by Ciao Calotta | Dezember 10, 2009 4:20 pm

Was hört er da? Er will ja nicht lauschen, aber mit seinen großen Öhrchen, die nun mal Mäuse haben, hört Karle besonders gut. Karle, der Mäuserich wohnt im großen Schloss zu Ludwigsburg.
Was hat der Kammerdiener des Herzogs Carl Eugen gerade erzählt:
Vermöge eines neuen Hofceremoniels, wurde allen Frauenzimmern, die nicht zu der Fahne des Herzogs geschworen hatten, untersagt, blaue Schuhe zu tragen, und im Gegentheil allen denen, die sowol jetzo als auch künftig würdigen würden, ihm ihre Ehre aufopfern zu dürfen, bei der höchsten Ungnade anbefohlen, niemals ohne dieses Unterscheidungszeichen zu erscheinen.
Übersetzt heisst das:
Das der Herzog kein Kind von Traurigkeit ist, wissen alle, sogar die kleine Schlossmaus Karle. Soll er doch 77 anerkannte Söhne haben. Über die Töchter spricht man ja gar nicht. Und da sagt mal einer was über Mäuse. Natürlich war keines der Kinder von seiner Ehefrau Elisabeth Frederike. Und nun trugen also seine Favoritinnen blaue Schühchen.
Da fällt Karle ein, dass der Kammerdiener erzählte, die Bonafini eine berühmte Sängerin am Hof, hätte Leckereien aus Venedig erhalten. Vielleicht fällt auch ein Krümmelchen für mich ab, denkt Karle. Schnell hin zu ihr.
Karle schleicht durch die Ahnengalerie. Seine samtweichen Pfötchen streifen mit einem kleinen, leisen” zisch” über den Fußboden. Ehrfürchtig schaut Karle ab und zu nach oben zu den Bildern von den ehemaligen Herren und Damen des Hauses Württemberg. Hoffentlich endeckt mich nicht Heinrich, der Kater von Johann, dem Kammerdiener, denkt Karle.
Aber Karle hat Glück.
Der Marmorsaal – und was hört er da? Ist das nicht ein A, F, C und nochmal A, F, C. Wunderschöne Töne und diese Stimme, kraftvoll und doch so leicht. Seufz, wunderbar. Andächtig hört Karle zu. Sein Plätzchen ist neben dem Notenständer. Er mustert die Dame. “Ja, das ist sie. Die vielgerühmte, wunderschöne Katherina Bonafini. Die beste Sängerin am bedeutesten Hofe Europas in LudwigSburg.”
Auch ein bedeutender Mann wie der Chevalier de Seingalt, besser bekannt als Casanova, geht hier in Ludwigsburg, am Hofe Carl Eugens, ein und aus. Jetzt sitzt er neben seiner Durchlaucht, dem Herzog – hier im Marmorsaal.
Da staunt ihr, was Karle alles weiß. Sein Freund Johann, der Kammerdiener des Herzogs, ist ein wichtiger Mann am Hof und er teilt Alles mit ihm. Sein Vesperbrot und den Hofklatsch.
Natürlich sind auch wunderschöne Damen anwesend. Eine entzückemder als die Andere. Ob Jung oder Alt. Dicker oder Dünner. Alle sind da um den Herzog zu umgarnen.
Aber was sieht Karle – fast alle tragen blaue Schuhe. Niedliche, bestickte Pantöffelchen von hell- bis dunkelblau. Aus feinster Seide oder prunkvollem Brokat. Mit vielen Schnörkeln und mit Blüten übersäht. Ein paar Pumps sind auch aus blaueingefärbten Leder dabei. Schnüffel, sie riechen nach feinstem Ziegenleder.
Und das sind alles Favoritinnen? Alle Achtung Sir, denkt Karle, sie haben meine Bewunderung.

Eure
Sabine![]()
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