Pomp, Glanz und auch ein Tanzerl

barockdame Wir befinden uns im Zeitalter des Rokokos.

Dekor ist alles. Das frivole Treiben am Hofe bestimmt Mode und Lebenseinstellung. Phantasievolle Maskenfeste lösen einander ab und keine Dekorationsidee ist zu kühn oder zu verrückt. Die Vergänglichkeit des Augenblicks wird gefeiert. Gleichzeitig beginnt aber auch der Aufbruch in die Aufklärung.

Die Frauen sind fröhliche, verspielte, betont erotische Geschöpfe.

Um ihre Neugierde auf das eine oder ander Accesoire zu befriedigen, werde ich das incognito lüften.

Was trägt den die Baronin für einen schwarzen Fleck auf der Wange?

Ein Mouche – Ein Schönheitspflästerchen, das auf ausgesuchte Stellen getragen wurde. Je nach Standort trägt das Mouches einen anderen Namen.

Das Galante – auf der Wange

Das Leidenschaftliche – am Augenwinkel

Das Kokette – am Mundwinkel

Das Mörderische – am Busen

Die Kleidung ist wie alles in dieser Gesellschaft verfeinert. Glänzende Stoffe, kostbare Spitzen sowie aufwendige Stickereien von oft hochdotierten (aber leider selten bezahlten) Stickerinnen zieren Kleider, Westen und Jacken. Ein Hofkleid kann durchaus den Gegenwert eines gesamten Landgutes haben, gute Spitzen sind teurer als Diamanten und werden auch als Halsschmuck getragen.

L’amour“ wurde Gegenstand eines vergnüglichen und

spannenden Glückspiels.“Le jeu“ hat gesellschaftlich abzulaufen. Es unterliegt anerkannten Regeln. Der Fächer wird zu einem Requisit qui est trés important in diesem Spiel. Man kann ihn diskret sprechen lassen.

Was sagt mir Madame ? –Suive-moi! Folge mir? (re. geschl. vor dem Gesicht) Wer würde dieser Aufforderung widerstehen, messieurs?

Interessant ist das Gestell unter dem Kleid -Panier– Brotkörbchen. Hergestellt wird das Panier aus Korbgeflecht oder Fischgebein. Es betont die Hüfte und lässt die schmale Tallie wirken, die teilweise bis auf 40 cm mit einem Mieder gechnürt wurde. Dies gilt als besonders erotisch.

Zu den Strümpfen trägt man ein Strumpfband. Es ist die hohe Zeit des Strumpfbandes. Sinnbild schmachtender Liebe und verstohlener Lust. Ein skandalöses Accessoire der weiblichen Toilette, der sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Das Rascheln beim laufen der Damen nennt man fou fou und gilt als absolutes muß. Auch die Namen der Stofffarben sind sehr orginell Gossendreck, vergifteter Affe, purpurner Floh oder Pipi vom Dauphin.

Ich muß auch die Perücke erwähnen, die jede Dame oder jeden Herrn schmückte.

Nach dem Tragen wurde sie allerdings in einen Vogelkäfig gelegt, damit die Vögel sie von Parasiten befreien konnte.

Das Neuste erzählte Herr Mozart von seiner Reise.

Verwundert beschreibt er die beheizten Schuhe der Französinnen. Hier haben die Frauenzimmer nichts als chaufretten unter den Füssen, kleine hölzerne und mit Blech gefüllte Kästchen, die durchlöchert sind, darin ein glühender Ziegel, oder heisse Aschen, oder erdene Kästel mit Glut gefüllt. Mich erstaunten auch die Pariser Klosetts mit Wasserspülunge ebenso wie in London den grad erst erfundenen Blitzableiter und merkwürdig berührte mich die Tea-Time.

Wolfgang A. Mozart war ein begeisterter Tänzer. Er versäumte weder die öffentlichen Maskenbälle im Theater, noch die Hausbälle von Freunden.

In einem Brief schreibt er:

Vergangene Woche habe ich in meiner Wohnung einen Ball gegeben. Wir haben abends um 6 uhr angefangen und um 7 uhr aufgehört, – was nur eine Stunde? – Nein Nein – Morgens um 7 uhr;

 Mozart komponierte für die Tanzformen seiner Zeit. Insgesamt sind uns aus seiner Feder rund 130 Menuette, 40 Kontratänze, 49 Deutsche und 6 Ländler überliefert.

Die Kontratänze des 18 Jahrhunderts lassen sich nach der Art der Aufstellung und des Tanzablaufs in zwei Gruppen einteilen:

1. in der Tanzform der Anglaise – in einer Gassenaufstellung und

2. in der Careéaufstellung – im Viereck, Cottillon oder Quadrille genannt.

Country Dances finden sich schon im 17. Jahrhundert und wurden dann nach Frankreich unter dem Namen Contredance gebracht.

Zur Zeit Mozarts war die Tanzmode stark von Frankreich geprägt und Kontratänze waren sehr beliebt. Diese Tänze regten dazu an, immer wieder neue Figurenkombinationen zu erfinden. Sie sind ein Spiel mit bewegten Linien und Formen in Raum und Zeit.

Und wie das Wolferl sagen würde:

….ach kommt geschwind her ihr lieben, wir machen ein tanzerl.

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 Eure

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Die Perücke, ein Zeichen der Macht

Der Ursprung der Perücke in dieser Zeit liegt angeblich in der Eitelkeit eines Mannes:

Sonnenkönig Ludwig XIV soll, so heißt es, die Perücke eingeführt haben, um seine Glatze zu verbergen.

Bei den Damen wurden bis ca. 1710, noch Fontangen mit hoch aufgetürmtem Vorderhaar getragen, diese wurden aber immer niedriger, bis sie schließlich ganz verschwanden und von kopfnahen Frisuren abgelöst wurden, unter denen sich die sogenannten Kurzhaarfrisuren (à la mouton) befinden. Mme Pompadour ist auf den meisten Darstellungen mit dieser Frisur abgebildet.

 Erst ab ca. 1770, als das Rokoko sich dem Ende zuneigt, wurden die Frisuren höher und voluminöser, so daß Haarteile und Drahtgestelle nötig wurden. Die Turmbauten der 1770er/80er verlangten mehr, als die Natur und geschickte Friseure zu leisten vermochten: mehr Haar, also Haarteile wurden nötig.

Wer es sich leisten konnte (bzw. wegen des höfischen Zwangs mußte, bestellte sich wöchentlich oder täglich den Friseur, während andere sich alle paar Monate die Perücke neu machen ließen und sie ein- oder zweimal im Monat aufsetzten.

Eine richtig gute Perücke war aus Menschenhaar, und wieviele weißhaarige Frauen mit langem Haar waren wohl bereit, das ihre zu verkaufen? Eher waren es junge Frauen, die aus Not ihr Haar verkauften, das dann allerdings alle möglichen Farben hatte. Deshalb wurden die guten Perücken aus naturfarbigem Haar gefertigt. Schlechtere Perücken aus Tierhaar (Büffel oder Pferd). Nachdem die Frisuren meist sehr kunstvoll waren, wurde sie mehrere Tage nicht frisiert und natürlich auch nicht gewaschen.

Allerdings wurden die Frisuren jeden Tag gepudert.Die Reichen hatten sogar eigene Puderkammern, die für diese Tätigkeit zur Verfügung standen.

Puder scheinen die Damen anfangs nur wenig verwendet zu haben. Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß sie zunächst eher das eigene Haar trugen, auf dessen Länge, Feinheit und Glanz sie sich etwas einbildeten. Mit dem zunehmenden Einsatz von Haarteilen und Perücken gewann das Pudern den Vorteil, daß es eventuelle Farbunterschiede zwischen dem Eigenhaar und den Haarteilen kaschierte.

Der Puder war nicht immer weiß, sondern ebensooft grau oder blond. Selbst für rötliches Puder gibt es zeitgenössische Rezepte.

 Über den Kopfputz des Rokoko sind womöglich mehr Halbwahrheiten und maßlose Übertreibungen verbreitet als über jeden anderen Aspekt der Mode. Da gibt es Geschichten über Fontangen, die viermal so hoch wie der Kopf waren, daß die Damen aufrecht schliefen, um die Frisur zu schonen, oder über turmhohe Aufbauten.

Oder eine Dame die eine Perücke (mit leckerem Weizen- oder Kartoffelmehl gepudert) in der Ecke des Ankleidezimmers stehen ließ und erst Wochen später wieder hingeschaut hatte und darin Mäuse nisteten, und so war sie tagelang das Gespött des Hofes. Man erzählt auch das die Perücke oft nach dem Tragen in einen Vogelkäfig gelegt wurde, damit die Vögel sie von Parasiten befreien konnte.

Für all diese Geschichten gilt:

„In bunten Bildern wenig Klarheit,
viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit“
(Goethe: Faust I)

 Eure

Sabine

 

Gedicht aus dem Rokoko

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Beglückt, beglückt,
Wer dich erblickt,
Und deinen Himmel trinket,
Wenn dein Gesicht
Voll Engellicht
Den Gruß des Friedens winket.

Ein süßer Blick,
Ein Wink, ein Nick,
Glänzt mir wie Frühlingssonnen;
Den ganzen Tag
Sinn‘ ich ihm nach,
Und schweb‘ in Himmelswonnen.

Dein holdes Bild
Führt mich so mild
An sanfter Blumenkette;
In meinem Arm
Erwacht es warm,
Und geht mit mir zu Bette.

Beglückt, beglückt,
Wer dich erblickt,
Und deinen Himmel trinket,
Wem süßer Blick
Und Wink und Nick
Zum süßern Kusse winket.

Ludwig Heinrich Christoph Hölty

Gedicht aus dem Rokoko

Sabse

Mädchen, wollt ihr mich nicht lieben?
Seht, hier lieg ich in dem Schatten!
Seht mich nur, ihr müsst mich lieben!
Rosen blühen auf den Wangen,
In den Adern glühet Feuer,
In den Minen lacht Vergnügen,
In den Augen locket Liebe,
Und bewegen sich die Lippen,
So bewegt sie Scherz und Freude.
Mädchen, wollt ihr mich nicht lieben?
Seht, hier lieg ich in den Schatten,
Mädchen seht, wie schön ich liege!

Rokoko

sadoDekor ist alles. Das frivole Treiben am Hofe bestimmt Mode und Lebenseinstellung weiter Schichten. Phantasievolle Maskenfeste lösen einander ab und keine Dekorationsidee ist zu kühn oder zu verrückt. Die Vergänglichkeit des Augenblickes wird gefeiert. Gleichzeitig beginnt aber auch der Aufbruch in die Aufklärung, eine entschiedene Abkehr von Kirche und Religion, eine Hinwendung zu Philosophie und Wissenschaft. In diesem Spannungsfeld sind Frauen einerseits fröhliche, verspielte, betont erotische Geschöpfe, anderseits aber auch Mäzeninnen und Vorreiterinnen der neuen Ideen.

Die Farben der Kleidung sind – wie alles in dieser Gesellschaft – aufs höchste verfeinert. Zarte Pastelle schimmern in glänzenden Seiden- und Moiré -Stoffen mit dem leuchtenden Weiß kostbarster Spitzen um die Wette. Aufwendigste Stickereien von oft hochdotierten (aber leider selten bezahlten) Stickerinnen zieren Kleider, Westen und Jacken. Ein Hofkleid kann durchaus den Gegenwert eines gesamten Landgutes haben, gute Spitzen sind teurer als Diamanten und werden auch als Halsschmuck getragen.Die Schnitte sind weit und üppig, oft verspielt und gerne mit großem Dekolletè. Die Frauenkleider behalten die Aufteilung in Jupe(Unterrock) und Manteau (Oberkleid) bei, die sie im späten Barock hatten. Daneben entwickelt sich aus dem „Negligé“, einem sackartigen Hausgewand, das aber sehr wohl über Schnürmieder und Reifrock getragen wurde, die „Adrienne“. Diese ist ein Zwischending beider Kleiderformen, in dem das weite Negligé noch durch eine am Halsausschnitt angesetzte, reich gefaltete und nahtlos ins Kleid übergehende Schleppe erhalten ist. Dieser Schnitt nennt sich „Wattaufalte“, nach dem gleichnamigen französischen Hofmaler, auf dessen Gemälden diese Kleiderform häufig zu sehen ist. Die Rockformen gehen vom runden Reifrock bis hin zum extremen Queroval der „Grande Parure“ genannten prunkvollen Hoftoilette mit meterlangen seitlichen „Auslegern“. Anderseits wurde am Ausgang des Jahrhunderts das knöchelkurze Kleid „a la Polonaise“ modern, eine Kleiderform, die wiedergibt, was sich die höfische Gesellschaft zur Zeit Marie Antoinettes so unter einem Kleid einer Schäferin vorstellte.

Lediglich die kühleren Briten lassen sich nicht ganz mitreißen und entwickeln ihren eigenen, Praktischeren und tragbaren Stil. Die Schnitte bleiben gemäßigt, Kapriolen und Extreme finden keinen Eingang in die englische Kleidung. Die Modeszene würdigt das, indem sie die verschiedenen Kleiderformen als „a la Francais“ (d.h. mit querovalem Reifrock, Wattaufalte und großem Aufputz) und „a la Anglais“ (d.h. mit relativ kleinem runden Reifrock und einfachem Schnürmieder) benennt. In England entwickelt sich gegen Ende des Jahrhunderts bereits vor der Französischen Revolution die Vorstufe zum hoch gegürteten Empirekleid mit nach oben versetzter Taille, die ohne Reifrock getragen wurde – eine Tatsache, die kaum bekannt ist.

Die Männerkleidung behält die „Justaucorps“ genannte lange Jacke mit großen Ärmelaufschlägen bei, die lediglich im Laufe der Zeit etwas schlanker in der Silhouette wird, und die zusammen mit langer Weste, Spitzenhemd und Kniehose die in Europa einheitliche Tracht darstellt. Auch hier tragen Engländer schon relativ früh eine weniger opulente Version mit noch schlankerer Jacke mit kleineren Ärmelaufschlägen, ohne große Stickereien oder Spitzenmanschetten. Sie ähnelt schon sehr der späteren Empire- und Biedermeiertracht.

Die Hofkleidung ist derart teuer (und unbequem), dass sie auch nur zu offiziellen Anlässen getragen wird. Zu Hause legt man sofort Kleid oder Herrengala und die Perücken ab und trägt Negligé oder wattierten Schlafrock und Schlappen. Den Kopf bedeckt eine Haube oder Nachtmütze, denn der Kopf war oft der Perücken wegen kahl rasiert, aber auch damit man die Krätze besser behandeln konnte.

Phantasievoll wie alles in dieser Zeit sind im Übrigen auch die Namen der Stoff-Farben: Floh (spezifiziert nach alter und junger Floh, Flohrücken, Flohschenkel usw.), vergifteter Affe und sterbender Affe, Nönnchenbauch, Pipi von Dauphin oder Gossendreck sind einige davon. Im Gesicht und Dekolleté werden die berühmten „Mouches“, die schwarzen Schönheitspflästerchen getragen, von denen ebenfalls jedes einen bestimmten Namen und eine Bedeutung erhält (das leidenschaftliche wird am Augenwinkel angebracht, das galante sitzt mitten auf der Wange, das kokette gehört an den Mundwinkel, das mörderische schließlich trägt man am Busen).

Genauso mußte man den Fächer beherrschen. Auch für ihn gab es eine Sprache (über die Wange gleiten lassend – Ich liebe Dich!, weit öffnend – Warte auf mich!, öffnend und schließend – Du bist grausam! usw.).

Bei den Herren wird die naturfarbene lockenreiche und extrem warme Allongeperücke des späten Barock abgelöst durch kleinere Perücken unterschiedlichster Form, die fast ausschließlich weiss oder grau gepudert werden.

Tanz:

Die Rokokozeit ist die graziösere und leichtere Abart des Barock.

Das Menuett war der Tanz des 18. Jahrhunderts. Er galt über hundert Jahre als der schönste und schwerste Tanz und wird als einziger Satz in die Sonatenkomposition aufgenommen. Aber das Menuett ist kein Tanz für jedermann, denn es verlangte eine vollendete Körpertechnik, die man nur durch jahrelangen Tanzunterricht erreichen konnte. Mit ihm drückte man Würde, Eleganz und blasierte Müdigkeit aus.

Allein in Paris gab es damals ca. 300 Tanzmeister, die alle gute Einnahmen hatten. Menuette wurden zu zweit, zu viert oder zu acht getanzt. Es wurde noch symmetrisch, mit Schritten, die eine liegende acht beschrieben, dann wurde ein S daraus, später eine 2 und schließlich das Z.
Mit der Französischen Revolution wich alles Geschnörkelte und die Künstlichkeit.

Eure

Sabinestern2