Unser Jakobusweg

 

Der Weg nach Santiago de Compostella ist lang und beschwerlich. Drum, Ihr müden Pilgersleut, wenn Euer Weg Euch durch Konstanz führt, so wisset, das dort ein Kästlein Euch versteckt wurde. Hier findet Ihr kleine Barmherzigkeiten, die andere für Euch hinterliessen. Erlabt Euch daran und seid ebenso mildtätig zu euren Nachfolgern.

Klingt doch interessant und da wir ein paar Tage in Konstanz verbringen, können wir doch die Herausforderung annehmen und das Kästlein bergen. Die Koordinaten führen uns am See entlang zu unserem Startpunkt von „Jakobsweg Konstanz“ einem Multicache. Ja, wir sind Geocacher und lernen gerne neue Umgebungen mit diesem Hobby kennen.

Nach dem Frühstück machten wir uns also auf unsere Pilgersreise. Vorbei an der Stephanskirche zum Konstanzer Münster. Dort beginnt tatsächlich der Jakobsweg von Konstanz nach Einsiedeln, der sogenannte Schwabenweg. Das ist allerdings nicht unser Jakobsweg dieser Pilgerweg.

Der Himmel ist grau, aber es regnet nicht und so maschieren wir los. Unser Weg führt uns über die Rheinbrücke zur Seestrasse, die uns ein stückweit am See entlangführt. Sehnsüchtig schaue ich zu den „Bodensee Thermen“ und sehe den Dampf der Heilquellen, aber wir werden von unserem GPS in einen Wald geführt. Vorbei an einem Bächlein an dem ein kleiner Junge mit seinem Vater eine Art Staudamm baut. Immer tiefer in den Wald. Der Pfad führt uns kreuz und quer. Na wenn das mal gut geht. Sollte ich nicht ein bisschen mehr Vertrauen haben, denke ich so vor mich hin. Nach einer Rechtsbiegung lichtet sich der Wald und ein Weg schlängelt sich an saftig, grünen Wiesen vorbei und führt uns wieder zum See. Bei unserer ersten Station, werden wir nach der Anzahl der Stufen zum See hinab gefragt.
Mit den errechneten neuen Koordinate geht es weiter zur der nächsten Station an der Jakobsstrasse. Nach einem weiteren Rechenstop kommen wir beim Aufsteigen leicht außer Pusste. Sind dies etwa schon die Pyrenäen?
Noch einen Schlenker nach rechts und wir stehen vor einem Kreuz, unserer dritten Station. Nur noch wenige Meter trennen uns von unserem Final.

Und was erblicken nach ein paar Metern unsere frommen Pilgeraugen hier? So etwas haben wir noch nie gesehen. Die Loretto-Kapelle. Wir verharren in andächtigem Schweigen.Viele Gedanken schwirren durch den Kopf und lösen sich fast von selbst auf.

„Bedrängt von den schwedischen Heerscharen unter Gene­ral Horn, gelobten 1632 die Bürger von Konstanz, Gott und der allerseeligsten Jungfrau zu Ehren, den Bau einer Loret­to-Kapelle und siehe, den Gläubigen ward nach schwe­discher Belagerung Hilfe“. Diese Inschrift beschreibt den Grund für die Errichtung der Loretto-Kapelle. Vor dem Außenaltar sieht man eine überdachte, offene Bethalle, in der auch heute noch gebetet und Gottesdienste gefeiert werden.

„Hallo, ich heisse Jürgen“. Eine angenehme Baritonstimme klingt aus der Bethalle. „Kann ich euch helfen?“ Ein bärtiger Hüne mit einem großen Rucksack auf dem Rücken kommt uns entgegen. „Ich glaube, wir suchen das Gleiche, aber ich bin nicht fündig geworden. Vielleicht haben wir zusammen mehr Glück.“

An den Cache habe ich gar nicht mehr gedacht. Zusammen suchen wir nach dem Kästlein, aber die Suche ist leider erfolglos.

Nach einem netten Gespräch trennen sich unsere Wege von Jürgen. Ihn führte der Weg zur Fähre und wir folgen dem gekennzeichneten Muschelweg nach Konstanz.

Eure

Sabine

Rotkäppchen, die etwas andere Geschichte

 

Gerade habe ich Rotkäppchen abgeholt. Eine Plastikspinne mit einem roten Nanocachebehälter.

Sie war an einer Regenrinne an dem Freigängerheim der JVA in Heilbronn seit einem Jahr befestigt. „Rotkäppchen gehörte zu den Märchencaches, die ich rund um Heilbronn verstecke.

Aber was ist ein Cache? Der Begriff gehört zu dem Hobby „Geocaching“. Er ist ein Behälter, der zumindest ein Logbuch und je nach Größe verschiedene Kleinigkeiten, wie Geocoins oder Travelbugs (Tauschgegenstände) beinhaltet, die dann an einem besonderen Ort versteckt und mittels GPS-Daten von Geocachern gesucht werden, wie bei einer Schnitzeljagd.

Nano-Caches sind besonders kleine Cache-Behälter in Größe eines Fingerhutes oder kleiner.
Sie kommen überall dort zum Einsatz, wo das Verstecken eines größeren Behälters nicht möglich ist. Mittlerweile gibt es immer mehr neue, kreative Ideen um einen Cachebehälter zu Verstecken.

Rotkäppchen, ein roter Nano wurde von mir in den Körper einer Plastikspinne gefriemelt und an der Regenrinne des Freigängerheims magnetisch befästigt.

Aber warum gerade an diesem Ort?

Der Gedanke kam mir bei einem Tatort, der sich um sogenannte Rotkäppchen handelte. Und das Freigängerheim an der Straße passte zu dem Gedanken.

Häftlinge, vor allem Gewalttäter, üben auf viele Frauen eine eigenartige Faszination aus. Je nach Bedürfnis projizieren sie in die Männer hinter Gittern entweder Heldentum oder Hilfsbedürftigkeit. Doch die Frauen, von den Wärtern höhnisch „Rotkäppchen“ genannt, helfen dabei zuallererst sich selbst. Von Doja Hacker

Letzte Woche erhielt ich nun eine E-mail in der man mich darauf aufmerksam machte, dass Rotkäppchen vom Sicherheitsdienst der JVA entfernt wurde. Ich könnte beim Sicherheitsdienst einen Termin ausmachen und Rotkäppchen abholen.

Heute war nun der Tag „R“.

Ich parkte in einer Seitenstraße und ging mit sicheren Schritten zum Tor der JVA. Dort traff ich den Sicherheitsbeamten, der mir eine haarsträubende Geschichte von meinem „Rotkäppchen“ erzählte.

So könnte es gewesen sein: Die Sicherheitsbeamten haben einen Freigänger längere Zeit beobachtet. Sie ertappten und überführten ihn wie er Drogen aus dem kleinen Nano nahm. Und das nicht zum ersten Mal.

Mir wurde abwechselnd heiß und kalt. An so etwas habe ich nicht mal im Traum gedacht.

Ich sah mich schon in Handschellen abgeführt, aber so weit kam es dann doch „Gott sei Dank“ nicht. Der freundliche Sicherheitsbeamte übergab mir „Rotkäppchen“ und meinte dazu: „Wäre für Geocaching eine nette Idee gewesen, aber ……….“

Schade, aber manchmal sollte man vielleicht doch erst über Ort und die Folgen nachdenken, bevor man einen Cache versteckt. Die Menschen sind halt doch manchmal schlechter, als man glaubt.

Zu diesem Erlebnis habe ich mir eine „Jailers“ erstanden. Taschen, die richtig schick sind.

Mein „Rotkäppchen“ bekommt jetzt erstmal einen Platz bei mir im Schrank, bis mir eine neuer Ort und ein neues Märchen für den nächsten Cache einfällt.

Mir schwebt da schon was im Kopf herum -„Sesam öffne dich“ ………………………

Eure

Sabine

Es wird momentan keine neuen Caches geben, da am Wochenende in einem anderen Cache von uns ein Päckchen mit grünem, eindeutigen Inhalt gefunden wurde. So macht für uns „Geocaching“ keinen Spass. Ich habe alle Märchencaches  (12) von uns deaktiviert.

Hunde, Haare und Salat oder Mädel lass doch dein Haar runter

Heute hat mir Frauchen das Märchen Rapunzel vorgelesen.

Ich dachte immer das wäre ein Salat. Und Salat mag ich nicht. Ich esse gerne Karotten, Kohlrabi und Gurken, aber Salat neeeeeeeeeeeee.

Wir sind heute Mittag nach Talheim spazieren gegangen und da haben wir ihn gesehen. Den Turm von Rapunzel. Ist der Turm schön, aber ich muss aufpassen das die Zauberin uns nicht sieht. Ich muss doch mein Frauchen beschützen. Sie schaut nur ganz hypnotisiert den Turm an und ist hell begeistert. Sind doch nur aufgetürmte Steine und von Rapunzel nirgends eine Spur.

Na, ja das Schloss sieht ganz nett aus, aber das man wegen so einem alten Gemäuer gleich so in Verzückung gerät? Frauchen halt – Burgen und Schlösser sind ihre Schwächen und natürlich auch Märchen, so wie zum Beispiel das von Rapunzel.

Ich habe ja schon erzählt, dass wir oft Geocaching machen. Wir suchen nach versteckten Schätzen an koordinierten Plätzen und versuchen sie auch zu finden. Das ist immer ganz lustig und ich darf auch mithelfen und meine Instinkte einsetzten. Zum Beispiel buddeln.

Jetzt möchte Frauchen hier irgendwo einen Cache verstecken. Das macht man nämlich auch beim cachen und schnell hat sie auch ein schönes Plätzchen gefunden.

Und der Cache heisst natürlich Rapunzel. Das ist nämlich unser Motto „Märchen“, sagt sie.

Viel Spass beim lesen und suchen

Eure
Tessa

Tessa und die Burg Weibertreu

Kann sich das Wetter heute mal entscheiden?

Sonnenschein, Hüpf vor Freude und gleich wieder einen Dämpfer mit Regentropfen

Kurzum wir gehen Geocachen.

Gini, Gini’s Frauchen und Herrchen und wir, Frauchen und ich, die Tessa beschließen das.

Mein Herrchen ist über’s Wochenende in Hamburg bei seinen Jungens und ist leider nicht dabei.

Heute Abend kommt er aber wieder. Freu, Wedel, Wedel, ich kann es kaum erwarten bis er wieder da ist. Ich glaube meinem Frauchen geht es genauso. Sie hat so einen gewissen Blick, wenn von ihm gesprochen wird. Genauso wie ich, bevor Frauchen mir einen leckeren Fleischknochen gibt.

Wir fahren mit dem Auto nach Weinsberg. Dort haben wir uns ein paar Caches rausgesucht. Es sind zwar nur 11 km bis dort hin, aber wir laufen nachher noch genug, sagt Frauchen. Wir sind halt heute Weicheier!

Endlich haben wir den Parkplatz erreicht und sehen schon die Burg Weibertreu. Noch ein Stückchen etwa 300 m, die es in sich haben, und wir stehen vor dem Tor. Was sind die Alle am keuchen. Mir macht das gar nichts aus, aber ich geb ja zu „so ohne“ ist der Weg nicht.

Die armen Weiber von Weinsberg. Frauchen hat uns im Auto die Geschichte von ihnen vorgelesen. Die Frauen haben wirklich ihre Männer getragen. Oh Mann,wenn ich das höre, bleib ich lieber ein Single.

Aber Oben auf der Burg ist es wunderschön und auch bei den Anderen ist die Aufsteigerei mit viel „Motz“ und „Stöhn“ vergessen. Viel steht ja nicht da von der Burg, aber Frauchen sagt, es sei ja auch eine Ruine.

An den Spuren berümter Leuter gehen wir entlang, ihre Namen sind in die Burgwand gemeiselt und ein paar Noten zu einem Lied „Ku-kuk auch . Ich darf auch wieder auf der Mauer entlang tippeln, wie auf einem Laufsteg. „Du bist aber mutig, sagt Frauchen“, und mit erhobener Rute stolziere ich weiter.

Gini will nicht auf der Mauer spazieren. Sie ist nämlich nicht schwindelfrei. Sie weiss gar nicht was ihr entgeht. So ein toller Ausblick.

Die vielen Stufen den Burgweg hinunter sind wir schnell gegangen. Jetzt müssen wir um die Burg rum, vorbei an vielen Rebstöcken. Ist ja auch der Wein- und Rosenrundweg, kein Wunder. Auf dem Weg sind ein paar Caches versteckt, die wollen wir ja loggen . Gell, ich drücke mich richtig gelehrt aus.

Schnell haben wir auch alle Caches gefunden. Immerhin 4 Stück.

Noch schnell am Römerbad vorbei, da ist noch ein Micro-cache.

Bad? Hat das was mit baden zu tun? Das mag ich nämlich gar nicht.

„Nacher gibt es ein Tässchen Earl Grey für mich und ein feines Bad für Tessa“, sagt Frauchen. Ich tue einfach so als hätte ich das Wort „Bad“ nicht gehört. Aber das ist erst Nachher. Jetzt lass ich mich erstmal vom Auto in ein kurzes Nickerchen schaukeln.

Eure

Tessa