Gedanken in der Adventszeit

Die Adventszeit ist eine sehr schöne, aber auch besinnliche Zeit.

Schön ist was unser Auge sieht und wir wahrnehmen. Besinnlich sind unsere Gedanken und Empfindungen.

Wenn ich jetzt spazieren gehen, erfreue ich mich an den ausgefallenen Lichtspielereien in unserem Stadtteil und auch der Lichtergirlanden und den dekorierten Geschäften der Innenstadt. Es riecht so herrlich nach Zimt, Nelken und Orangen; nach Frieden und Freude.

Jeden Tag endecke ich bei meinen Spaziergängen etwas Neues. Die Menschen scheinen glücklich zu sein.

Wir sind es. An den Weihnachtstagen trifft sich die Familie. Der eine Sohn reist aus Amerika an, unsere zwei Studenten aus Aachen und Hamburg. Und das Töchterle mit ihrem Mann, um die Ecke, ergänzt die Runde.

Aber es gibt auch Menschen, die diese Zeit gar nicht mögen, wie meine Freundin. sie hasst Weihnachten. Gefühlsdusselei, Kommerz und religiöser Krims Krams.  Das einzig Gute sei, dass wir nicht arbeiten müssten. Sie lebt allein. Eine feste Beziehung hatte sie noch nie und fühlt sich von der Welt belogen und betrogen. Ein Freund von mir wurde dieses Jahr von seiner Frau verlassen. Aus dieser Beziehung entstanden zwei goldige Kinder. Er hat keine Lust Weihnachten zu feiern und hadert mit seinem Schicksal.

Ich habe meine Freundin zu Weihnachten eingeladen und sie hat die Einladung gerne angenommen. Mein Freund besucht uns an Sylvester. Wir werden diese Zeit zusammen genießen und viel Spaß haben.

Aber wieviele Menschen gibt es , die Niemanden haben, den sie besuchen können? Gibt es nicht vielleicht Jemanden in eurem Bekanntenkreis, den ihr einladen könntet mit euch zu feiern und ein wenig heile Welt zu schenken?

Eure

Sabinestern2

 

 2014-10-15 21.13.48

 

Gedanken über das Alter

Heute besuchte ich eine gute Freundin und wie es so ist, kamen wir auch auf das Thema Alter zu sprechen. Ich erinnerte mich an eine Geschichte , die Dieter Hildebrandt geschrieben hat, die ich richtig passen fand.

Das Alter tritt ein. Unhöflich, ungezogen und ohne anzuklopfen. Plötzlich steht es im Raum. Man schaut es an, ist überrascht, sagt:“Ach, da bist Du ja. Kommst Du nicht etwas zu früh?“ Es sagt: „Hast du mich nicht kommen sehen?“ „Nein,“ sage ich, „ich hatte keine Zeit, ich war zu sehr mit der Jugend beschäftigt.“ Es nickt und murmelt mürrisch: „Sie sind alle nicht vorbereitet. Altern muß man üben. Manche beherrschen es schon in jungen Jahren.“ Ich werde es lernen. Ich liebe das Alter.“ Das Alter mustert mich verächtlich: „Wenn du mir jetzt noch diesen dümmsten Satz zumutest, der je zu diesem Thema gesagt wurde, nämlich, dass man immer so alt wäre, wie man sich fühle, während doch die Mehrzahl immer nur spielt, als wäre sie jünger als ihr Alter, dann bist Du bereits zur Hälfte in der Gruft!“ Ich war so empört darüber, das mich das Alter duzt, dass ich die Gruft glatt überhörte. „Verlassen sie sofort mein Haus!“ schrie ich. Das Alter lächelte und verließ das Haus. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, saß es an meinem Bett, grinste und sagte: „Hallo Alter.“

Es wohnt jetzt bei mir. Ich hasse es. aber es hilft nichts. Es ist nicht umzubringen. Unverwüstlich. Ach so, und dieser immer wieder einschlagende Satz, den mein Alter so zynisch kommentiert. Ich weiss jetzt wie er lauten muss: So wie man sich fühlt, so alt ist man auch.

von Dieter Hildebrandt

(Tagesspiegel 18.03.2008)

Eure

Sabine