Ciao Calotta

Mäuserich sucht Mäusin

Montag, 25. Januar 2010 von Ciao Calotta

Karle sitzt auf seinem Lieblingsplatz an der nördlichen Seite des Schlosses. Es hat wieder etwas geschneit. “Ach, wie still und ruhig es ist” seufzt Karle. Sein kleiner  Mund formt sich zu einer Schnute. “Tzzzzz, was soll ich nur machen. Mir ist so langweilig. Im Garten vom Schloss spaziert kein Mensch.”

“Das Schloss schauen sich viele Leute an , aber ich kenn es in und auswendig.”

Ganz in sich zusammengesunkten sitzt Karle da und kaut gelangweilt auf einem Sonnenblumenkern, den irgend ein Vogel im Flug verloren hat, herum.

“Wenn ich jemanden hätte, dem ich alles zeigen und für den ich sorgen könnte, ja das wäre schön.” Karle fängt an zu träumen:

“Graues, weiches Fell sollte sie haben, einen süssen kleinen Mund dunkle, lebendige Kulleraugen. Abenteuerlustig sollte sie sein und genau so verschmust wie ich. Was wäre das schön, wenn wir zusammen ein Stück Käse ergatterten und es in unserem Zuhause verspeisen würden.”

Ihm wird ganz warm um’s Herz.

Karle dreht sich um. “Hoffentlich habe ich das nicht laut gesagt. Nein, es ist keiner da, wie auch. Die Tiere sind in ihrem Bau bei ihren Familien und manche davon machen auch Winterschlaf und  die meisten Vögel sind im Süden und kommen erst wieder, wenn es wärmer wird.”

“Nur ich bin allein”, denkt Karle und ein tiefes Seufzen steigt aus seiner Brust.

“Karle, Kaaaaaaaaaaarle, wo bist du denn?”

Ist das nicht die Stimme von Johann, dem Kammerdiener? “Ich komme schon, was gibt es denn?” ruft Karle zurück.

“Heute kamen doch Leute aus Potsdam und stell dir vor was die in ihrem modernen Autobus hatten?”

Hinter seinem Rücken holte Johann eine kleine weisse Schachtel mit ganz vielen Löchern hervor. “Für dich Karle”, sagt Johann. Karle wird ganz rot und sagt beschämt “Danke Johann”. “Was ist das?” fragt Karle. “Das ist kein Das, das ist eine Die und wir haben sie Sophie genannt.”

Ein kleines Stupsnäschen schaut aus einem der Löcher heraus und man sieht auch richtig feuerige, dunkle Kulleraugen.

“Lasst ihr mich jetzt endlich raus?”, piepste eine wunderschöne Stimme. “Soll ich?” fragt Johann den verblüfft ausehenden Karle. “Aa, Aaaber ja doch”, sagt Karle schnell.

Ja, so habe ich sie mir vorgestellt. So sollte sie aussehen, meine Mäusin. Und der Name Sophie, passt zu ihr. Edel, hübsch und anmutig, wie eine Mäuseprinzessin.

Eure

Sabine

Die Zauberwelt des Märchengarten’s

Freitag, 15. Januar 2010 von Ciao Calotta

Karle knabbert an einem Grasshalm und lässt sich von den Sonnenstrahlen küssen.

“Ich bin so satt, ich mag kein Blatt -mäh, mäh. Woher ist mir dieser Satz nur bekannt”, hirnt Karle. “Habe ich ihn von den Besuchern im Restaurant in der Schlosswache gehört oder war es im Parkcafe? Irgendwie kann ich das Eine und das Andere nicht glauben”, denkt Karle so für sich.

Stimmt ja, es war ja bei dem Märchen Tischlein deck dich.

Nicht weit vom Schloss im Blühenden Barock gibt es doch einen Märchengarten! Vielleicht finde ich da das gedeckte Tischlein? überlegt Karle.

Na, wie komme ich denn dort am besten hin? grübelt Karle.  Vorbei an dem steinernen Drachen, der nach Papier ruft, schnurstracks in Richtung Emichsburg.  Dort sieht Karle den Zopf von Rapunzel am Turm herunterbaumeln. “Heute komme ich dich nicht besuchen,” ruft Karle zu Rapunzel hinauf. “Oh, wie schade”, hört Karle vom obersten Fenster des Turm’s.

Schon hat Karle den Eingang zum Turm gefunden. Vorbei an dem schlafenden Dornröschen und dann die vielen Stufen hinab.  Das Märchen Die zertanzten Schuhe begleitet Karle bis zum Gewölbe des Rübezahl.

Ganz leise schleicht sich Karle an ihm vorbei, aber schon donnert die Stimme Rübezahls’ “Willst du Gold und Edelsstein, aber du bekommst sie nicht. Ha, ha, ha, ha.” Möchte ich gar nicht, aber vielleicht kannst du mir sagen wie ich zum Tischlein deck dich komme? fragt Karle den Rübezahl. Mit seiner dunklen Stimme antwortet der Bergeist, da musst  du aber noch an vielen Märchen vorbei. Zuerst bei Aschenputtel’s Tauben,  dann zu Schneewittchen‘s Pavillion und dann folge dem Bach von Brüderchen untd Schwesterchen, er mündet in den Märchenbach. Am besten fragst du unterwegs nochmal Hänsel oder Gretel nach dem Weg. Sonst verirrst du dich noch und landest  im Hexenhaus.

Weit und breit kein Hänsel und keine Gretel.

Na, vielleicht wohnt da jemand in dem kleinen Fachwerkhaus. Karle springt schnell hinüber und presst sein Näschen an die Scheibe. Da sitzt ja die Müllerstochter und spinnt Stroh. “Werte Müllerstochter, kannst du mir vielleicht bitte sagen wie ich zum Tischlein deck dich komme?” fragt Karle höflich. “Aber sicher kann ich dir weiterhelfen”, antwortet die Müllerstochter. “Du gehst bei den orientalischen Märchen vorbei zur großen Holzbrücke und da den Berg hinauf. Bei Sesam öffne dich, Schneeweißen und Rosenrot und dem Sterntaler vorbei. Immer gerade aus. Sollte dir ein verhutzeltes, kleines Männchen begegnen, frage es doch bitte nach seinem Namen. Wenn ich den wüsste, würdest du mir sehr helfen.” Karle bedankt sich artig und verspricht nach dem Männchen Ausschau zu halten.

Karles Kopf brummt schon vor lauter Märchen.  Er sieht die Bremer Stadtmusikanten, Rotkäppchen, Die sieben Geisslein und Frau Holle. Prinzessin hier, Riese da, langsam werde ich müde und knurr, knurr; auch hungrig.

Reiß dich zusammen, sagt Karle zu sich, du bist jetzt schon soweit und schließlich besuchst du das Tischlein deck dich. Dort wartet Wurst, Käse, kalter Braten, Weintrauben und vielleicht ein saftiges, gebratenes Hähnchen und ein Krug mit Trollinger Wein. Mhm, lecker. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen.

Schnell noch an den Roten Schuhen und dem Riese Goliath vorbei und da steht auch schon das Häuschen in dem das Tischlein deck dich sich für mich gedeckt hat.

Es hat noch so viele Märchen, die ich nicht gesehen habe. Karle schaut etwas betrübt, aber es gibt noch andere Tage.

“Ach, jetzt bin ich aber hungrig und durstig. Jetzt dürft ihr mir alle einen guten Apettit wünschen.” sagt Karle zu den am Wegestand stehenden “singenden Pilzen.”

Eure
Sabine

Salutations, Napoléon, Empereur des Français

Dienstag, 12. Januar 2010 von Ciao Calotta

Was ist denn hier los? Was ist denn das für ein Rummel? Karle reibt sich die Äuglein aus.

Königin Charlotte Mathilde ist nervös. Kaiser Napoleon wird mit seiner Gattin Josephine zu Besuch an den Hof König Friedrichs kommen. Johann, der Kammerdiener seiner Hoheit Friedrich I. erzählt beim 2. Frühstück von der Ankunft und den dazu gehörigen Vorbereitungen. Karle hört gespannt zu. Johann scheint gut gelaunt zu sein. Er legt Karle ein Stückchen Hefezopf hin.

Karle grubbelt die Zuckerkörner aus seinen Barthaaren. Mhmmm, lecker. Er hört weiter zu was Johann den Anderen erzählt. Da Napoleon gerne mit Gefolge zu Reisen pflegt, wird im Schlosshof ein Biwak errichtet. Lagerfeuer, Schweiß, Flüche und der leichte Geruch von Schießpulver zieht durch Karles Sinne.

Karle sieht im Hof Soldaten, die ihre Uniformen nähen. Oder das liebe Hausfrauchen, die Marketenderin, wie sie ihrem Mann den Marsch bläst, weil er etwas auf dem Hocker eingenickt ist.

Ein Reiter kommt auf einem schwer schnaubenden braunen Pferd geritten. In wenigen Minuten wird Napoleon und die Kutsche seiner Gattin Josephine nebst Höflingen und den restlichen Soldaten eintreffen.

Und da ist er, Karle schnappt nach Luft: Napoleon, der Kaiser der Franzosen. Wie so oft reitet er auf Marengo, seinem treuen Pferd, das ihn zu so mancher Schlacht getragen hat. Ein wunderschönes, stattliches Pferd, denkt Karle und das trägt einen so kleinen Mann.

Die Kutsche der Kaiserin fährt in den Hof. Gleich nachdem sie hält, springen drei Diener an den Schlag um ihn zu öffnen und den Herrschaften herauszuhelfen. Karle kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die schönen Pferde, die prächtige Kutsche und dann noch diese wunderschöne Dame. Mit ihren  Augen schaut sie in Richtung Küchenbau. Sie blinzelt, was für ein koketter Augenaufschlag, denkt Karle. Bilde ich mir das wieder ein oder blinzelt sie mir zu?

Nacheinander verschwinden die Höflinge im Alten Corps de Logis. Sie werden sich etwas frisch machen und sich dann auf der Terrasse  des Neuen Corps de Logis zeigen. Dieser Tage  wird die Vermählung von Jerome Bonaparte, dem zukünftigen König von Westphalen und der Tochter des Hauses Katharina, geplant und heute Abend wird die Verlobung offiziell verkündet.

Karle knabbert gerade an einem ergatterten Stückchen Speck, als Anna, eines der Silbermädchen, in die Küche kommt. Stellt euch vor, was ich gerade aus dem Ofenrohr gehört habe, kicher. Unser Herr König Friedrich I.,, Anna knickst, begrüsste seine Majestät den Kaiser Napoleone Bonaparte, Anna knickst. Und was macht der? Er läuft um den 2,11m großen und bestimmt 200kg schweren Friedrich rum, blickt auf und sagt: “Ich wusste gar nicht, dass sich die Haut überhaupt so weit ausdehnen kann!” Darauf entgegnete Friedrich: “Und ich bin erstaunt, dass in einem so kleinen Kopf soviel Gift stecken kann!”

Karle hustet und hustet, hat er sich doch an dem Stückchen Speckschwarte verschluckt.

Anna erzählt weiter: Erst war ganz ruhig und wir Dienerschaft dachten schon, die Fetzen fliegen geich, als wir aufeinmal schallendes Gelächter hörten und durch das Schlüsselloch sah Hans wie sich die zwei Herren in den Armen lagen. Ein komisches Bild war das. Der große Dicke und der kleine Schlanke.

Das ganze Küchenpersonal lachte und auch Karle streichelte über sein Bäuchlein, das vom Lachen weh tat.

In der Küche ist es einfach schön. Doch nachher werde ich mich kurz nach draussen schleichen und mir die Hoheiten anschauen. Vielleicht sehe ich sie nochmal, die wunderschöne Kaiserin?

Eure
Sabine

Karle findet die blauen Schuhe

Donnerstag, 10. Dezember 2009 von Ciao Calotta

Maus_200

Was hört er da? Er will ja nicht lauschen, aber mit seinen großen Öhrchen, die nun mal Mäuse haben, hört Karle besonders gut. Karle, der Mäuserich wohnt im großen Schloss zu Ludwigsburg.

Was hat der Kammerdiener des Herzogs Carl Eugen gerade erzählt:

Vermöge eines neuen Hofceremoniels, wurde allen Frauenzimmern, die nicht zu der Fahne des Herzogs geschworen hatten, untersagt, blaue Schuhe zu tragen, und im Gegentheil allen denen, die sowol jetzo als auch künftig würdigen würden, ihm ihre Ehre aufopfern zu dürfen, bei der höchsten Ungnade anbefohlen, niemals ohne dieses Unterscheidungszeichen zu erscheinen.

Übersetzt heisst das:

Das der Herzog kein Kind von Traurigkeit ist, wissen alle, sogar die kleine Schlossmaus Karle. Soll er doch 77 anerkannte Söhne haben. Über die Töchter spricht man ja gar nicht. Und da sagt mal einer was über  Mäuse. Natürlich war keines der Kinder von seiner Ehefrau Elisabeth Frederike. Und nun trugen also seine Favoritinnen blaue Schühchen.

Da fällt Karle ein, dass der Kammerdiener erzählte, die Bonafini eine berühmte Sängerin am Hof, hätte Leckereien aus Venedig erhalten. Vielleicht fällt auch ein Krümmelchen für mich ab, denkt Karle. Schnell hin zu ihr.

Karle schleicht  durch die Ahnengalerie. Seine samtweichen Pfötchen streifen mit einem kleinen, leisen” zisch” über den Fußboden. Ehrfürchtig schaut Karle ab und zu nach oben zu den Bildern von den ehemaligen Herren und Damen des Hauses Württemberg. Hoffentlich endeckt mich nicht Heinrich, der Kater von Johann, dem Kammerdiener, denkt Karle.

Aber Karle hat Glück.

Der Marmorsaal – und was hört er da? Ist das nicht ein A, F, C und nochmal A, F, C. Wunderschöne Töne und diese Stimme, kraftvoll und doch so leicht. Seufz, wunderbar. Andächtig hört Karle zu.  Sein Plätzchen ist neben dem Notenständer. Er mustert die Dame. “Ja, das ist sie. Die vielgerühmte, wunderschöne Katherina Bonafini. Die beste Sängerin am bedeutesten Hofe Europas in LudwigSburg.”

Auch ein bedeutender Mann wie der Chevalier de Seingalt, besser bekannt als Casanova, geht hier in Ludwigsburg, am Hofe Carl Eugens, ein und aus. Jetzt  sitzt  er neben  seiner Durchlaucht, dem Herzog – hier im Marmorsaal.

Da staunt ihr, was Karle alles weiß. Sein Freund Johann, der Kammerdiener des Herzogs, ist ein wichtiger Mann am Hof und er teilt Alles mit ihm. Sein Vesperbrot und den Hofklatsch.

Natürlich sind auch wunderschöne Damen anwesend. Eine entzückemder als die Andere. Ob Jung oder Alt. Dicker oder Dünner. Alle sind da um den Herzog zu umgarnen.

Aber was sieht Karle – fast alle tragen blaue Schuhe. Niedliche, bestickte Pantöffelchen von hell- bis dunkelblau. Aus feinster Seide oder prunkvollem Brokat.  Mit vielen Schnörkeln und mit Blüten übersäht. Ein paar Pumps  sind auch aus blaueingefärbten Leder dabei. Schnüffel, sie riechen nach feinstem Ziegenleder.

Und das sind alles Favoritinnen? Alle Achtung Sir, denkt Karle, sie haben meine Bewunderung.

Schloß_LB
Eure
Sabinestern2

Karle entdeckt Eberhard Ludwig

Samstag, 17. Oktober 2009 von Ciao Calotta

Maus_100Mhhhh, geht es mir gut. Das Stückchen Käse von Seppl war so lecker. Karle strich über sein Bäuchlein. Heute möchte ich auf eine weitere Erkundungstour im Schloss gehen. Aber warum heißt Schloss Ludwigsburg, eigentlich Ludwigsburg.

Im Mai 1704 klopfte der Herzog Eberhard Ludwig in Begleitung des Baumeisters Jenisch mit einem silbernen Hämmerchen auf den Grundstein und sagte: Dies sei die Ludwigsburg.

Es sollte ein Jagdlustschloss werden. Das alte Jagdhaus genügt den Ansprüchen nicht mehr um große Feste zu feiern. Die Jagd war schließlich eine große Leidenschaft des Herzogs. Er stiftete den Hubertusorden für die Jagd. Ein begehrter Orden. Und bald wurde aus dem Jagdlustschloss eine Residenz und dann das größte Barockschloss. So steht es geschrieben.

Hab ich ihn nicht gerade gesehen, fragte sich Karle. Er rieb mit seinen samtweichen Pfoten in seinen Äuglein. Ja, es war Eberhard Ludwig. Ehrfurchtsvoll schaute Karle wie der Herzog würdevoll die Schlosstreppe hinaufschritt, gefolgt von seinem schwarzen, treuen Hund Mélac. Karle schaute mit großen Äuglein den beiden nach.

Oben auf der Treppe empfängt der Herzog seine Mätresse Wilhelmine von Gräfeniz. Ach, ist die schön. Der Herzog begrüßt sie mit einem Handkuss und schaut ihr tief in die wunderschönen Augen. Karle wurde es ganz warm ums Herz. Ich kann gar nicht glauben das die Ludwigsburger sie nicht mögen. Wer so schön ist, kann doch nicht böse sein.

Karle huscht am Rand der Treppe hinauf. Puh, ich komm ganz außer Atem. Nach der ersten Treppe macht Karle eine kurze Pause. Er schaut sich um und sieht ein Deckengemälde. Ich kann mich nicht sattsehen, denkt Karle. Diese wunderschönen Farben und die lieblichen Figuren. Ist das nicht  sie, die Gräfenitz. Lächelt sich mich nicht von diesem Bild aus an?

Knurrrrrrrr, war das schon wieder mein Magen? Mal sehen was ich hier zu essen finden kann. Schnell huscht Karle die Treppe weiter nach oben. Da steht der Seppl in seiner roten Livree mit großen goldenen Knöpfen. Seppl kennt Rosine, eine Küchenmagd. Von ihr bekommt Seppl immer die leckeren Brote zugesteckt. Gerade wird er abgelöst und geht in die Essstube der Diener. Ich werde ihm natürlich sofort unauffällig folgen. Aber schnell muss ich nochmal einen Blick auf das Deckengemälde werfen. Na sowas, hat sie mir etwa zugezwinkert?

Schloß_LB

Eure
Sabinestern2

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