Karle knabbert an einem Grasshalm und lässt sich von den Sonnenstrahlen küssen.
“Ich bin so satt, ich mag kein Blatt -mäh, mäh. Woher ist mir dieser Satz nur bekannt”, hirnt Karle. “Habe ich ihn von den Besuchern im Restaurant in der Schlosswache gehört oder war es im Parkcafe? Irgendwie kann ich das Eine und das Andere nicht glauben”, denkt Karle so für sich.
Stimmt ja, es war ja bei dem Märchen Tischlein deck dich.
Nicht weit vom Schloss im Blühenden Barock gibt es doch einen Märchengarten! Vielleicht finde ich da das gedeckte Tischlein? überlegt Karle.
Na, wie komme ich denn dort am besten hin? grübelt Karle. Vorbei an dem steinernen Drachen, der nach Papier ruft, schnurstracks in Richtung Emichsburg. Dort sieht Karle den Zopf von Rapunzel am Turm herunterbaumeln. “Heute komme ich dich nicht besuchen,” ruft Karle zu Rapunzel hinauf. “Oh, wie schade”, hört Karle vom obersten Fenster des Turm’s.
Schon hat Karle den Eingang zum Turm gefunden. Vorbei an dem schlafenden Dornröschen und dann die vielen Stufen hinab. Das Märchen Die zertanzten Schuhe begleitet Karle bis zum Gewölbe des Rübezahl.
Ganz leise schleicht sich Karle an ihm vorbei, aber schon donnert die Stimme Rübezahls’ “Willst du Gold und Edelsstein, aber du bekommst sie nicht. Ha, ha, ha, ha.” Möchte ich gar nicht, aber vielleicht kannst du mir sagen wie ich zum Tischlein deck dich komme? fragt Karle den Rübezahl. Mit seiner dunklen Stimme antwortet der Bergeist, da musst du aber noch an vielen Märchen vorbei. Zuerst bei Aschenputtel’s Tauben, dann zu Schneewittchen‘s Pavillion und dann folge dem Bach von Brüderchen untd Schwesterchen, er mündet in den Märchenbach. Am besten fragst du unterwegs nochmal Hänsel oder Gretel nach dem Weg. Sonst verirrst du dich noch und landest im Hexenhaus.
Weit und breit kein Hänsel und keine Gretel.
Na, vielleicht wohnt da jemand in dem kleinen Fachwerkhaus. Karle springt schnell hinüber und presst sein Näschen an die Scheibe. Da sitzt ja die Müllerstochter und spinnt Stroh. “Werte Müllerstochter, kannst du mir vielleicht bitte sagen wie ich zum Tischlein deck dich komme?” fragt Karle höflich. “Aber sicher kann ich dir weiterhelfen”, antwortet die Müllerstochter. “Du gehst bei den orientalischen Märchen vorbei zur großen Holzbrücke und da den Berg hinauf. Bei Sesam öffne dich, Schneeweißen und Rosenrot und dem Sterntaler vorbei. Immer gerade aus. Sollte dir ein verhutzeltes, kleines Männchen begegnen, frage es doch bitte nach seinem Namen. Wenn ich den wüsste, würdest du mir sehr helfen.” Karle bedankt sich artig und verspricht nach dem Männchen Ausschau zu halten.
Karles Kopf brummt schon vor lauter Märchen. Er sieht die Bremer Stadtmusikanten, Rotkäppchen, Die sieben Geisslein und Frau Holle. Prinzessin hier, Riese da, langsam werde ich müde und knurr, knurr; auch hungrig.
Reiß dich zusammen, sagt Karle zu sich, du bist jetzt schon soweit und schließlich besuchst du das Tischlein deck dich. Dort wartet Wurst, Käse, kalter Braten, Weintrauben und vielleicht ein saftiges, gebratenes Hähnchen und ein Krug mit Trollinger Wein. Mhm, lecker. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen.
Schnell noch an den Roten Schuhen und dem Riese Goliath vorbei und da steht auch schon das Häuschen in dem das Tischlein deck dich sich für mich gedeckt hat.
Es hat noch so viele Märchen, die ich nicht gesehen habe. Karle schaut etwas betrübt, aber es gibt noch andere Tage.
“Ach, jetzt bin ich aber hungrig und durstig. Jetzt dürft ihr mir alle einen guten Apettit wünschen.” sagt Karle zu den am Wegestand stehenden “singenden Pilzen.”