Empire

09.05.2004 - 11.27 IIDie französische Revolution beendete das leichtfertige Treiben der Rokokogesellschaft. Philosophische Ideale und die Antike mit ihren klaren Formen sind nun Vorbild in allen Bereichen.

Mode:

Obwohl sich die Rolle der Frau an dem, was man unter Antike verstand, orientiert, Frauen auch in philosophischen Zirkeln mitdebattieren, sollen sie doch auf der anderen Seite weiterhin zarte und sanfte Wesen sein- und weiblich, weiblich, weiblich.

Die zeitliche Einordnung des Empire, bzw. des englischen Regency, liegt relativ eng in den Jahren zwischen 1795 und 1820, wobei sich das Regency im Großen und Ganzen, wie auch in den Jahrhunderten zuvor, durch größere Vernunft bei Schnitten und Stoffen auszeichnet. Die Kleidung des Empire kopiert in weiten Grenzen ebenfalls die antiken Vorbilder – oder das, was man dafür hielt. Grundlage ist immer das weich fließende, hoch gegürtete weiße Chemisenkleid aus feinster und dünnster Seide oder indischem Baumwoll-Mousseline. Es umspielt den Körper bei jeder Bewegung und stellt auf diese Weise durch den Gegensatz aus scheinbar strengem Schnitt und scheinbar unschuldigem Weiß die nahezu erotischste Kleiderform der gesamten Modegeschichte dar. Die Schuhe dazu bestehen aus einer hauchdünnen Ledersohle und sind mit Bändern das Bein hinauf geschnürt – wieder ganz nach antikem Vorbild.

Vorreiter bei dieser Mode sind (natürlich) die Französinnen, bei denen es Wettbewerbe um das leichteste Kleid gab (die Kleider wurden tatsächlich ausgewogen). Man trug als Unterwäsche lediglich ein hautfarbenes Trikot, und es sind entrüstete Berichte biederer deutscher Frauen berichtet, in denen die „nackte Mode“ im Sündenbabel Paris gebrandmarkt wird. Die Kehrseite der Medaille sind reihenweise schwer unterkühlte bzw. an Erkältungskrankheiten gestorbene junge Frauen, die auch im Winter nicht mehr als ein Umschlagtuch über diesen hauchzarten Kreationen trugen, und die in den eiskalten, nahezu unbeheizten Schlössern ausharrten – und das nicht nur in Frankreich, sondern auch im von Frankreich geprägten Petersburg. Neuere Forschungen haben ergeben, dass ein guter Teil der „Schwindsüchtigen“ der damaligen Zeit (die man bislang als Tuberkulosetote interpretierte) ganz einfach den Kälte – und Grippetod erlitten. Bezeichnenderweise trugen alle diese Erkrankungen den summarischen Namen „Musselinkrankheit“ nach dem hauchdünnen Baumwollstoff, aus der die Kleider bevorzugt zu sein hatten. Zum Hof wird die Chemise mit einer mehr oder weniger langen Schleppe ergänzt, die reich bestickt ist, und ein zeremonielleres, „angezogeneres“ Kleidungsstück darstellt. Die Länge der Schleppe von Courschleppe und Chemise ist streng reglementiert. Sie hängt vom Status ihrer Trägerin ab, und geht durchaus bis hin zu vier Metern. Es ist leicht vorstellbar, wie schwierig es war, eine Viermeterbahn hauchzarter Seide durch einen mit Möbeln und Menschen bestückten Raum zu lotsen (von denen der weibliche Teil ja ebenfalls Schleppe trug), ohne wesentliche Teile des Mobiliars umzureißen, oder sich mit einer der anderen Damen zu verheddern.

Anmut und Grazie waren jedoch ein derart wesentlicher Teil des weiblichen Lebens, dass in vielen langen Stunden derartige Unterfangen ausgiebig geübt wurden. Genauso geübt wurde übrigens das malerische in-Ohnmacht-sinken, eine Tat, bei der die Schleppe auch noch gefällig um den scheinbar leblosen Körper drapiert werden musste.

Die Männerkleidung im Empire erfährt nur einen erheblichen Bruch: Die Kniehosen werden zugunsten der „Sansculottes“, der langen Hosen aufgegeben. Ansonsten wird sie lediglich weniger farbenprächtig als im Rokoko, und Farben und Schnitte ähneln schon sehr der heutigen Herrenmode.

In Anlehnung an die weißen Statuen wurde Weiß eine der beliebtesten Farben; extrem hohe Taillen und schmale Silhouetten zeichneten ansonsten das Bild der typischen Empiregarderobe einer modischen Dame aus. Herren trugen ebenfalls Fräcke mit hoher Taille.

Tänze:

Die Tänze des 19. Jahrhunderts sind nicht mehr kunstvoll, nicht mehr raffiniert. Sie sind ausgelassen und wild. Außerdem führte der Mangel an Herren, der infolge der napoleonischen Kriege an den Höfen herrschte, dazu, dass Choreografien bevorzugt wurden, in denen ein Herr mit zwei Damen tanzte, so z. B. die Douze, ein Gruppentanz für vier Herren und acht Damen, oder der Trioletwalzer, dessen „Paare“ aus jeweils einem Herrn und zwei Damen bestehen. Unter den Tänzen wurde besonders der Ländler beliebt, der Dreher oder Deutscher sind der gleiche Tanz. Er ist langsamer als der Walzer und das Paar dreht ständig, aber ohne enge Paarfassung.

Das Entsetzen über Walzer, die Sorge vor allem um das Wohl der Mädchen und unterschiedliche Begründungen finden sich in vielen Schriften der Zeit. Warum die Angst? Es wurde ausschließlich 800 Jahre lang offen getanzt und nun kommt der Walzer mit einer engen Paarfassung und seinen raschen Drehbewegungen. Die zündende Kraft der Musik von Johann Strauss und Weber, Chopin und vielen anderen Komponisten machten ihn so populär und beliebt. Er war ein Bürgertanz und löste am Hof Empörung aus. 1793 tanzten ihn bei ihrer Doppelhochzeit die spätere Königin Luise und ihre Schwester. Auf dem Wiener Kongress lockerten sich dann die Sitten mit Rücksicht auf die ausländischen Gäste. Der Kongress tanzt – natürlich Walzer. Aber es gab immer noch Ausnahmen. Der Walzer galt nicht überall als hoffähig.

Englisch – Tanzen war der Oberbegriff für alle Contretänze. Ein bekannter Englischer ist die Quadrille und eine Sonderstellung nimmt die Cotillon ein, die gerne ein Fest beschließt.

Das Tanzfest eröffnet eine Polonaise. Der Tanz wurde schon im Barock getanzt. Wegen seines kriegerischen Ausdrucks mit stampfen und Stechschritten passte er vom Charakter nicht in diese Zeit. Erst wieder im 19.Jahrhundert, als berühmte Polonaisen komponiert wurden hielt sie wieder Einzug.

Die Mazurka wurde zu einem Gesellschaftstanz. Sie war ein polnischer Nationaltanz. Ein so genannter Stiefeltanz mit Hackenknallen.

Ein böhmischer Nationaltanz ist die Polka. Auch sie wurde bekannter als sich ihr namhafte Komponisten annahmen. Ein bekannter Wechselschritt mit Nachhüpfer, herausstrecken der Hacken mit einem überkreuzen der Fußspitze und einem Mitwiegen des Oberkörpers zur jeweiligen Seite.

Zum Schluss der Galopp. Wer ihn tanzte kam so aßer Atem, dass er eine Pause einlegen musste. Er wurde in einfachen Anstellschritten durch den Saal oder auch an seiner Peripherier entlang getanzt

Im 19. Jahrhundert tanzt der Adel wie das Volk. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Eure

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Rokoko

sadoDekor ist alles. Das frivole Treiben am Hofe bestimmt Mode und Lebenseinstellung weiter Schichten. Phantasievolle Maskenfeste lösen einander ab und keine Dekorationsidee ist zu kühn oder zu verrückt. Die Vergänglichkeit des Augenblickes wird gefeiert. Gleichzeitig beginnt aber auch der Aufbruch in die Aufklärung, eine entschiedene Abkehr von Kirche und Religion, eine Hinwendung zu Philosophie und Wissenschaft. In diesem Spannungsfeld sind Frauen einerseits fröhliche, verspielte, betont erotische Geschöpfe, anderseits aber auch Mäzeninnen und Vorreiterinnen der neuen Ideen.

Die Farben der Kleidung sind – wie alles in dieser Gesellschaft – aufs höchste verfeinert. Zarte Pastelle schimmern in glänzenden Seiden- und Moiré -Stoffen mit dem leuchtenden Weiß kostbarster Spitzen um die Wette. Aufwendigste Stickereien von oft hochdotierten (aber leider selten bezahlten) Stickerinnen zieren Kleider, Westen und Jacken. Ein Hofkleid kann durchaus den Gegenwert eines gesamten Landgutes haben, gute Spitzen sind teurer als Diamanten und werden auch als Halsschmuck getragen.Die Schnitte sind weit und üppig, oft verspielt und gerne mit großem Dekolletè. Die Frauenkleider behalten die Aufteilung in Jupe(Unterrock) und Manteau (Oberkleid) bei, die sie im späten Barock hatten. Daneben entwickelt sich aus dem „Negligé“, einem sackartigen Hausgewand, das aber sehr wohl über Schnürmieder und Reifrock getragen wurde, die „Adrienne“. Diese ist ein Zwischending beider Kleiderformen, in dem das weite Negligé noch durch eine am Halsausschnitt angesetzte, reich gefaltete und nahtlos ins Kleid übergehende Schleppe erhalten ist. Dieser Schnitt nennt sich „Wattaufalte“, nach dem gleichnamigen französischen Hofmaler, auf dessen Gemälden diese Kleiderform häufig zu sehen ist. Die Rockformen gehen vom runden Reifrock bis hin zum extremen Queroval der „Grande Parure“ genannten prunkvollen Hoftoilette mit meterlangen seitlichen „Auslegern“. Anderseits wurde am Ausgang des Jahrhunderts das knöchelkurze Kleid „a la Polonaise“ modern, eine Kleiderform, die wiedergibt, was sich die höfische Gesellschaft zur Zeit Marie Antoinettes so unter einem Kleid einer Schäferin vorstellte.

Lediglich die kühleren Briten lassen sich nicht ganz mitreißen und entwickeln ihren eigenen, Praktischeren und tragbaren Stil. Die Schnitte bleiben gemäßigt, Kapriolen und Extreme finden keinen Eingang in die englische Kleidung. Die Modeszene würdigt das, indem sie die verschiedenen Kleiderformen als „a la Francais“ (d.h. mit querovalem Reifrock, Wattaufalte und großem Aufputz) und „a la Anglais“ (d.h. mit relativ kleinem runden Reifrock und einfachem Schnürmieder) benennt. In England entwickelt sich gegen Ende des Jahrhunderts bereits vor der Französischen Revolution die Vorstufe zum hoch gegürteten Empirekleid mit nach oben versetzter Taille, die ohne Reifrock getragen wurde – eine Tatsache, die kaum bekannt ist.

Die Männerkleidung behält die „Justaucorps“ genannte lange Jacke mit großen Ärmelaufschlägen bei, die lediglich im Laufe der Zeit etwas schlanker in der Silhouette wird, und die zusammen mit langer Weste, Spitzenhemd und Kniehose die in Europa einheitliche Tracht darstellt. Auch hier tragen Engländer schon relativ früh eine weniger opulente Version mit noch schlankerer Jacke mit kleineren Ärmelaufschlägen, ohne große Stickereien oder Spitzenmanschetten. Sie ähnelt schon sehr der späteren Empire- und Biedermeiertracht.

Die Hofkleidung ist derart teuer (und unbequem), dass sie auch nur zu offiziellen Anlässen getragen wird. Zu Hause legt man sofort Kleid oder Herrengala und die Perücken ab und trägt Negligé oder wattierten Schlafrock und Schlappen. Den Kopf bedeckt eine Haube oder Nachtmütze, denn der Kopf war oft der Perücken wegen kahl rasiert, aber auch damit man die Krätze besser behandeln konnte.

Phantasievoll wie alles in dieser Zeit sind im Übrigen auch die Namen der Stoff-Farben: Floh (spezifiziert nach alter und junger Floh, Flohrücken, Flohschenkel usw.), vergifteter Affe und sterbender Affe, Nönnchenbauch, Pipi von Dauphin oder Gossendreck sind einige davon. Im Gesicht und Dekolleté werden die berühmten „Mouches“, die schwarzen Schönheitspflästerchen getragen, von denen ebenfalls jedes einen bestimmten Namen und eine Bedeutung erhält (das leidenschaftliche wird am Augenwinkel angebracht, das galante sitzt mitten auf der Wange, das kokette gehört an den Mundwinkel, das mörderische schließlich trägt man am Busen).

Genauso mußte man den Fächer beherrschen. Auch für ihn gab es eine Sprache (über die Wange gleiten lassend – Ich liebe Dich!, weit öffnend – Warte auf mich!, öffnend und schließend – Du bist grausam! usw.).

Bei den Herren wird die naturfarbene lockenreiche und extrem warme Allongeperücke des späten Barock abgelöst durch kleinere Perücken unterschiedlichster Form, die fast ausschließlich weiss oder grau gepudert werden.

Tanz:

Die Rokokozeit ist die graziösere und leichtere Abart des Barock.

Das Menuett war der Tanz des 18. Jahrhunderts. Er galt über hundert Jahre als der schönste und schwerste Tanz und wird als einziger Satz in die Sonatenkomposition aufgenommen. Aber das Menuett ist kein Tanz für jedermann, denn es verlangte eine vollendete Körpertechnik, die man nur durch jahrelangen Tanzunterricht erreichen konnte. Mit ihm drückte man Würde, Eleganz und blasierte Müdigkeit aus.

Allein in Paris gab es damals ca. 300 Tanzmeister, die alle gute Einnahmen hatten. Menuette wurden zu zweit, zu viert oder zu acht getanzt. Es wurde noch symmetrisch, mit Schritten, die eine liegende acht beschrieben, dann wurde ein S daraus, später eine 2 und schließlich das Z.
Mit der Französischen Revolution wich alles Geschnörkelte und die Künstlichkeit.

Eure

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Barock

gräfenitzEinerseits ist das Barock das Zeitalter vom Dreißigjährigen Krieg, Reformation und Inquisition und geprägt von der deutlichen Hinwendung der Menschen zum jenseitigen Leben. Anderseits wird, gerade weil die Welt ein „Jammertal“ ist, alles, was sie bietet, auch intensiv ausgekostet. Prachtliebende Fürsten wie August der Starke und der Sonnenkönig Ludwig der XIV sind Leitbilder für den gesamten Adel. Pracht und Glanz entfalten sich an den Höfen Europas- wenn auch oft sehr steif und pompös.

Mode:

Frauen im höfischen oder großbürgerlichen Bereich sind schon rein äußerlich oft recht üppig und unterstreichen ihre Sinnlichkeit noch durch prächtigste Kleidung.

Die Kleidung ist regional sehr unterschiedlich. Während die Frauen in Spanien, Deutschland und Flamen unter dem religiös begründeten Diktat der strengen „Spanischen Mode“ mit ihren steifen Miedern, der schwarzen Farbe und den hochgeschlossenen Mühlstein – Spitzkragen stehen, brechen die Französinnen und mehr noch die Italienerinnen dieses Diktat selbstbewusst auf: Aus Mühlsteinkrägen werden offene Spitzenkragen über tiefen Dekolletés, die vorgeschrieben sittsamen dunklen Farben werden durch Gold, Silber und Weiß aufgehellt oder völlig ignoriert.

Die Schnitte sind pompös, die verschwenderisch verwendeten Stoffe schwer und prächtig. zur Volumenerweiterung der Röcke werden zunächst steife kegelförmige Reifröcke getragen, die aber dann zeitweilig von dicken, um die Hüften geschnallten Lederwülsten abgelöst werden, die man als „Weiberspeck“ bezeichnete.

Die Männer tragen zur Heerpauke (einer kugelrund ausgestopften kurzen Hose)ein vollständig wattiertes Wams mit „Gänsebauch“- Optik, eine insgesamt derartig steife Kleidung, die an Bequemlichkeit den mittelalterlichen Rüstungen in nichts nachgestanden haben wird.

Der ständige Krieg mit seinen Landsknechten, die als Söldner ganz Europa bereisen, bringt bis zur Jahrhundertmitte Belebung in die Mode. Sie bevorzugen weite, grellbunte Kleidungsstücke(die Zerhauenen), die extrem geschlitzt werden, und aus der ellenlang helles Unterfutter heraushängt: Die Hosenform der „Pluderhosen“ wird von ihnen erfunden. Auch in der höfischen und damit in der tonangebenden Gesellschaftsschicht wird der Sitz der Kleidung lockerer (was sich aber nicht auf das weibliche Schnürmieder bezieht). Die Eitelkeit – insbesondere die männliche – feiert fröhliche Urständ und bringt Dinge hervor wie die „Rheingrafen“ (weite Hosenröcke mit Rüschensaum), Bänder und Schleifen an allen Kleidungsteilen, rote hohe Absätze an den Schuhen und die verschwenderische Verwendung von Spitzen.

Das Ganze gipfelt am Jahrhundertende in der bekannten Pracht des französischen Hofes zur Zeit des Sonnenkönigs.

In der Frauenkleidung reicht es zu der Zeit schon lange nicht mehr aus, nur ein einzelnes Kleid zu tragen, man muss zeigen, dass man sowohl ein kostbares Unterkleid als auch einen ebenso kostbaren „manteau“ tragen (und bezahlen) kann. Damit aber beide Kleiderteile so richtig zur Geltung kommen, wird raffinierte Draperien gelegt. Die Silhouette wird dadurch schmaler, was man noch durch Frisuren „a la Fontange“ (d.h. Strumpfbandfrisur) verstärkte. hierzu wurden die Haare mittels eines Spitzenbandes auf bis zu 50 cm hohen schmalen Drahtgestellen aufgebunden.

Die Männermode beruhigte sich allmählich und die Form des „Justaucorps“ (einer über einer langen Weste getragenen, oft reich bestickten Jacke) entwickelt sich. Vorbild ist natürlich wieder ein Militärrock. Dies ist im Grossen und Ganzen die Form der Männerbekleidung.

Die einzige größere Extravaganz in der Männermode am Ende des Jahrhunderts ist die naturfarbene lockenreiche (und extrem warme) Allongeperücke, die durch den nicht mehr ganz jugendfrischen Sonnenkönig eingeführt wird. Sie soll ihm sein ewig jugendlich, strahlendes Aussehen sichern und wird natürlich am Hof und in modischen Kreisen sofort kopiert.

Tänze:

Tänze der Renaissancezeit strotzten vor Lebenskraft, die Tänze des Barock waren noch leidenschaftlich, und die Tänze der Rokokozeit wie z.B. das Menuett vergleicht man heute mit dem mechanischem Ablaufen eines Uhrwerkes.

1680 hatte ein Tanz mit dem Namen Allemande Eingang am französischen Hof. Es gab diesen Tanz zwar auch schon in der Renaissancezeit, aber erst in der Barock- und Rokokozeit wurde dieser Tanz populär. Der Reiz der Allemande lag in der erotischen Verschlingung der Arme, dadurch wurde er zu einem Flirtspiel für beide Partner.

Die Courante wurde fast 200 Jahre gern getanzt. Die Courante war im 17. Jahrhundert die Königin des Tanzes. Der Tanz war nicht einfach zu erlernen. „Wie auf einem Boot im Sturm“, von rechts nach links schwankend, wird sie von Zeitgenossen beschrieben. Auch durch die Zickzackbewegungen wurde sie bei Sachs „Hüpfendes Hin und Her“ genannt.

Die Sarabande ist seit etwa 1650 als höfische Tanzform der Barockmusik ein häufiger, ursprünglich fester Kernsatz der barocken Suite: Allemande — Courante — Sarabande — Gigue. Da sie ein exotischer, schneller und obszön wirkender Tanz war, wurde sie immer wieder und wieder verboten. In kürzester Zeit wurde sie ein langsamer, anständiger Tanz, ausgelöst durch diese Verbote. Bei den spanischen Tänzen tanzen beide Partner mit erhobenem oder bewegtem Arm. Die Sarbande wurde mit Kastagnetten getanzt.

Zur Branlefamilie gehört die Gavotte. Sie ist der lustigste und ausgelassenste Tanz der Suite.

Tatsächlich gibt es ein Bergvolk des Gapencais im oberen Dauphiné, dass sich Gavots nennt. Ihr Haupttanz nennt sich Gavotte. Zunächst tanzte man diese Gavotten in verschiedenen gestaffelten Zeitmaßen im Kreis oder in der Reihe. In der höfischen Gesellschaft war die Gavotte gern als Einschub in die Suite verwendet worden. Oft erscheint die Gavotte hier auch als Mittelteil in der dreiteiligen Musette.
Die Gavotte lebt heute als Volkstanz in der Bretagne weiter.

Die Blütezeit der Gigue ist das 17. und das beginnende 18. Jahrhundert. Hier erlebte sie nicht nur an den Höfen ihre volle Bedeutung, sondern fand auch gleichzeitig in den Komposition der Zeit ihren Stellenwert. Danach tritt sie nur noch vereinzelt auf. Auch am Hofe von Elisabeth der I. von England pflegt man die sog. „Elisabethanischen Jigs“ zu tanzen. Shakespeare nannte ihn „hot and hasty“. Die Tänzer heben die Arme hoch, hopsen herum und machen sich zum Narren. Er wird nur gehüpft. Besondere Bedeutung fand der Giuge als Schlusssatz in der Suite.

Die Barockzeit war gekennzeichnet durch steife Förmlichkeit, polierte Beherrschung und eine Vorliebe für Fettleibigkeit. Es gibt neue Erfindungen in der Musik, die Oper, das Oratorium, die Kirchensonate, das Konzert und die Suite.

Die höfischen Tänze waren nicht alle künstlich – geziert, dass einige von ihnen fröhlich und ausgelassen getanzt wurden. Dies gehört offenbar zu den Widersprüchlichkeiten der Zeit, zu jenen Unebenheiten der „barocca“, zur Inkonsequenz des Lebendigen, die selbst in dieser Epoche in vielen Bereichen immer wieder durchbrach.

Ein Ball beginnt mit einer Branle. Der König führt den Reigen an; es folgen die Tänzer in strenger Standesordnung. Der Anführer wechselt jeweils ans Ende der offenen Kette, bis der König wieder an der Reihe ist. Alle Tänze beginnen und enden mit Reverenzen. Es folgt eine Gavotte, die ebenfalls ein Reigen ist, nur ein schneller getanzter. Als nächstes wird eine Courante getanzt. Es tanzen allein der König mit der Königin; alle anwesenden sehen stehend zu. Der König der dann nach Status festlegt, wer nacheinander, die Hofleute – immer unter den Augen des Herrschers und des gesamten Hofes, tanzt. Der nächste Tanz ist das Menuett. Geschildert wird eine Art von Folge.

Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde vor allem, durch Froberger, eine bestimmte Satzfolge als verbindlich angesehen: Allemande – Courante – Sarabande – Gigue. Die Einleitung übernahm oft ein nicht tanzmäßiger Satz, z.B. eine Intrada.

Air, Aria: nicht tanzmäßige Suitensätze

Badinerie: Tändelei, Spaß. Dreiertakt. h-mollSuite von Bach

Bourrée: Altfranzösischer Volkstanz

Canarie: schneller Tanz aus dem 16. und 17. Jahrhundert, aus Afrika. Verwandter des Gigue.

Chaconne: kommt aus Mittelamerika. Wie die Sarbande ein ursprünglich obzöner, sinnlicher, ausgelassener Tanz mit Beckenbewegungen im ¾ Takt.

Entrée: Ein Aufzug oder Einzug, getanzt von einer oder mehreren Personen.

Folia: Der Name -. Tollheit, Narretei – lebhafte Bewegungen. Ein alter porugiesischer Fruchtbarkeitstanz. Man verwendete Kastagnetten.

Forlana: Ein Werbetanz der venetianischen Gondolieri. Füße und Hände bewegen sich wie bei der Tatantella. Casanova beschreibt den Tanz in seiner Lebensgeschichte.

Hornpipe: Ein Tanz der schottischen Matrosen. Hier verbindet sich der Tanz mit Holzblasinstrumenten. Der Tanz hatte einen derben, wenig höfischen Charakter.

Loure: Dieser ist ein Dudelsacktanz aus Frankreich. „Stolz und aufgeblasen“nennt sie Mattheson und sieht in ihr eine langsame Art Gigue.

Marsch: Ein Marsch ist eigentlich kein Tanz und wenn er in Schauspielen gebraucht wird, schreiten die Personen ganz langsam daher, ohne tanzen, hüpfen oder springen. (Mattheson 1739)

Der Marsch wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besonders beliebt. Im Barock tanzte man ihn als Aufzug.

Musette: Der Tanz kommt aus Frankreich und dürfte gavotteähnlich getanzt worden sein.

Passacaglia: Der Name bedeutet „Gassenschritt“. Die Passacaglia blieb länger ein Tanz, d.h. sie mußte auch musikalisch die „hurtigere Bewegung“ haben.

Passepied: Er ist ein heiterer Volkstanz aus der Bretagne. Der tanz erhielt seinen Namen von der Fußstellung, bei der ein Bein über dem anderen kreuzt. Sein Wesen kömmt der Leichtsinnigkeit ziemlich nahe“, charakterisiert Mattheson den Tanz. Die Frauen tanzen allein, heben ihre Kleider und schwingen die Beine bis zur Decke. Der Cancan des 15. Jahrhunderts.

Rigaudon: Ein alter französischer Springtanz. ein Werbetanz der Männer. Er wird oft mit dem Bourrée in Verbindung gebracht.

Polonaise: Sie entstanden im 17. jahrhunder, wurde im 18. weiterhin komponiert und getanzt und lebte dann mit der Polenbegeisterung um 1831 neu auf. Sie wurde gerne als Eröffnungstanz getanzt.

Siciliano: Volkstanz aus Sizilien in wiegenden Bewegungen. Ab dem 17. jahrhundert erscheint er auch als „Pastorale“ in Konzert und Oper.

Alle diese Tänze waren Volkstänze. Sie fanden einen Weg an den Hof.

Eure

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