Blooooong und eine wildsausende Tessa, unsere Yorkihündin, rast an mir vorbei.
Was ist denn jetzt los?
Sie ist an der letzten Kellerstufe ausgerutscht und auf Bauch und Kopf gefallen und rennt wie eine Verrückte in das Jungenzimmer.
Ich gehe ihr nach und nehme sie auf den Arm. Kein Laut, aber sie atmet schwer und streckt beide Beine von sich.
Sie hat einen Schock denke ich und setze mich auf das Sofa. Sie reagiert gar nicht auf mich und das ist nicht normal.
Ausgerechnet heute habe ich kein Auto da.
Handy her und ein Taxi bestellen, rast es mir durch den Kopf.
Immer wieder spreche ich beruhigend auf Tessa ein. Sie atmet immer noch sehr hektisch und zittert wie Espenlaub.
Mantel anziehen, Schlüssel und Geldbeutel einstecken. Was brauche ich noch? „Impfbuch“ fällt mir noch ein.
An der Strasse wartet schon das Taxi. Das ging aber flott, denke ich so vor mich hin.
Tessa hat sich in meinem Arm eingekuschelt. Sie atmet ruhiger und auch das Zittern ist besser geworden. „Hauptstrasse 7“, höre ich mich zu dem Taxifahrer sagen. Ruck zuck sind wir da.
Am Empfang und im Wartezimmer ist es leer. Aber schon kommt das Fräulein vom Empfang. Was ist denn passiert? Aus mir sprudeln fast vollständige Sätze.
Leider ist die Frau Doktor nicht da. Sie kommt erst bis in einer Stunde, aber sie können gerne warten.
Ich und warten, wer mich kennt weiß das das keine gute Idee ist. Ich bin mittlerweile schon hippeliger wie der Hund. Tessa liegt ruhig in meinem Arm, aber irgendwas stimmt nicht, das fühle ich.
Ab in die Tierklinik. Das nette Fräulein bestellt uns eine Taxe und in nullkommanix ist die auch da. Langsam kommt es mir so vor als könnten die Taxis in Heilbronn fliegen.
Zehn Minuten später sind wir in der Klinik und dürfen sofort ins Sprechzimmer.
Eine nette Dame in weiss stellt sich vor und streichelt Tessa. Sie stellt sie auf den Boden und lässt sie den Raum durchschnuppern, was sie auch tut. „Super machst du das“, sagt die „Dame in Weiss“ zu Tessa. Ich schaue etwas betreten aus. Habe ich etwa überreagiert?
Ich untersuche sie noch kurz und wenn sie möchten röntgen wir sie zur Sicherheit, sagt sie die Ärztin zu mir.
Immer wieder leuchtet sie in Tessas Augen und ist ganz ruhig.
„Ihr Hund ist blind“, sagt sie dann zu mir. Von der Ferne höre ich „Tessas Pupillen reagieren nicht. Ich werde Blut abnehmen und dann wenn die Nierenwerte in Ordnung sind werden wir sie röntgen.“ Tessa schaut mich an und wedelt mit dem Schwanz. Das kann doch nicht sein. Hunde können das gut kompensieren, sagt die Ärztin zu mir. Mir ist schlecht und ich möchte eigentlich nur meinen Hund in die Arme nehmen und nach Hause. Die Vernunft siegt.
Bitte kommen sie heute Mittag zu unserer Augenärztin, damit sie Tessa untersucht.
Mit Tessa im Arm laufe ich langsam am Neckar entlang nach Hause.
Zu Hause springt sie gleich an ihren Fressnapf und ist mit einem Satz auf der Couch. Unglaublich wie sie das hinkriegt.
Um 14.30 Uhr sind wir pünktlich beim Augenarzt und Tessa stolziert in das Sprechzimmer. Nach zwei Stunden steht fest, dass alle Blutergebnisse in Ordnung sind und Tessas linke Pupille wieder reagiert.
Tessa benimmt sich den ganzen Abend völlig normal und unauffällig.
Heute Morgen beim „Gassi gehen“ springt sie gleich in die Wiese und kurze Zeit später steht sie schwanzwedelnd vor mir. Ich schaue sie an und kann es kaum glauben. Auch die rechte Pupille reagiert wieder.
Tränen der Freude laufen mir über die Wange.
Danke.
Eure
Imperia, eine bronzene Frauenstatue, befindet sich seit 1993 im Hafen von Konstanz. Sie ist fast zehn Meter hoch und wurde von Peter Lenk, einem Bildhauer, entworfen und konzipiert. Imperia stellt eine üppige Kurtisane dar, der ein tiefes Dekolleté und ein Umhang, der nur von einem Gürtel notdürftig geschlossen wird, eindeutige erotische Ausstrahlung verleihen und repräsentieren sollen.
Das Wunderweib ihrer Zeit oder Königin des Konzils, so beschreibt sie eine Erzählung von Honorés de Balzac. Er schildert die schöne Imperia als eine Hure, der alle verfallen sind und die dadurch die eigentliche Herrscherin des Konzils wird.In dieser Zeit befanden sich neben zahlreichen kirchlichen Vertretern auch unzählige Prostituierte in der Stadt, die für Vergnügen und Ablenkung sorgen sollten. Die Imperia selbst ist als eine nur leicht bekleidete Prostituierte dargestellt, die in ihren Händen den Kaiser und den Papst trägt. Sie symbolisiert das zweischneidige Verhalten der damaligen Stadt- und Kirchenväter. Es gab zahlreiche Proteste – vor allem seitens der Kirche, die die satirische Darstellung des Papstes anprangerte. Inzwischen hat sich die Imperia aber zu einem der beliebtesten Wahrzeichen in Konstanz etabliert.
Mich erinnert die Geschichte der Imperia an Mata Hari.
Auch sie war eine faszinierende Frau ihrer Zeit. Eine Tänzerin, die ihren Schleiertanz sowie Kostüm und Legende einer indischen Tempeltänzerin entwarf, die bei ihrem Publikum auf fruchtbaren Boden fielen.
So etwas hatte Paris noch nicht gesehen … aus anmutigen Gesten wurden leidenschaftliche Windungen – und am Ende stand vor den entrückten Damen und Herren der Gesellschaft eine nackte Schönheit.“- SPIEGEL Zeitgeschichten
Oder eine Spionin, die im Laufe ihrer Karriere zunehmend mit Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft in Kontakt kam. Diese Kontakte und Informationen, beabsichtigt oder unwissentlich nutzte und benutzte. Und so der Verdacht der Spionage entstand, der ihr auch zum Verhängnis wurde.
Wer die Geschichten der beiden Damen liest, kann mir nur zustimmen. Sie sind sich sehr ähnlich.
Imperia und Mata Hari.
Mit ihrer exotischen Schönheit und ihrer Art zu tanzen, verdrehten sie wichtigen Männern ihrer Zeit den Kopf.
Eure
Ich mache die Augen auf und schließe sie gleich wieder. Als hätte ich die ganze Nacht in einem Steinbruch gearbeitet und schwere Steine geschleppt. Mein Kopf tut weh und meine Glieder schmerzen fürchterlich.
Klingelingeling.
Noch 5 Minuten nuschle ich so halbwach vor mich hin.
Klingelingeling, das ist doch nicht mein Wecker. Es hört sich viel zarter und heller an. Ich versuche nochmal mein linkes Auge zu öffnen, es klappt und bleibt offen und nun probiere ich es mit meinem rechten. Auch dieser Versuch klappt.
Klingelingeling. Ich sehe nichts. Woher kommt nur dieses Klingelingeling?
„Hier bin ich.“
Ich höre ein feines, aber klares Stimmchen.
Jetzt ist es soweit, jetzt höre ich auch schon Stimmen. In den letzten Wochen habe ich zwar mehr als sonst gearbeitet, aber hört man deswegen gleich fremde Stimmen?
Ganz vorsichtig drehe ich meinen Kopf und schaue suchend durch das Zimmer.
Nichts, ich sehe nichts. Mir ist ganz unheimlich.
„Schau doch mal auf das Kissen neben dir, da bin ich.“
Ich traue meinen Augen nicht. Auf meinem Kissen sitzt ein kleines, vielleicht zwanzig Zentimeter großes, süsses, entzückendes, orangefarbenes Mädchen mit durchsichtigen, feinen Flügeln.
„Du siehst schon richtig. Ich bin Clementinchen, deine Glücksfee. Ich wollte dich besuchen.
Wir Glücksfeen im Regenbogenland haben uns Sorgen um dich gemacht. Du hast in letzter Zeit viel gearbeitet und nicht viel Spass und Freude gehabt. Wir vermissen das Funkeln in deinen Augen und dein warmes, so ansteckendes Lachen.
Deswegen habe ich meine Farbpalette mitgebracht. Ein bisschen Farbe wirkt oft Wunder.
Smaragdgrün für deine wunderschönen Augen und ein zartes pink auf deine vollen Lippen. Das gefällt mir. Noch ein bisschen pfirsichfarben auf deine Wangen und ein Klecks samtbraun auf deine Haut. Voila, fertig. Ja, das bist wieder du.“ Clementinchen klatscht in ihre Händchen und schwirrt begeistert um mich herum.
Klingklingkling. Das klingt ja grausam. Mein Wecker klingelt.
Clementinchen? Wo bist du? Sollte ich das nur geträumt haben. Kein Clementinchen.
Ich schaue aus dem Fenster. Die Sonne ist schon zu sehen und die Luft riecht herrlich. Was für ein schöner Tag.
Als ich vor dem Spiegel stehe und mein Blick auf die Lidschattenpalette fällt, lächle ich. „Ein bisschen smaragdgrün für deine …“. Danke Clementinchen.
Eure
Der Weg nach Santiago de Compostella ist lang und beschwerlich. Drum, Ihr müden Pilgersleut, wenn Euer Weg Euch durch Konstanz führt, so wisset, das dort ein Kästlein Euch versteckt wurde. Hier findet Ihr kleine Barmherzigkeiten, die andere für Euch hinterliessen. Erlabt Euch daran und seid ebenso mildtätig zu euren Nachfolgern.
Klingt doch interessant und da wir ein paar Tage in Konstanz verbringen, können wir doch die Herausforderung annehmen und das Kästlein bergen. Die Koordinaten führen uns am See entlang zu unserem Startpunkt von „Jakobsweg Konstanz“ einem Multicache. Ja, wir sind Geocacher und lernen gerne neue Umgebungen mit diesem Hobby kennen.
Nach dem Frühstück machten wir uns also auf unsere Pilgersreise. Vorbei an der Stephanskirche zum Konstanzer Münster. Dort beginnt tatsächlich der Jakobsweg von Konstanz nach Einsiedeln, der sogenannte Schwabenweg. Das ist allerdings nicht unser Jakobsweg sonder einer der großen Pilgerwege.
Der Himmel ist grau, aber es regnet nicht und so maschieren wir los. Unser Weg führt uns über die Rheinbrücke zur Seestrasse, die uns ein stückweit am See entlangführt. Sehnsüchtig schaue ich zu den „Bodensee Thermen“ und sehe den Dampf der Heilquellen, aber wir werden von unserem GPS in einen Wald geführt. Vorbei an einem Bächlein an dem ein kleiner Junge mit seinem Vater eine Art Staudamm baut. Immer tiefer in den Wald. Der Pfad führt uns kreuz und quer. Na wenn das mal gut geht. Sollte ich nicht ein bisschen mehr Vertrauen haben, denke ich so vor mich hin. Nach einer Rechtsbiegung lichtet sich der Wald und ein Weg schlängelt sich an saftig, grünen Wiesen vorbei und führt uns wieder zum See. Bei unserer ersten Station, werden wir nach der Anzahl der Stufen zum See hinab gefragt.
Mit den errechneten neuen Koordinate geht es weiter zur der nächsten Station an der Jakobsstrasse. Nach einem weiteren Rechenstop kommen wir beim Aufsteigen leicht außer Pusste. Sind dies etwa schon die Pyrenäen?
Noch einen Schlenker nach rechts und wir stehen vor einem Kreuz, unserer dritten Station. Nur noch wenige Meter trennen uns von unserem Final.
Und was erblicken nach ein paar Metern unsere frommen Pilgeraugen hier? So etwas haben wir noch nie gesehen. Die Loretto-Kapelle. Wir verharren in andächtigem Schweigen.Viele Gedanken schwirren durch den Kopf und lösen sich fast von selbst auf.
„Bedrängt von den schwedischen Heerscharen unter General Horn, gelobten 1632 die Bürger von Konstanz, Gott und der allerseeligsten Jungfrau zu Ehren, den Bau einer Loretto-Kapelle und siehe, den Gläubigen ward nach schwedischer Belagerung Hilfe“. Diese Inschrift beschreibt den Grund für die Errichtung der Loretto-Kapelle. Vor dem Außenaltar sieht man eine überdachte, offene Bethalle, in der auch heute noch gebetet und Gottesdienste gefeiert werden.
„Hallo, ich heisse Jürgen“. Eine angenehme Baritonstimme klingt aus der Bethalle. „Kann ich euch helfen?“ Ein bärtiger Hüne mit einem großen Rucksack auf dem Rücken kommt uns entgegen. „Ich glaube, wir suchen das Gleiche, aber ich bin nicht fündig geworden. Vielleicht haben wir zusammen mehr Glück.“
An den Cache habe ich gar nicht mehr gedacht. Zusammen suchen wir nach dem Kästlein, aber die Suche ist leider erfolglos.
Nach einem netten Gespräch trennen sich unsere Wege von Jürgen. Ihn führte der Weg zur Fähre und wir folgen dem gekennzeichneten Muschelweg nach Konstanz.
Eure