Die Perücke, ein Zeichen der Macht

Der Ursprung der Perücke in dieser Zeit liegt angeblich in der Eitelkeit eines Mannes:

Sonnenkönig Ludwig XIV soll, so heißt es, die Perücke eingeführt haben, um seine Glatze zu verbergen.

Bei den Damen wurden bis ca. 1710, noch Fontangen mit hoch aufgetürmtem Vorderhaar getragen, diese wurden aber immer niedriger, bis sie schließlich ganz verschwanden und von kopfnahen Frisuren abgelöst wurden, unter denen sich die sogenannten Kurzhaarfrisuren (à la mouton) befinden. Mme Pompadour ist auf den meisten Darstellungen mit dieser Frisur abgebildet.

 Erst ab ca. 1770, als das Rokoko sich dem Ende zuneigt, wurden die Frisuren höher und voluminöser, so daß Haarteile und Drahtgestelle nötig wurden. Die Turmbauten der 1770er/80er verlangten mehr, als die Natur und geschickte Friseure zu leisten vermochten: mehr Haar, also Haarteile wurden nötig.

Wer es sich leisten konnte (bzw. wegen des höfischen Zwangs mußte, bestellte sich wöchentlich oder täglich den Friseur, während andere sich alle paar Monate die Perücke neu machen ließen und sie ein- oder zweimal im Monat aufsetzten.

Eine richtig gute Perücke war aus Menschenhaar, und wieviele weißhaarige Frauen mit langem Haar waren wohl bereit, das ihre zu verkaufen? Eher waren es junge Frauen, die aus Not ihr Haar verkauften, das dann allerdings alle möglichen Farben hatte. Deshalb wurden die guten Perücken aus naturfarbigem Haar gefertigt. Schlechtere Perücken aus Tierhaar (Büffel oder Pferd). Nachdem die Frisuren meist sehr kunstvoll waren, wurde sie mehrere Tage nicht frisiert und natürlich auch nicht gewaschen.

Allerdings wurden die Frisuren jeden Tag gepudert.Die Reichen hatten sogar eigene Puderkammern, die für diese Tätigkeit zur Verfügung standen.

Puder scheinen die Damen anfangs nur wenig verwendet zu haben. Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß sie zunächst eher das eigene Haar trugen, auf dessen Länge, Feinheit und Glanz sie sich etwas einbildeten. Mit dem zunehmenden Einsatz von Haarteilen und Perücken gewann das Pudern den Vorteil, daß es eventuelle Farbunterschiede zwischen dem Eigenhaar und den Haarteilen kaschierte.

Der Puder war nicht immer weiß, sondern ebensooft grau oder blond. Selbst für rötliches Puder gibt es zeitgenössische Rezepte.

 Über den Kopfputz des Rokoko sind womöglich mehr Halbwahrheiten und maßlose Übertreibungen verbreitet als über jeden anderen Aspekt der Mode. Da gibt es Geschichten über Fontangen, die viermal so hoch wie der Kopf waren, daß die Damen aufrecht schliefen, um die Frisur zu schonen, oder über turmhohe Aufbauten.

Oder eine Dame die eine Perücke (mit leckerem Weizen- oder Kartoffelmehl gepudert) in der Ecke des Ankleidezimmers stehen ließ und erst Wochen später wieder hingeschaut hatte und darin Mäuse nisteten, und so war sie tagelang das Gespött des Hofes. Man erzählt auch das die Perücke oft nach dem Tragen in einen Vogelkäfig gelegt wurde, damit die Vögel sie von Parasiten befreien konnte.

Für all diese Geschichten gilt:

„In bunten Bildern wenig Klarheit,
viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit“
(Goethe: Faust I)

 Eure

Sabine