Empire

by Ciao Calotta | Oktober 11, 2009 12:08 pm

09.05.2004 - 11.27 IIDie französische Revolution beendete das leichtfertige Treiben der Rokokogesellschaft. Philosophische Ideale und die Antike mit ihren klaren Formen sind nun Vorbild in allen Bereichen.

Mode:

Obwohl sich die Rolle der Frau an dem, was man unter Antike verstand, orientiert, Frauen auch in philosophischen Zirkeln mitdebattieren, sollen sie doch auf der anderen Seite weiterhin zarte und sanfte Wesen sein- und weiblich, weiblich, weiblich.

Die zeitliche Einordnung des Empire, bzw. des englischen Regency, liegt relativ eng in den Jahren zwischen 1795 und 1820, wobei sich das Regency im Großen und Ganzen, wie auch in den Jahrhunderten zuvor, durch größere Vernunft bei Schnitten und Stoffen auszeichnet. Die Kleidung des Empire kopiert in weiten Grenzen ebenfalls die antiken Vorbilder – oder das, was man dafür hielt. Grundlage ist immer das weich fließende, hoch gegürtete weiße Chemisenkleid aus feinster und dünnster Seide oder indischem Baumwoll-Mousseline. Es umspielt den Körper bei jeder Bewegung und stellt auf diese Weise durch den Gegensatz aus scheinbar strengem Schnitt und scheinbar unschuldigem Weiß die nahezu erotischste Kleiderform der gesamten Modegeschichte dar. Die Schuhe dazu bestehen aus einer hauchdünnen Ledersohle und sind mit Bändern das Bein hinauf geschnürt – wieder ganz nach antikem Vorbild.

Vorreiter bei dieser Mode sind (natürlich) die Französinnen, bei denen es Wettbewerbe um das leichteste Kleid gab (die Kleider wurden tatsächlich ausgewogen). Man trug als Unterwäsche lediglich ein hautfarbenes Trikot, und es sind entrüstete Berichte biederer deutscher Frauen berichtet, in denen die “nackte Mode” im Sündenbabel Paris gebrandmarkt wird. Die Kehrseite der Medaille sind reihenweise schwer unterkühlte bzw. an Erkältungskrankheiten gestorbene junge Frauen, die auch im Winter nicht mehr als ein Umschlagtuch über diesen hauchzarten Kreationen trugen, und die in den eiskalten, nahezu unbeheizten Schlössern ausharrten – und das nicht nur in Frankreich, sondern auch im von Frankreich geprägten Petersburg. Neuere Forschungen haben ergeben, dass ein guter Teil der “Schwindsüchtigen” der damaligen Zeit (die man bislang als Tuberkulosetote interpretierte) ganz einfach den Kälte – und Grippetod erlitten. Bezeichnenderweise trugen alle diese Erkrankungen den summarischen Namen “Musselinkrankheit” nach dem hauchdünnen Baumwollstoff, aus der die Kleider bevorzugt zu sein hatten. Zum Hof wird die Chemise mit einer mehr oder weniger langen Schleppe ergänzt, die reich bestickt ist, und ein zeremonielleres, “angezogeneres” Kleidungsstück darstellt. Die Länge der Schleppe von Courschleppe und Chemise ist streng reglementiert. Sie hängt vom Status ihrer Trägerin ab, und geht durchaus bis hin zu vier Metern. Es ist leicht vorstellbar, wie schwierig es war, eine Viermeterbahn hauchzarter Seide durch einen mit Möbeln und Menschen bestückten Raum zu lotsen (von denen der weibliche Teil ja ebenfalls Schleppe trug), ohne wesentliche Teile des Mobiliars umzureißen, oder sich mit einer der anderen Damen zu verheddern.

Anmut und Grazie waren jedoch ein derart wesentlicher Teil des weiblichen Lebens, dass in vielen langen Stunden derartige Unterfangen ausgiebig geübt wurden. Genauso geübt wurde übrigens das malerische in-Ohnmacht-sinken, eine Tat, bei der die Schleppe auch noch gefällig um den scheinbar leblosen Körper drapiert werden musste.

Die Männerkleidung im Empire erfährt nur einen erheblichen Bruch: Die Kniehosen werden zugunsten der “Sansculottes”, der langen Hosen aufgegeben. Ansonsten wird sie lediglich weniger farbenprächtig als im Rokoko, und Farben und Schnitte ähneln schon sehr der heutigen Herrenmode.

In Anlehnung an die weißen Statuen wurde Weiß eine der beliebtesten Farben; extrem hohe Taillen und schmale Silhouetten zeichneten ansonsten das Bild der typischen Empiregarderobe einer modischen Dame aus. Herren trugen ebenfalls Fräcke mit hoher Taille.

Tänze:

Die Tänze des 19. Jahrhunderts sind nicht mehr kunstvoll, nicht mehr raffiniert. Sie sind ausgelassen und wild. Außerdem führte der Mangel an Herren, der infolge der napoleonischen Kriege an den Höfen herrschte, dazu, dass Choreografien bevorzugt wurden, in denen ein Herr mit zwei Damen tanzte, so z. B. die Douze, ein Gruppentanz für vier Herren und acht Damen, oder der Trioletwalzer, dessen „Paare“ aus jeweils einem Herrn und zwei Damen bestehen. Unter den Tänzen wurde besonders der Ländler beliebt, der Dreher oder Deutscher sind der gleiche Tanz. Er ist langsamer als der Walzer und das Paar dreht ständig, aber ohne enge Paarfassung.

Das Entsetzen über Walzer, die Sorge vor allem um das Wohl der Mädchen und unterschiedliche Begründungen finden sich in vielen Schriften der Zeit. Warum die Angst? Es wurde ausschließlich 800 Jahre lang offen getanzt und nun kommt der Walzer mit einer engen Paarfassung und seinen raschen Drehbewegungen. Die zündende Kraft der Musik von Johann Strauss und Weber, Chopin und vielen anderen Komponisten machten ihn so populär und beliebt. Er war ein Bürgertanz und löste am Hof Empörung aus. 1793 tanzten ihn bei ihrer Doppelhochzeit die spätere Königin Luise und ihre Schwester. Auf dem Wiener Kongress lockerten sich dann die Sitten mit Rücksicht auf die ausländischen Gäste. Der Kongress tanzt – natürlich Walzer. Aber es gab immer noch Ausnahmen. Der Walzer galt nicht überall als hoffähig.

Englisch – Tanzen war der Oberbegriff für alle Contretänze. Ein bekannter Englischer ist die Quadrille und eine Sonderstellung nimmt die Cotillon ein, die gerne ein Fest beschließt.

Das Tanzfest eröffnet eine Polonaise. Der Tanz wurde schon im Barock getanzt. Wegen seines kriegerischen Ausdrucks mit stampfen und Stechschritten passte er vom Charakter nicht in diese Zeit. Erst wieder im 19.Jahrhundert, als berühmte Polonaisen komponiert wurden hielt sie wieder Einzug.

Die Mazurka wurde zu einem Gesellschaftstanz. Sie war ein polnischer Nationaltanz. Ein so genannter Stiefeltanz mit Hackenknallen.

Ein böhmischer Nationaltanz ist die Polka. Auch sie wurde bekannter als sich ihr namhafte Komponisten annahmen. Ein bekannter Wechselschritt mit Nachhüpfer, herausstrecken der Hacken mit einem überkreuzen der Fußspitze und einem Mitwiegen des Oberkörpers zur jeweiligen Seite.

Zum Schluss der Galopp. Wer ihn tanzte kam so aßer Atem, dass er eine Pause einlegen musste. Er wurde in einfachen Anstellschritten durch den Saal oder auch an seiner Peripherier entlang getanzt

Im 19. Jahrhundert tanzt der Adel wie das Volk. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Eure

Sabinestern2

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