“Morgen ist Heiligabend” hat Frauchen gesagt. Und das bedeutet viele Geschenke und wunderbares Essen.
Ich kleiner Yorki bin ganz schön aufgeregt.
Was bekomme ich denn für Geschenke? Wünschen tu ich mir einen Serano-Schinken-Knochen. Vielleicht ein paar Fleischstückchen, die aber nicht so fett sein sollten. Ich muss schließlich auf meine Linie achten. Wie sagt Frauchen immer: “Die Konkurrenz schläft nicht.” Und jetzt wo ich Blacky, einen süssen Yorki-Rüden kennengelernt habe. Aber davon ein anderes Mal.
Ich bin so hibbelig. Heute Nacht kann ich bestimmt vor lauter Aufregung nicht schlafen. Ich bin froh, dass Gini, meine Yorki-Freundin zu Besuch ist. Gini’s Frauchen muss nämlich noch arbeiten und hat erst nach Weihnachten frei. So ist Gini bis Morgen bei mir. Hund, was bin ich da froh.
Frauchen hört viele Weihnachtlieder und trällert vor sich hin. Aber irgendwie stimmt da was nicht mit den Tönen. Ob ich mal jaulen soll?
Aber richtig leckere Düfte kommen da aus der Küche. Mhhhhhhhhm, Fleisch.
“Anziehen, Mädels! Wir machen noch einen kleinen Abendspaziergang” ruft Herrchen. Mit Gini und Herrchen um die Häuser ziehen und die vielen bunten Lichter an den Häusern, man nennt das Weihnachtsdeko, ansehen. Freu, die Weihnachtszeit ist soooooo schön.

Was hört er da? Er will ja nicht lauschen, aber mit seinen großen Öhrchen, die nun mal Mäuse haben, hört Karle besonders gut. Karle, der Mäuserich wohnt im großen Schloss zu Ludwigsburg.
Was hat der Kammerdiener des Herzogs Carl Eugen gerade erzählt:
Vermöge eines neuen Hofceremoniels, wurde allen Frauenzimmern, die nicht zu der Fahne des Herzogs geschworen hatten, untersagt, blaue Schuhe zu tragen, und im Gegentheil allen denen, die sowol jetzo als auch künftig würdigen würden, ihm ihre Ehre aufopfern zu dürfen, bei der höchsten Ungnade anbefohlen, niemals ohne dieses Unterscheidungszeichen zu erscheinen.
Übersetzt heisst das:
Das der Herzog kein Kind von Traurigkeit ist, wissen alle, sogar die kleine Schlossmaus Karle. Soll er doch 77 anerkannte Söhne haben. Über die Töchter spricht man ja gar nicht. Und da sagt mal einer was über Mäuse. Natürlich war keines der Kinder von seiner Ehefrau Elisabeth Frederike. Und nun trugen also seine Favoritinnen blaue Schühchen.
Da fällt Karle ein, dass der Kammerdiener erzählte, die Bonafini eine berühmte Sängerin am Hof, hätte Leckereien aus Venedig erhalten. Vielleicht fällt auch ein Krümmelchen für mich ab, denkt Karle. Schnell hin zu ihr.
Karle schleicht durch die Ahnengalerie. Seine samtweichen Pfötchen streifen mit einem kleinen, leisen” zisch” über den Fußboden. Ehrfürchtig schaut Karle ab und zu nach oben zu den Bildern von den ehemaligen Herren und Damen des Hauses Württemberg. Hoffentlich endeckt mich nicht Heinrich, der Kater von Johann, dem Kammerdiener, denkt Karle.
Aber Karle hat Glück.
Der Marmorsaal – und was hört er da? Ist das nicht ein A, F, C und nochmal A, F, C. Wunderschöne Töne und diese Stimme, kraftvoll und doch so leicht. Seufz, wunderbar. Andächtig hört Karle zu. Sein Plätzchen ist neben dem Notenständer. Er mustert die Dame. “Ja, das ist sie. Die vielgerühmte, wunderschöne Katherina Bonafini. Die beste Sängerin am bedeutesten Hofe Europas in LudwigSburg.”
Auch ein bedeutender Mann wie der Chevalier de Seingalt, besser bekannt als Casanova, geht hier in Ludwigsburg, am Hofe Carl Eugens, ein und aus. Jetzt sitzt er neben seiner Durchlaucht, dem Herzog – hier im Marmorsaal.
Da staunt ihr, was Karle alles weiß. Sein Freund Johann, der Kammerdiener des Herzogs, ist ein wichtiger Mann am Hof und er teilt Alles mit ihm. Sein Vesperbrot und den Hofklatsch.
Natürlich sind auch wunderschöne Damen anwesend. Eine entzückemder als die Andere. Ob Jung oder Alt. Dicker oder Dünner. Alle sind da um den Herzog zu umgarnen.
Aber was sieht Karle – fast alle tragen blaue Schuhe. Niedliche, bestickte Pantöffelchen von hell- bis dunkelblau. Aus feinster Seide oder prunkvollem Brokat. Mit vielen Schnörkeln und mit Blüten übersäht. Ein paar Pumps sind auch aus blaueingefärbten Leder dabei. Schnüffel, sie riechen nach feinstem Ziegenleder.
Und das sind alles Favoritinnen? Alle Achtung Sir, denkt Karle, sie haben meine Bewunderung.

Eure
Sabine![]()
Maske in Blau
Ciao-Calotta

Zauberei
Heute habe ich, Tessa, einen Adventskalender bekommen. Es hat ganz lecker aus den vielen Fensterchen gerochen. Frauchen hat mir erzählt , dass in 24 Tagen Weihnachten ist und ich jetzt jeden Morgen bis Heiligabend ein Leckerli bekomme. Das mit dem Leckerli ist ja ganz toll, aber was ist Heiligabend und Weihnachten?
Frauchen hat mir erzählt, dass da das Jesuskind geboren wurde und sich alle freuten. Bis auf so einen ollen König.
Meine Freundin Gini hat erzählt, dass unter unserem geschmückten Bäumchen im Wohnzimmer ganz viele Geschenke liegen und vorher gibt es was ganz leckeres zu essen. Mal Gänsebraten mit Rotkraut und Knödel, Rollbraten mit Pfifferlingen und Rösti, gefüllte Kalbsbrust oder Karpfen. Schluck, das klingt ja ganz gut, bis auf den Karpfen, den mag ich nicht. Gini sagt aber auch wenn es Karpfen gibt, bekommen wir Hunde ein Würstchen. Na, da bin ich aber froh.
Auf die Geschenke bin ich mal gespannt. Ich wünsche mir einen neuen Skippy. Mein alter Skippy ist ganz zerfetzt. Stimmt ja es kann ja nicht jeder wissen was ein Skippy ist. Ich sag es euch, ganz einfach ein grosses Stoffviereck aus weichem, rosa Stoff. Das schönste an ihm ist, er quieckt wunderbar, das finde ich zumindest. Ich galube den alten Skippy hat Frauchen kaputt gemacht, weil er ihr zu laut war und wie Frauchen immer sagt, ihr das Gequiecke auf den Geist geht. Ein neuer Seranoknochen wäre auch nicht schlecht. Wann ist nochmal Weihnachten? Das dauert ja noch ewig.
Aber wenn ich artig bin bekomme ich vielleicht einen Hunde-Nikolaus. Und Nikolaus ist schon ganz bald.
Eure
Tessa