Verschlafen – fängt ja schon gut an.
Schnell aus den Feder und ab unter die Dusche. Brrrrrrrrrrrr eiskalt. Hab wieder nicht dran gedacht, dass sich das Wasser erst erwärmen muss. Jetzt fällt mir auch noch das Shampoo runter und knirsch – ich bücke mich und komme nicht mehr hoch. Das hat mir gerade noch gefehlt. Ich bewege mich wie Quasimodo und bin steif wie ein Brett. Da muss ich durch.
In zwei Stunden ist ein wichtiger Kundentermin bei einem mir noch nicht bekannten Kunden. Also mit Termin verschieben ist da nix und mein Kollege kann nicht einspringen.
Und da sehe ich sie. Ganz verschlafen steht sie in der Tür. Sie strahlt mich an und zaubert mir sofort ein Lächeln in das Gesicht. Sie kommt auf mich zu und ich halte den Atem an.
Ihre raue Zunge spüre ich an meinem Knöchel. Das kitzelt und ich mache einen kleinen, ungeschickten Sprung auf die Seite und knartsch – ich kann mich wieder bewegen.
Sie ist eine Zauberin, aber das weiß ich schon lange. Ich liebe sie, mein kleines, süßes Hundemädchen.
Heute werde ich 6 Jahre alt. Vor 51/2 haben mich Herrchen und Frauchen zu sich geholt.
Mein erstes Frauchen starb an einem Herzinfakt. Ich erinnere mich noch genau an diesen Tag. Viele Menschen in weißen Hosen und T-Shirts liefen hektisch in unserer Wohnung herum. Nachdem ich stundenlang geheult hatte, kamen sie mit einem großen Knall, denn sie haben die Tür aufgebrochen, in die Wohnung. Ein großer Starker Mann mit Bart nahm mich von meinem Frauchen weg und drückte mich unserer Nachbarin Frau Klose in den Arm. Dann nahmen sie mein Frauchen mit. Ein Mann in Uniform nahm mich auch mit und brachte mich zurück in den Zwinger aus dem ich stammte. Da ging es mir gar nicht gut. Ich bin sehr ängstlich geworden und die anderen drängten sich überall vor. Mir blieb zum Schluß kaum was zum Essen übrig und die warme Decke war auch von allen belegt.
Und dann kamen sie. Ein großer Mann mit Brille und eine kleinere Frau mit fröhlichen Augen.
„Ich möchte den kleinen Hund nur mal anschauen.“ sagte sie zu dem großen Mann.
Die anderen drängten sich wie üblich vor und stießen mich immer wieder auf die Seite. Das sah sie, meine Heldin. „Ach schau dir mal dieses kleine, süße, verängstigte Hundchen an“, sagte sie zu dem Mann. Der hob mich mit seinen kräftigen Händen hoch und legte mich in den Arm der Frau, „Ach, war das schön.“ Ich kuschelte mich ganz gemütlich in ihren Arm. „Meine Süße, du kommst mit uns nach Hause“, sagte sie. Dankbar schleckte ich ihre Hand.
Nun leben wir schon so lange zusammen und ich kann mir kein schöneres Zuhause vorstellen. Ich liebe unsere Spaziergänge in die Stadt, wenn ich dann mit Herrchen im großen Park toben kann oder auch wenn wir die die Weinberge entlang gehen und die schöne Aussicht genießen. Anderen Hunden gegenüber bin ich immer noch ängstlich bis auf meine Freundin Gini, die Yorkidame von Frauchens Tochter.
Nachher wird mein Geburtstag gefeiert. Es gibt Fleischkäse vom Metzger Braun und Kartoffelsalat. Natürlich nicht für Gini und mich. Frauchen hat uns leckere Leberwurstkekse gebacken. Vielleicht fällt doch noch ein Stückchen Fleischkäse für uns ab. Ich bin mal gespannt was ich für Geschenke bekomme. Vielleicht einen Knochen oder ein neues Spielzeug?
Vor 5 1/2 Jahren und Heute
Eure
Heute fahren wir in den Schwarzwald, wo auch immer der sein mag. Wir heißt Herrchen und ich Tessa, eine klein Yorkihündin.
Wir besuchen Frauchen, die schon solange von zu Hause fort ist. Sie muß sich nämlich erholen, sagt Herrchen. Ich frage mich von was und warum? Herrchen und ich sind doch immer ganz artig und lieb zu ihr. Aber Herrchen meint, das kommt vom zu vielen Stress in der Arbeit.
Was ist Stress?
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Puhh, mein armes Frauchen. Das klingt aber nicht gut.
Gleich sind wir da. Hier ist also der Schwarzwald.
Ich sehe Frauchen schon. Sie sieht noch genauso aus wie früher. Doch wenn ich richtig hinschaue, stelle ich fest, dass ihre Augen wieder funkeln und ihr spitzbübisches Lächeln wieder da ist, das ich so an ihr liebe.
Schnell springe ich aus dem Auto und renne zu ihr und lasse mich ausgiebig streicheln und kraulen.
Wir machen gleich einen langen Spaziergang im Schwarzwald, sagt sie. Schwarzwald, klar hier ist es recht dunkel und unheimlich und es hat ganz arg viele Bäume, die fein duften. Daher also der Name Schwarzwald.
Vieles Unbekannte erschnüffle ich, es riecht nach Tieren, Blümchen und verschiedenen Hölzern. Aber diesen Duft kenn ich: Kaffee und selbstgemachter Schwarzwälderkirschtorte und das mitten im Wald. Und nach der nächsten Biegung wissen wir auch warum dies hier so lecker riecht.
Ein Cafe gibt es hier , mitten im Wald. Frauchen hat das aber toll ausgesucht. Ein schönes Plätzchen. Schnuckelig sieht es hier aus.
„Ich heiße Sarah, höre ich eine interessante Simme sagen.“ Vor mir steht eine Colliehündin. „Meinem Herrchen gehört dieses Cafe hier mitten im Wald. Komm mit, wir spielen und tratschen ein wenig.“
Als ob Frauchen Sarah verstanden hätte, macht sie mich von der Leine los. Und so toben Sarah und ich um’s Haus.
Doch leider ruft mich Frauchen viel zu früh. Wir müssen zurück zu Frauchens Schwarzwaldzuhause. Dort gibt es nämlich bald Abendbrot und wir müssen schon noch ein ganz langes Stück laufen.
Wir bringen Frauchen auf’s Zimmer und schnell kuschle ich mich nochmal auf ihrem Schoß ein und genieße ihre Nähe, bevor Herrchen und ich nach Hause fahren.
Ich bin traurig, aber Herrchen sagt zu mir: „Tessa, bald fahren wir wieder zu Frauchen und dann nehmen wir sie wieder mit nach Hause.“
So schlafe ich beruhigt auf dem Rücksitz des Autos ein und träume davon, dass mir Frauchen einen leckeren Hundekuchen, aber ohne Kirschen, backt.
Eure