Ciao Calotta

Gedicht aus dem Rokoko

Samstag, 10. Oktober 2009 von Ciao Calotta

Sabse

Mädchen, wollt ihr mich nicht lieben?
Seht, hier lieg ich in dem Schatten!
Seht mich nur, ihr müsst mich lieben!
Rosen blühen auf den Wangen,
In den Adern glühet Feuer,
In den Minen lacht Vergnügen,
In den Augen locket Liebe,
Und bewegen sich die Lippen,
So bewegt sie Scherz und Freude.
Mädchen, wollt ihr mich nicht lieben?
Seht, hier lieg ich in den Schatten,
Mädchen seht, wie schön ich liege!
Johann Wilhelm Ludwig Gleim

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Rokoko

Montag, 05. Oktober 2009 von Ciao Calotta

sadoDekor ist alles. Das frivole Treiben am Hofe bestimmt Mode und Lebenseinstellung weiter Schichten. Phantasievolle Maskenfeste lösen einander ab und keine Dekorationsidee ist zu kühn oder zu verrückt. Die Vergänglichkeit des Augenblickes wird gefeiert. Gleichzeitig beginnt aber auch der Aufbruch in die Aufklärung, eine entschiedene Abkehr von Kirche und Religion, eine Hinwendung zu Philosophie und Wissenschaft. In diesem Spannungsfeld sind Frauen einerseits fröhliche, verspielte, betont erotische Geschöpfe, anderseits aber auch Mäzeninnen und Vorreiterinnen der neuen Ideen.

Die Farben der Kleidung sind – wie alles in dieser Gesellschaft – aufs höchste verfeinert. Zarte Pastelle schimmern in glänzenden Seiden- und Moiré -Stoffen mit dem leuchtenden Weiß kostbarster Spitzen um die Wette. Aufwendigste Stickereien von oft hochdotierten (aber leider selten bezahlten) Stickerinnen zieren Kleider, Westen und Jacken. Ein Hofkleid kann durchaus den Gegenwert eines gesamten Landgutes haben, gute Spitzen sind teurer als Diamanten und werden auch als Halsschmuck getragen.Die Schnitte sind weit und üppig, oft verspielt und gerne mit großem Dekolletè. Die Frauenkleider behalten die Aufteilung in Jupe(Unterrock) und Manteau (Oberkleid) bei, die sie im späten Barock hatten. Daneben entwickelt sich aus dem „Negligé“, einem sackartigen Hausgewand, das aber sehr wohl über Schnürmieder und Reifrock getragen wurde, die „Adrienne“. Diese ist ein Zwischending beider Kleiderformen, in dem das weite Negligé noch durch eine am Halsausschnitt angesetzte, reich gefaltete und nahtlos ins Kleid übergehende Schleppe erhalten ist. Dieser Schnitt nennt sich „Wattaufalte“, nach dem gleichnamigen französischen Hofmaler, auf dessen Gemälden diese Kleiderform häufig zu sehen ist. Die Rockformen gehen vom runden Reifrock bis hin zum extremen Queroval der „Grande Parure“ genannten prunkvollen Hoftoilette mit meterlangen seitlichen „Auslegern“. Anderseits wurde am Ausgang des Jahrhunderts das knöchelkurze Kleid „a la Polonaise“ modern, eine Kleiderform, die wiedergibt, was sich die höfische Gesellschaft zur Zeit Marie Antoinettes so unter einem Kleid einer Schäferin vorstellte.

Lediglich die kühleren Briten lassen sich nicht ganz mitreißen und entwickeln ihren eigenen, Praktischeren und tragbaren Stil. Die Schnitte bleiben gemäßigt, Kapriolen und Extreme finden keinen Eingang in die englische Kleidung. Die Modeszene würdigt das, indem sie die verschiedenen Kleiderformen als „a la Francais“ (d.h. mit querovalem Reifrock, Wattaufalte und großem Aufputz) und „a la Anglais“ (d.h. mit relativ kleinem runden Reifrock und einfachem Schnürmieder) benennt. In England entwickelt sich gegen Ende des Jahrhunderts bereits vor der Französischen Revolution die Vorstufe zum hoch gegürteten Empirekleid mit nach oben versetzter Taille, die ohne Reifrock getragen wurde – eine Tatsache, die kaum bekannt ist.

Die Männerkleidung behält die „Justaucorps“ genannte lange Jacke mit großen Ärmelaufschlägen bei, die lediglich im Laufe der Zeit etwas schlanker in der Silhouette wird, und die zusammen mit langer Weste, Spitzenhemd und Kniehose die in Europa einheitliche Tracht darstellt. Auch hier tragen Engländer schon relativ früh eine weniger opulente Version mit noch schlankerer Jacke mit kleineren Ärmelaufschlägen, ohne große Stickereien oder Spitzenmanschetten. Sie ähnelt schon sehr der späteren Empire- und Biedermeiertracht.

Die Hofkleidung ist derart teuer (und unbequem), dass sie auch nur zu offiziellen Anlässen getragen wird. Zu Hause legt man sofort Kleid oder Herrengala und die Perücken ab und trägt Negligé oder wattierten Schlafrock und Schlappen. Den Kopf bedeckt eine Haube oder Nachtmütze, denn der Kopf war oft der Perücken wegen kahl rasiert, aber auch damit man die Krätze besser behandeln konnte.

Phantasievoll wie alles in dieser Zeit sind im Übrigen auch die Namen der Stoff-Farben: Floh (spezifiziert nach alter und junger Floh, Flohrücken, Flohschenkel usw.), vergifteter Affe und sterbender Affe, Nönnchenbauch, Pipi von Dauphin oder Gossendreck sind einige davon. Im Gesicht und Dekolleté werden die berühmten „Mouches“, die schwarzen Schönheitspflästerchen getragen, von denen ebenfalls jedes einen bestimmten Namen und eine Bedeutung erhält (das leidenschaftliche wird am Augenwinkel angebracht, das galante sitzt mitten auf der Wange, das kokette gehört an den Mundwinkel, das mörderische schließlich trägt man am Busen).

Genauso mußte man den Fächer beherrschen. Auch für ihn gab es eine Sprache (über die Wange gleiten lassend – Ich liebe Dich!, weit öffnend – Warte auf mich!, öffnend und schließend – Du bist grausam! usw.).

Bei den Herren wird die naturfarbene lockenreiche und extrem warme Allongeperücke des späten Barock abgelöst durch kleinere Perücken unterschiedlichster Form, die fast ausschließlich weiss oder grau gepudert werden.

Tanz:

Die Rokokozeit ist die graziösere und leichtere Abart des Barock.

Das Menuett war der Tanz des 18. Jahrhunderts. Er galt über hundert Jahre als der schönste und schwerste Tanz und wird als einziger Satz in die Sonatenkomposition aufgenommen. Aber das Menuett ist kein Tanz für jedermann, denn es verlangte eine vollendete Körpertechnik, die man nur durch jahrelangen Tanzunterricht erreichen konnte. Mit ihm drückte man Würde, Eleganz und blasierte Müdigkeit aus.

Allein in Paris gab es damals ca. 300 Tanzmeister, die alle gute Einnahmen hatten. Menuette wurden zu zweit, zu viert oder zu acht getanzt. Es wurde noch symmetrisch, mit Schritten, die eine liegende acht beschrieben, dann wurde ein S daraus, später eine 2 und schließlich das Z.
Mit der Französischen Revolution wich alles Geschnörkelte und die Künstlichkeit.

Eure

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Karle in der Zuckerbäckerei

Samstag, 03. Oktober 2009 von Ciao Calotta

Maus_100 Karle träumt von der Zeit als dieses Schloss noch ein König mit seinem Hofstaat bewohnte, und im Traum streckt sich Karle mit geschlossenen Äuglein und es entschlüpft ihm ein wonniges Gähnen. Blinzel, langsam versucht er das rechte Auge zu öffnen und dann Blinzel das Linke. Oh, die Sonne scheint so schön und es ist schon so mollig warm.

Mmmh, was duftet denn hier so herrlich. Karle schnuppert mit seinem kleinen Näschen und seine Barthaare wippen dabei abwechselnd auf und ab. Knurrr, Knurrr. Ist hier etwa ein Hund? Karle schaut noch ganz verschlafen um sich. Nein, das ist ja sein Magen. Der feine Duft, den er riecht, erweckt bei seinem Magen, Hungergefühle. Aber woher kommt denn dieser leckere Geruch? Aus dem Ostflügel, da ist doch die Hofküche. Karle schleicht an der Schlossmauer entlang, vorbei an den Wachsoldaten. Sonst ist noch niemand im Hof. Da ist die Hofküche und der Geruch kommt aus der Zuckerbäckerei. Ich habe gehört die Königin liebt Backwaren jeder Art. Dann werde ich mal schauen was es dort alles so gibt, dachte sich Karle und betrat vorsichtig die Zuckerbäckerei.

Es war erstaunlich still. Der Duft von Vanille und Honig hing wie eine zuckerige Wolke in der Luft. Ja, der Hof wollte verköstigt werden und jeder hatte seine besonderen Vorlieben. Die Offiziere der königlichen Garde bekamen schließlich nicht das Gleiche wie die Damen, die die Königin zu einem Kaffeekränzchen aufsuchten.

Mmmh, eine Wolke mit Zimt und Orange duftet von den Tellern auf dem Tisch. Karle schaute fasziniert der Zuckerbäckerin zu, wie diese begann aus süßem Marzipanteig kleine Kugeln zu formen und diese in Kakao wälzte. Aber nichts fiel auf den Boden. Zu geschickte Finger hat die Zuckerbäckerin. Ich hätte doch so gern probiert, dachte Karle und versteckte sich hinter einem Korb mit Erdbeeren.

Gretel, hol doch den Korb mit Erdbeeren. Du kannst sie dann waschen und Trockentupfen, sagte die Zuckerbäckerin zu dem jungen Mädchen, mit den roten Locken unter der Haube. Schon schreitet Gretel auf den Korb zu. Karle`s Herz schlägt wie verrückt vor Angst. Wo soll er nur hin? Augen zu und springen. 1 + 2 + 3 und schon war er drüben auf einem Regal mit Töpfen.

Maus (nicht Mensch), da sehe ich ja noch viel mehr. Hochaufgetürmte Teller mit Köstlichkeiten aller Art. Hunderte von Nussbögen, Königs-Talern und Kränzchen mit Schokolade hatte die Zuckerbäckerin mit ihren Helfern gebacken. Berge von Früchten kandiert und Nüsse in Schokolade getunkt lagen vor ihm.Das Mädchen legte gerade ein Gitter auf den Tisch. Sie taucht die abgetropften Erdbeeren einzeln in die Schokolade und legt sie dann darauf zum Trocknen. Auf einem weiteren Tablett türmen sich Katzenzungen, ein luftiges Gebäck. Ein kleiner Junge schlich sich gerade an das Tablett und stibitzte sich eine Katzenzunge, da dreht sich die Zuckerbäckerin um und schaut ihn an. Vor lauter Schreck ließ er das Gebäck fallen. Es fiel genau unter das Regal auf dem Karle sitzt, genau hinter einem Mehlsack.

Warum fragst du mich nicht, wenn du was probieren möchtest, fragt die Zuckerbäckerin zu dem Jungen. Der Junge möchte das Gebäck aufheben, aber er findet es nicht. Lass es liegen, wir suchen später danach, sagt die Zuckerbäckerin und reicht ihm ein anderes Gebäck. Probiere doch mal die Damensohle, das Gebäck ist mit feinem Pudding, sagt sie. Die Augen des Jungen strahlen sie an und ein leises, schüchternes Danke kommt aus seinem Mund.

Karle bemerkt eine kleine Träne in seinem Augenwinkel. Das ist bestimmt von dem Mehlstaub, denkt er für sich.

Da momentan keiner in seine Richtung schaut und auf ihn achtet, springt Karle auf den Mehlsack und verschwindet dahinter. Seine Äuglein glänzen vor Vorfreude als er das leckere Gebäck vor sich sieht. Schnell beißt er ein Stückchen ab und spürt wie Süße auf seiner Zunge vergeht.

Karle genießt diesen Augenblick und denkt für sich – was hab ich doch für ein Glück an so einem schönen Ort zu leben. Kuchen

Eure
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Barock

Freitag, 02. Oktober 2009 von Ciao Calotta

gräfenitzEinerseits ist das Barock das Zeitalter vom Dreißigjährigen Krieg, Reformation und Inquisition und geprägt von der deutlichen Hinwendung der Menschen zum jenseitigen Leben. Anderseits wird, gerade weil die Welt ein „Jammertal“ ist, alles, was sie bietet, auch intensiv ausgekostet. Prachtliebende Fürsten wie August der Starke und der Sonnenkönig Ludwig der XIV sind Leitbilder für den gesamten Adel. Pracht und Glanz entfalten sich an den Höfen Europas- wenn auch oft sehr steif und pompös.

Mode:

Frauen im höfischen oder großbürgerlichen Bereich sind schon rein äußerlich oft recht üppig und unterstreichen ihre Sinnlichkeit noch durch prächtigste Kleidung.

Die Kleidung ist regional sehr unterschiedlich. Während die Frauen in Spanien, Deutschland und Flamen unter dem religiös begründeten Diktat der strengen „Spanischen Mode“ mit ihren steifen Miedern, der schwarzen Farbe und den hochgeschlossenen Mühlstein – Spitzkragen stehen, brechen die Französinnen und mehr noch die Italienerinnen dieses Diktat selbstbewusst auf: Aus Mühlsteinkrägen werden offene Spitzenkragen über tiefen Dekolletés, die vorgeschrieben sittsamen dunklen Farben werden durch Gold, Silber und Weiß aufgehellt oder völlig ignoriert.

Die Schnitte sind pompös, die verschwenderisch verwendeten Stoffe schwer und prächtig. zur Volumenerweiterung der Röcke werden zunächst steife kegelförmige Reifröcke getragen, die aber dann zeitweilig von dicken, um die Hüften geschnallten Lederwülsten abgelöst werden, die man als „Weiberspeck“ bezeichnete.

Die Männer tragen zur Heerpauke (einer kugelrund ausgestopften kurzen Hose)ein vollständig wattiertes Wams mit „Gänsebauch“- Optik, eine insgesamt derartig steife Kleidung, die an Bequemlichkeit den mittelalterlichen Rüstungen in nichts nachgestanden haben wird.

Der ständige Krieg mit seinen Landsknechten, die als Söldner ganz Europa bereisen, bringt bis zur Jahrhundertmitte Belebung in die Mode. Sie bevorzugen weite, grellbunte Kleidungsstücke(die Zerhauenen), die extrem geschlitzt werden, und aus der ellenlang helles Unterfutter heraushängt: Die Hosenform der „Pluderhosen“ wird von ihnen erfunden. Auch in der höfischen und damit in der tonangebenden Gesellschaftsschicht wird der Sitz der Kleidung lockerer (was sich aber nicht auf das weibliche Schnürmieder bezieht). Die Eitelkeit – insbesondere die männliche – feiert fröhliche Urständ und bringt Dinge hervor wie die „Rheingrafen“ (weite Hosenröcke mit Rüschensaum), Bänder und Schleifen an allen Kleidungsteilen, rote hohe Absätze an den Schuhen und die verschwenderische Verwendung von Spitzen.

Das Ganze gipfelt am Jahrhundertende in der bekannten Pracht des französischen Hofes zur Zeit des Sonnenkönigs.

In der Frauenkleidung reicht es zu der Zeit schon lange nicht mehr aus, nur ein einzelnes Kleid zu tragen, man muss zeigen, dass man sowohl ein kostbares Unterkleid als auch einen ebenso kostbaren „manteau“ tragen (und bezahlen) kann. Damit aber beide Kleiderteile so richtig zur Geltung kommen, wird raffinierte Draperien gelegt. Die Silhouette wird dadurch schmaler, was man noch durch Frisuren „a la Fontange“ (d.h. Strumpfbandfrisur) verstärkte. hierzu wurden die Haare mittels eines Spitzenbandes auf bis zu 50 cm hohen schmalen Drahtgestellen aufgebunden.

Die Männermode beruhigte sich allmählich und die Form des „Justaucorps“ (einer über einer langen Weste getragenen, oft reich bestickten Jacke) entwickelt sich. Vorbild ist natürlich wieder ein Militärrock. Dies ist im Grossen und Ganzen die Form der Männerbekleidung.

Die einzige größere Extravaganz in der Männermode am Ende des Jahrhunderts ist die naturfarbene lockenreiche (und extrem warme) Allongeperücke, die durch den nicht mehr ganz jugendfrischen Sonnenkönig eingeführt wird. Sie soll ihm sein ewig jugendlich, strahlendes Aussehen sichern und wird natürlich am Hof und in modischen Kreisen sofort kopiert.

Tänze:

Tänze der Renaissancezeit strotzten vor Lebenskraft, die Tänze des Barock waren noch leidenschaftlich, und die Tänze der Rokokozeit wie z.B. das Menuett vergleicht man heute mit dem mechanischem Ablaufen eines Uhrwerkes.

1680 hatte ein Tanz mit dem Namen Allemande Eingang am französischen Hof. Es gab diesen Tanz zwar auch schon in der Renaissancezeit, aber erst in der Barock- und Rokokozeit wurde dieser Tanz populär. Der Reiz der Allemande lag in der erotischen Verschlingung der Arme, dadurch wurde er zu einem Flirtspiel für beide Partner.

Die Courante wurde fast 200 Jahre gern getanzt. Die Courante war im 17. Jahrhundert die Königin des Tanzes. Der Tanz war nicht einfach zu erlernen. „Wie auf einem Boot im Sturm“, von rechts nach links schwankend, wird sie von Zeitgenossen beschrieben. Auch durch die Zickzackbewegungen wurde sie bei Sachs „Hüpfendes Hin und Her“ genannt.

Die Sarabande ist seit etwa 1650 als höfische Tanzform der Barockmusik ein häufiger, ursprünglich fester Kernsatz der barocken Suite: Allemande — Courante — Sarabande — Gigue. Da sie ein exotischer, schneller und obszön wirkender Tanz war, wurde sie immer wieder und wieder verboten. In kürzester Zeit wurde sie ein langsamer, anständiger Tanz, ausgelöst durch diese Verbote. Bei den spanischen Tänzen tanzen beide Partner mit erhobenem oder bewegtem Arm. Die Sarbande wurde mit Kastagnetten getanzt.

Zur Branlefamilie gehört die Gavotte. Sie ist der lustigste und ausgelassenste Tanz der Suite.

Tatsächlich gibt es ein Bergvolk des Gapencais im oberen Dauphiné, dass sich Gavots nennt. Ihr Haupttanz nennt sich Gavotte. Zunächst tanzte man diese Gavotten in verschiedenen gestaffelten Zeitmaßen im Kreis oder in der Reihe. In der höfischen Gesellschaft war die Gavotte gern als Einschub in die Suite verwendet worden. Oft erscheint die Gavotte hier auch als Mittelteil in der dreiteiligen Musette.
Die Gavotte lebt heute als Volkstanz in der Bretagne weiter.

Die Blütezeit der Gigue ist das 17. und das beginnende 18. Jahrhundert. Hier erlebte sie nicht nur an den Höfen ihre volle Bedeutung, sondern fand auch gleichzeitig in den Komposition der Zeit ihren Stellenwert. Danach tritt sie nur noch vereinzelt auf. Auch am Hofe von Elisabeth der I. von England pflegt man die sog. „Elisabethanischen Jigs“ zu tanzen. Shakespeare nannte ihn „hot and hasty“. Die Tänzer heben die Arme hoch, hopsen herum und machen sich zum Narren. Er wird nur gehüpft. Besondere Bedeutung fand der Giuge als Schlusssatz in der Suite.

Die Barockzeit war gekennzeichnet durch steife Förmlichkeit, polierte Beherrschung und eine Vorliebe für Fettleibigkeit. Es gibt neue Erfindungen in der Musik, die Oper, das Oratorium, die Kirchensonate, das Konzert und die Suite.

Die höfischen Tänze waren nicht alle künstlich – geziert, dass einige von ihnen fröhlich und ausgelassen getanzt wurden. Dies gehört offenbar zu den Widersprüchlichkeiten der Zeit, zu jenen Unebenheiten der „barocca“, zur Inkonsequenz des Lebendigen, die selbst in dieser Epoche in vielen Bereichen immer wieder durchbrach.

Ein Ball beginnt mit einer Branle. Der König führt den Reigen an; es folgen die Tänzer in strenger Standesordnung. Der Anführer wechselt jeweils ans Ende der offenen Kette, bis der König wieder an der Reihe ist. Alle Tänze beginnen und enden mit Reverenzen. Es folgt eine Gavotte, die ebenfalls ein Reigen ist, nur ein schneller getanzter. Als nächstes wird eine Courante getanzt. Es tanzen allein der König mit der Königin; alle anwesenden sehen stehend zu. Der König der dann nach Status festlegt, wer nacheinander, die Hofleute – immer unter den Augen des Herrschers und des gesamten Hofes, tanzt. Der nächste Tanz ist das Menuett. Geschildert wird eine Art von Folge.

Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde vor allem, durch Froberger, eine bestimmte Satzfolge als verbindlich angesehen: Allemande – Courante – Sarabande – Gigue. Die Einleitung übernahm oft ein nicht tanzmäßiger Satz, z.B. eine Intrada.

Air, Aria: nicht tanzmäßige Suitensätze

Badinerie: Tändelei, Spaß. Dreiertakt. h-mollSuite von Bach

Bourrée: Altfranzösischer Volkstanz

Canarie: schneller Tanz aus dem 16. und 17. Jahrhundert, aus Afrika. Verwandter des Gigue.

Chaconne: kommt aus Mittelamerika. Wie die Sarbande ein ursprünglich obzöner, sinnlicher, ausgelassener Tanz mit Beckenbewegungen im ¾ Takt.

Entrée: Ein Aufzug oder Einzug, getanzt von einer oder mehreren Personen.

Folia: Der Name -. Tollheit, Narretei – lebhafte Bewegungen. Ein alter porugiesischer Fruchtbarkeitstanz. Man verwendete Kastagnetten.

Forlana: Ein Werbetanz der venetianischen Gondolieri. Füße und Hände bewegen sich wie bei der Tatantella. Casanova beschreibt den Tanz in seiner Lebensgeschichte.

Hornpipe: Ein Tanz der schottischen Matrosen. Hier verbindet sich der Tanz mit Holzblasinstrumenten. Der Tanz hatte einen derben, wenig höfischen Charakter.

Loure: Dieser ist ein Dudelsacktanz aus Frankreich. „Stolz und aufgeblasen“nennt sie Mattheson und sieht in ihr eine langsame Art Gigue.

Marsch: Ein Marsch ist eigentlich kein Tanz und wenn er in Schauspielen gebraucht wird, schreiten die Personen ganz langsam daher, ohne tanzen, hüpfen oder springen. (Mattheson 1739)

Der Marsch wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besonders beliebt. Im Barock tanzte man ihn als Aufzug.

Musette: Der Tanz kommt aus Frankreich und dürfte gavotteähnlich getanzt worden sein.

Passacaglia: Der Name bedeutet „Gassenschritt“. Die Passacaglia blieb länger ein Tanz, d.h. sie mußte auch musikalisch die „hurtigere Bewegung“ haben.

Passepied: Er ist ein heiterer Volkstanz aus der Bretagne. Der tanz erhielt seinen Namen von der Fußstellung, bei der ein Bein über dem anderen kreuzt. Sein Wesen kömmt der Leichtsinnigkeit ziemlich nahe“, charakterisiert Mattheson den Tanz. Die Frauen tanzen allein, heben ihre Kleider und schwingen die Beine bis zur Decke. Der Cancan des 15. Jahrhunderts.

Rigaudon: Ein alter französischer Springtanz. ein Werbetanz der Männer. Er wird oft mit dem Bourrée in Verbindung gebracht.

Polonaise: Sie entstanden im 17. jahrhunder, wurde im 18. weiterhin komponiert und getanzt und lebte dann mit der Polenbegeisterung um 1831 neu auf. Sie wurde gerne als Eröffnungstanz getanzt.

Siciliano: Volkstanz aus Sizilien in wiegenden Bewegungen. Ab dem 17. jahrhundert erscheint er auch als „Pastorale“ in Konzert und Oper.

Alle diese Tänze waren Volkstänze. Sie fanden einen Weg an den Hof.

Eure

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