by Ciao Calotta | Februar 3, 2011 5:31 pm
Heute besuchte ich eine gute Freundin und wie es so ist, kamen wir auch auf das Thema Alter zu sprechen. Ich erinnerte mich an eine Geschichte , die Dieter Hildebrandt geschrieben hat, die ich richtig passen fand.
Das Alter tritt ein. Unhöflich, ungezogen und ohne anzuklopfen. Plötzlich steht es im Raum. Man schaut es an, ist überrascht, sagt:”Ach, da bist Du ja. Kommst Du nicht etwas zu früh?” Es sagt: “Hast du mich nicht kommen sehen?” “Nein,” sage ich, “ich hatte keine Zeit, ich war zu sehr mit der Jugend beschäftigt.” Es nickt und murmelt mürrisch: “Sie sind alle nicht vorbereitet. Altern muß man üben. Manche beherrschen es schon in jungen Jahren.” Ich werde es lernen. Ich liebe das Alter.” Das Alter mustert mich verächtlich: “Wenn du mir jetzt noch diesen dümmsten Satz zumutest, der je zu diesem Thema gesagt wurde, nämlich, dass man immer so alt wäre, wie man sich fühle, während doch die Mehrzahl immer nur spielt, als wäre sie jünger als ihr Alter, dann bist Du bereits zur Hälfte in der Gruft!” Ich war so empört darüber, das mich das Alter duzt, dass ich die Gruft glatt überhörte. “Verlassen sie sofort mein Haus!” schrie ich. Das Alter lächelte und verließ das Haus. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, saß es an meinem Bett, grinste und sagte: “Hallo Alter.”
Es wohnt jetzt bei mir. Ich hasse es. aber es hilft nichts. Es ist nicht umzubringen. Unverwüstlich. Ach so, und dieser immer wieder einschlagende Satz, den mein Alter so zynisch kommentiert. Ich weiss jetzt wie er lauten muss: So wie man sich fühlt, so alt ist man auch.
von Dieter Hildebrandt
(Tagesspiegel 18.03.2008)
Eure
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