Wenn das Telefon zweimal klingelt

Rinnnnggg, riiiiiiiing. Wer ruft denn da um die Mittagszeit an? Die Nummer ist mir völlig unbekannt.

„Hallo und einen schönen guten Tag. Was kann ich für Sie tun?“ spreche ich ins Telefon.

„Mein Name ist Schmitz, Herbert Schmitz von den Thermen in ……

Herr Kugel vom Blühenden Barock hat sie uns empfohlen. Sie leiten doch eine Kostümgruppe? Sie können uns bestimmt weiterhelfen. Alle 2 Monate veranstalten wir Themenabende in unseren Thermen. Vom Aussenbereich des Bades, der klassischen Sauna, über den Glaskuppelinnenbereich, der Paradiessaunalandschaft und dem großen Gastronomiebereich wird alles mit eingeschlossen. Am 21. Oktober haben wir das Thema «Eine Venezianische Nacht». Und jetzt kommen sie ins Spiel. Sie und ihre Gruppe sollen uns den Abend gestalten.

Wir dachten an ihre wunderschönen Fantasiekostüme vom Carnevale di Venezia und den Rokokokostümen, die wir schon öfters auf Festivitäten bewundern durften.
Was für ein Programm könnten sie uns vorschlagen und wären sie überhaupt bereit dazu an unserem ungewöhnlich Ort aufzutreten?“

Jetzt erstmal tief durchatmen zum Kopf frei bekommen und dann schiessen meine routnierten Antworten nacheinander aus mir heraus. Wir vereinbaren für Freitag ein Treffen um die Örtlichkeiten zu besichtgen und einer Abbsprache für das Programm, das ich bis dahin fertgstelle.

„Also tschüss bis Freitag um 11 Uhr und danke für ihren Anruf, Herr Schmitz“ höre ich mich sagen.

Erstmal bin ich baff. Das wird ein größeres und aufwendiges Programm, aber auch ein sehr luktativer Auftrag, was wir kurz angesprochen haben.

Tausend Gedanken schießen mir durch den Kopf. Fantasiekostüme mit Vollmaske in der Sauna, das kann ja heiter werden, Casanova mit Fächer flaniert flirtend durch den Badebereich und Arlecchino treibt seine Spässe mit den sich nicht wehrend könnenenden Badenden. Vom Gastronomiebereich her hört man zum Klang eines Akkordeons italienische Volksweisen, gesungen von einer warmen Mezzosopranstimme. Immer mehr bekommen die Gedanken eine Gestalt.

Jetzt aber erstmal ein lauter Jubelschrei. Und meine Gedanken reduzieren sich auf nur noch auf einen: Liebes Telefon, so darfst du ruhig öfter klingeln.

Eure

Sabine

Arlecchino – der verfressene Spassmacher

Arlecchino, abgeleitet aus der berreits Anfang des 12 Jahrhunderts nachgewiesenen Teufels-Benennung Helleguin oder Herlequin für den Anführer der „Wilden Jagd“; in Dantes Inferno quält ein Höllenteufel namens Arichino die armen Seelen der Verdammten mit der spitzen Heugabel.

Das ursprüngliche Kostüm zerlumpt, aus Flicken zusammengesetzt ist nun oft aus verschiedenfarbigen, geometrisch exakten Stoffdreiecken, meist aus Samt, genäht .

Die glatte Maske hat sich den Rest geschrumpfter Teufelshörner, eine Beule erhalten.

Er war Einer der vielen Bauern aus Bergamo, die während des sechzehnten Jahrhunderts zu tausenden in die Städte und dort in fremde und niedrige Dienste gehen mussten, meist als Lastträger; daher die eingeschwärzte Gesichtsfarbe bzw. schwarze Gesichtsmaske.

Arlecchino ist ein durchtriebener Spaßvogel und immer hungrig. Er dient gerne zwei Herren gleichzeitig, weil er dann auch doppelt soviel zu essen bekommt.

Oft mit Brighella gemeinsam aktiv und Intrigen schmiedend, aber im Charakter unterschieden, nicht so geschickt wie Brigella.

In seiner komischen Hilflosigkeit, die Ihn oft wie ein großes Kind erscheinen läßt, schwebt er über die Wirklichkeit, ohne eigentlich ungeschickt zu sein. An viele Dinge geht er falsch heran und wird deshalb häufiger gestraft, meist durch Prügel. Er handelt impulsiv, aus Gefühl und Laune heraus, und muss beständig dafür büßen. Seine Spaßhaftigkeit und freundlich-naive Weltanschauung lässt er sich aber nicht rauben.

Arlecchino entwickelt die Fähigkeit, sich geschickt und glücklich aus brisanten Situationen herausziehen. Er ist gewitzt und geistreich. In der Liebe leicht entflammbar und leidenschaftlich und gerne amouröse Affären anzettelnd

.

Eure

Sabine