Gestatten, mein Name ist Rudi

Ich bin ein kleiner Laternenkürbis und heiße Rudi.

Wir Kürbisse sind die größten Früchte im Pflanzenbereich. Von meinen Freunden unterscheide ich mich in der Form, Farbe, Größe, Außenhaut und dem Fruchtfleisch. Wir wachsen rankend und auch kletternd über den Boden im Sommer.
Vor ein paar Tagen kam der Herbst mit großen Schritten und zauberte wunderschöne, warme Farben in die Natur. Er erzählte uns Kürbissen, dass es an der Zeit wäre erwachsen zu werden und dass wir geerntet werden könnten. Bloß was ernten ist, sagte er uns nicht.
In den Morgenstunden ist es nun auch schon recht frisch, aber über den Tag werden wir von wärmende Sonnenstrahlen liebkost. Am Abend sind wir dann ganz müde vor lauter Wachsen. Erwachsen zu werden strengt nämlich ganz schön an. Auch uns Kürbisse.
Viele Menschen kamen heute schon sehr früh und haben uns gepflückt und in ein großes Ding aus Blech mit vier Rädern verladen. Aus ihm kam grauer Rauch, der furchtbar stank. Ein riesengroßer Mensch meinte: “Die Ernte sei gut ausgefallen.” Das war also ernten. “Und nun?”, fragte ich mich. “Was passiert mit uns als nächstes?”
Die Menschen legten uns auf eine mit Stroh geschmückte Pyramide. Jeder Kürbiss hat ein schönes Plätzchen bekommen und wir fühlen uns alle sehr wohl.
Doch bei jedem Geräusch zucken wir zusammen. Sobald sich jemand der Pyramide näherte, zeigten wir uns von unserer besten Seite. Man weiß ja nie –
Ich spüre warme Finger auf meiner Haut und werde dann auch schon sanft in einen Korb gelegt. Kürbine, eine cremefarbene Butternut-Dame gesellt sich zu mir. Marie ein ganz feiner, orangener Hokkaido-Kürbis wird auch zu uns in den Korb gelegt. Vittorio ein Festival und Rosetta, eine quirlige Zierkürbisdame, sowie der kleine Spagetti Alfredo und dessen neue französischen Freundin Chantal Riesenkürbis vervollständigen die Runde.
“Hallo, ich möchte auch noch mit,” sagt eine sonore Stimme aus nächster Nähe. Es ist Balduin der Moschus-Kürbis.
“So ihr Hübschen, jetzt fahren wir nach Hause” hören wir eine angenehme, fröhliche Stimme sagen.
Vittorio, der Kürbis von Welt meint zu uns: “Wer so eine tolle Stimme hat, kann nicht’s Böses mit uns im Sinn haben”. Zustimmend wackeln alle.
“Aber, aber – irgendwie habe ich Angst”, meint Kürbine. Ich habe soviel Schreckliches gehört. Da hat man welchen von uns die Haut abgezogen und sie dann eingehobelt und auf offenem Feuer gegart. “Terrible, das ist ja furchtbar” jammert Chantal und zittert.
Auf einmal geht ein Ruckeln durch den Korb und er wird mit uns hochgehoben. Wir werden ziemlich durchgeschüttelt. Alle knirschen und quietschen vor Angst.
Plötzlich ist es ganz ruhig und still. Auch wir Kürbisse geben keine Mucks von uns. Ich spüre wieder die warmen Finger. Ich, Rudi, komme zuerst dran. Mutig strecke ich mich durch und erwarte mein Schicksal.
“Freunde, ich kann richtig sehen!” Ist das klasse. Die Welt um mich herum ist so schön und so bunt. Nicht’s Schreckliches passiert mit uns, im Gegenteil. Wir bekommen nur ein Gesicht gemalt und werden zur Schau in den Garten gestellt.
Nur kitzeln tut es ganz doll und ich muss lachen.
“Gell, ich bin jetzt ein richtig hübscher Laternenkürbis?”

Eure

Sabine

Unser Jakobusweg

 

Der Weg nach Santiago de Compostella ist lang und beschwerlich. Drum, Ihr müden Pilgersleut, wenn Euer Weg Euch durch Konstanz führt, so wisset, das dort ein Kästlein Euch versteckt wurde. Hier findet Ihr kleine Barmherzigkeiten, die andere für Euch hinterliessen. Erlabt Euch daran und seid ebenso mildtätig zu euren Nachfolgern.

Klingt doch interessant und da wir ein paar Tage in Konstanz verbringen, können wir doch die Herausforderung annehmen und das Kästlein bergen. Die Koordinaten führen uns am See entlang zu unserem Startpunkt von „Jakobsweg Konstanz“ einem Multicache. Ja, wir sind Geocacher und lernen gerne neue Umgebungen mit diesem Hobby kennen.

Nach dem Frühstück machten wir uns also auf unsere Pilgersreise. Vorbei an der Stephanskirche zum Konstanzer Münster. Dort beginnt tatsächlich der Jakobsweg von Konstanz nach Einsiedeln, der sogenannte Schwabenweg. Das ist allerdings nicht unser Jakobsweg dieser Pilgerweg.

Der Himmel ist grau, aber es regnet nicht und so maschieren wir los. Unser Weg führt uns über die Rheinbrücke zur Seestrasse, die uns ein stückweit am See entlangführt. Sehnsüchtig schaue ich zu den „Bodensee Thermen“ und sehe den Dampf der Heilquellen, aber wir werden von unserem GPS in einen Wald geführt. Vorbei an einem Bächlein an dem ein kleiner Junge mit seinem Vater eine Art Staudamm baut. Immer tiefer in den Wald. Der Pfad führt uns kreuz und quer. Na wenn das mal gut geht. Sollte ich nicht ein bisschen mehr Vertrauen haben, denke ich so vor mich hin. Nach einer Rechtsbiegung lichtet sich der Wald und ein Weg schlängelt sich an saftig, grünen Wiesen vorbei und führt uns wieder zum See. Bei unserer ersten Station, werden wir nach der Anzahl der Stufen zum See hinab gefragt.
Mit den errechneten neuen Koordinate geht es weiter zur der nächsten Station an der Jakobsstrasse. Nach einem weiteren Rechenstop kommen wir beim Aufsteigen leicht außer Pusste. Sind dies etwa schon die Pyrenäen?
Noch einen Schlenker nach rechts und wir stehen vor einem Kreuz, unserer dritten Station. Nur noch wenige Meter trennen uns von unserem Final.

Und was erblicken nach ein paar Metern unsere frommen Pilgeraugen hier? So etwas haben wir noch nie gesehen. Die Loretto-Kapelle. Wir verharren in andächtigem Schweigen.Viele Gedanken schwirren durch den Kopf und lösen sich fast von selbst auf.

„Bedrängt von den schwedischen Heerscharen unter Gene­ral Horn, gelobten 1632 die Bürger von Konstanz, Gott und der allerseeligsten Jungfrau zu Ehren, den Bau einer Loret­to-Kapelle und siehe, den Gläubigen ward nach schwe­discher Belagerung Hilfe“. Diese Inschrift beschreibt den Grund für die Errichtung der Loretto-Kapelle. Vor dem Außenaltar sieht man eine überdachte, offene Bethalle, in der auch heute noch gebetet und Gottesdienste gefeiert werden.

„Hallo, ich heisse Jürgen“. Eine angenehme Baritonstimme klingt aus der Bethalle. „Kann ich euch helfen?“ Ein bärtiger Hüne mit einem großen Rucksack auf dem Rücken kommt uns entgegen. „Ich glaube, wir suchen das Gleiche, aber ich bin nicht fündig geworden. Vielleicht haben wir zusammen mehr Glück.“

An den Cache habe ich gar nicht mehr gedacht. Zusammen suchen wir nach dem Kästlein, aber die Suche ist leider erfolglos.

Nach einem netten Gespräch trennen sich unsere Wege von Jürgen. Ihn führte der Weg zur Fähre und wir folgen dem gekennzeichneten Muschelweg nach Konstanz.

Eure

Sabine

Rosen-Lieblingsgedicht

Der Rosenelf

Inmitten eines Gartens wuchs ein Rosenstrauch,
der war ganz voller Rosen,
und in einer davon, der schönsten von allen,
wohnte ein Elf; er war so winzig klein,
dass kein menschliches Auge ihn sehen konnte,
hinter jedem Blatt in der Rose
hatte er so wohlgestalt und hübsch,
wie ein Kind nur sein konnte,
und hatte Flügel an den Schultern,
hinab bis zu den Füßen.
Oh, es war ein Duft in seinen Zimmern,
und wie hell und schön waren die Wände!
Sie waren ja die feinen hellrosa Rosenblätter.

Hans Christian Andersen

 

Eure

Sabine

Idyllisches Furtwangen im Schwarzwald

Ein Seminar geleitete mich in das Städtchen Furtwangen. Einen kleinen, aber ganz großen Ort im Schwarzwald.

Hier entlang am Westweg von 280 km, der von Pforzheim nach Basel führt.

Die Studentenstadt mit ihrem eigenen Flair habe ich kennen und schätzen gelernt.

In meinem Hotel „Zum Ochsen“  fühlte ich mich pudelwohl. Der Service ist sehr gut und die Zimmer im Nebengebäude sind groß, hell und gut ausgestattet. Genügend Parkplätze sind hinter dem Hotel vorhanden und seine Lage ist ein idealer Ausgangspunkt.

Neben dem Hotel, welches mitten im Ort liegt, findet man ein kleines Blumengeschäft welches inmitten seiner Blumenpracht, zu einem Kaffee oder einem Chai latte  mit Kuchen einlädt. Ich mache es mir in einem Strandkorb gemütlich und komme mit zwei Wanderinnen aus Brasilien ins Gespräch. Sie sind über den Westweg hereingekommen und übernachten in einem Zelt am Rande des Ortes.

Mein Blick schweift hoch zur Fatimakapelle. Vor dem Abendessen lockt sie mich zu einem Spaziergang zu sich hinauf. Vorbei an netten Geschäften, dem Narrenbrunnen durch die Fußgängerzone, geht es steil zum Friedhof hinauf und dann sehe ich auch schon die Kapelle. Sie ist klein, aber fein. Ich setze mich auf eine Bank und genieße den herrlichen Ausblick.

Bergab geht es natürlich wesentlich einfacher und mein knurrender Magen erinnert mich, dass Essenszeit ist. Das Abendessen im Hotel ist ein richtiges Leckerli. eine große Auswahl an Gerichten und eine Vielfalt an Wein, Bier und Schnaps laden in gemütlicher Atmosphäre gerne zum Verweilen ein.

Am nächsten Morgen, gestärkt von einem ausführlichen Frühstück geht es bis mittags zum Seminar.

Nach dem Mittagessen, einer leckeren Salatplatte, besuche ich das weltweit bekannte Uhrenmuseum. Ich bin beeindruckt von der Geschichte der Uhr. Besonderheiten und Anekdoten werden von einer sympathischen Museumsführerin erzählt.

Am Abend heißt es Abschied nehmen von dieser Idylle.

Vielleicht sehen wir uns nächstes Jahr wieder, als Zwischenstopp beim Wandern auf dem Westweg?

Eure Sabine

Darf ich bitten ……

Es ist schon fast 9 Uhr. Jetzt aber hurtig.

Drei neue Tänze habe ich vorbereitet und ein paar werden wir wiederholen. Schnell die Treppe hinauf und in den kleinen Saal.

Dreierschritt, Walzerschritt, Pendelschritt, Kolofassung im Frontkreis – das ist der Trias schwirrt es mir im Kopf herum. Leise summe ich die Melodie vor mich hin.

Frau Böhlke hat schon einige Stühle aufgestellt. Wie früher in der Tanzstunde. Eine Reihe am Fenster und gegenüber auf der anderen Saalseite die andere Reihe.

Und schon kommen sie – meine Tanzmädels. Pünktlich wie immer und schick sehen sie wieder aus.

Heute sind es 20 tanzfreudige Seniorinnen, die mich erwartungsvoll anschauen. Erstmal ein Geburtstagsständchen für Frau Elstner, die am Montag ihren 78 Geburtstag feierte. Sie verteilt an alle etwas Süsses. Das ist so Brauch an Geburtstagen.

Karle, die Schlossmaus habe ich heute als Geschichte zum vorlesen und zur Einstimmung gewählt.

Und dann tanzen wir: Langsamen Walzer, internationale Volkstänzen und alte Deutsche Tänze.

Zum Schluss gleite ich mit Frau Schütz, einer rüstigen 90 Jährigen, zu einem Walzer übers Parkett.

Die Zeit ist wie im Fluge vergangen und es war wieder wunderschön.

Danke meine werten Damen.

Nettes Video zu dem Thema  bei Youtube gefunden.

Eure

Sabine