länger ein Tanz, d.h. sie mußte auch musikalisch die „hurtigere Bewegung“ haben.
Passepied: Er ist ein heiterer Volkstanz aus der Bretagne. Der tanz erhielt seinen Namen von der Fußstellung, bei der ein Bein über dem anderen kreuzt. Sein Wesen kömmt der Leichtsinnigkeit ziemlich nahe“, charakterisiert Mattheson den Tanz. Die Frauen tanzen allein, heben ihre Kleider und schwingen die Beine bis zur Decke. Der Cancan des 15. Jahrhunderts.
Rigaudon: Ein alter französischer Springtanz. ein Werbetanz der Männer. Er wird oft mit dem Bourrée in Verbindung gebracht.
Polonaise: Sie entstanden im 17. jahrhunder, wurde im 18. weiterhin komponiert und getanzt und lebte dann mit der Polenbegeisterung um 1831 neu auf. Sie wurde gerne als Eröffnungstanz getanzt.
Siciliano: Volkstanz aus Sizilien in wiegenden Bewegungen. Ab dem 17. jahrhundert erscheint er auch als „Pastorale“ in Konzert und Oper.
Alle diese Tänze waren Volkstänze. Sie fanden einen Weg an den Hof.
Eure
Sabine![]()
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