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Das Barock

 

 

    

Das Wort Barock entstammt der portugiesischen Sprache, in der unregelmäßig geformte Perlen als barroco bezeichnet wurden, d. h. „schief“ oder „ungleichmäßig.

Barock wird in die Abschnitte Frühbarock (bis ca. 1650), Hochbarock (ca. 1650–1720) und Spätbarock oder Rokoko (ca. 1720–1770) gegliedert.

Einerseits ist das Barock das Zeitalter vom Dreißigjährigen Krieg,
Reformation und Inquisition und geprägt von der deutlichen Hinwendung
der Menschen zum jenseitigen Leben. Anderseits wird, gerade weil die
Welt ein „Jammertal“ ist, alles, was sie bietet, auch intensiv
ausgekostet. Prachtliebende Fürsten wie August der Starke und der
Sonnenkönig Ludwig der XIV sind Leitbilder für den gesamten Adel. Pracht
und Glanz entfalten sich an den Höfen Europas- wenn auch oft sehr steif
und pompös.

Das Theater entwickelt sich im Barocken Zeitalter und wird eine Multimediaerfahrung, mit dem gegenwärtigen architektonischen Raum anfangend.  Die Bühne verwandelt sich von einem romantischen Garten in das Interieur eines Palasts innerhalb von Sekunden. Der sichtbare Bühnenraum wird durch einen Rahmen eingeschränkt, der den Zuschauern erlaubt, nur eine spezifische Handlung zu sehen und ganz in die Illusion einzutauchen. Diese Illusionswirkung unterstützend verbirgt der Rahmen auch größtenteils die Maschinerie und Technologie. Diese Technologie beeinflusst den Inhalt der erzählten oder aufgeführten Stücke. Zum Beispiel für die in vielen Stücken praktizierte Konfliktlösung durch den Deus ex Machina. Götter waren im Stande – wörtlich – vom Himmel herunterzukommen und den Helden aus seiner gefährlichen, sogar absurden Situation zu retten. Die Vorstellung von der Welt als Theaterbühne Theatrum mundi entstand im Barock.



MODE:

Frauen im höfischen oder großbürgerlichen Bereich sind schon rein
äußerlich oft recht üppig und unterstreichen ihre Sinnlichkeit noch
durch prächtigste Kleidung.

Die Kleidung ist regional sehr unterschiedlich. Während die Frauen in
Spanien, Deutschland und Flamen unter dem religiös begründeten Diktat
der strengen „Spanischen Mode“ mit ihren steifen Miedern, der schwarzen
Farbe und den hochgeschlossenen Mühlstein – Spitzkragen stehen, brechen
die Französinnen und mehr noch die Italienerinnen dieses Diktat
selbstbewusst auf: Aus Mühlsteinkrägen werden offene Spitzenkragen über
tiefen Dekolletés, die vorgeschrieben sittsamen dunklen Farben werden
durch Gold, Silber und Weiß aufgehellt oder völlig ignoriert.

Die Schnitte sind pompös, die verschwenderisch verwendeten Stoffe schwer
und prächtig. zur Volumenerweiterung der Röcke werden zunächst steife
kegelförmige Reifröcke getragen, die aber dann zeitweilig von dicken, um
die Hüften geschnallten Lederwülsten abgelöst werden, die man als
„Weiberspeck“ bezeichnete.

Die Männer tragen zur Heerpauke (einer kugelrund ausgestopften kurzen
Hose)ein vollständig wattiertes Wams mit „Gänsebauch“- Optik, eine
insgesamt derartig steife Kleidung, die an Bequemlichkeit den
mittelalterlichen Rüstungen in nichts nachgestanden haben wird.

Der ständige Krieg mit seinen Landsknechten, die als Söldner ganz Europa
bereisen, bringt bis zur Jahrhundertmitte Belebung in die Mode. Sie
bevorzugen weite, grellbunte Kleidungsstücke(die Zerhauenen), die extrem
geschlitzt werden, und aus der ellenlang helles Unterfutter heraushängt:
Die Hosenform der „Pluderhosen“ wird von ihnen erfunden. Auch in der
höfischen und damit in der tonangebenden Gesellschaftsschicht wird der
Sitz der Kleidung lockerer (was sich aber nicht auf das weibliche
Schnürmieder bezieht). Die Eitelkeit – insbesondere die männliche –
feiert fröhliche Urständ und bringt Dinge hervor wie die „Rheingrafen“
(weite Hosenröcke mit Rüschensaum), Bänder und Schleifen an allen
Kleidungsteilen, rote hohe Absätze an den Schuhen und die
verschwenderische Verwendung von Spitzen.

Das Ganze gipfelt am Jahrhundertende in der bekannten Pracht des
französischen Hofes in Versailles zur Zeit des Sonnenkönigs.

In der Frauenkleidung reicht es zu der Zeit schon lange nicht mehr aus,
nur ein einzelnes Kleid zu tragen, man muss zeigen, dass man sowohl ein
kostbares Unterkleid als auch einen ebenso kostbaren „manteau“ tragen
(und bezahlen) kann. Damit aber beide Kleiderteile so richtig zur
Geltung kommen, wird raffinierte Draperien gelegt. Die Silhouette wird
dadurch schmaler, was man noch durch Frisuren „a la Fontange“ (d.h.
Strumpfbandfrisur) verstärkte. hierzu wurden die Haare mittels eines
Spitzenbandes auf bis zu 50 cm hohen schmalen Drahtgestellen
aufgebunden.

Die Männermode beruhigte sich allmählich und die Form des „Justaucorps“
(einer über einer langen Weste getragenen, oft reich bestickten Jacke)
entwickelt sich. Vorbild ist natürlich wieder ein Militärrock. Dies ist
im Grossen und Ganzen die Form der Männerbekleidung.

Die einzige größere Extravaganz in der Männermode am Ende des
Jahrhunderts ist die naturfarbene lockenreiche (und extrem warme)
Allongeperücke, die durch den nicht mehr ganz jugendfrischen Sonnenkönig
eingeführt wird. Sie soll ihm sein ewig jugendlich, strahlendes Aussehen
sichern und wird natürlich am Hof und in modischen Kreisen sofort
kopiert.

 

TÄNZE:

Tänze der Renaissancezeit strotzten vor Lebenskraft, die Tänze des
Barock waren noch leidenschaftlich, und die Tänze der Rokokozeit wie
z.B. das Menuett vergleicht man heute mit dem mechanischem Ablaufen
eines Uhrwerkes.

1680 hatte ein Tanz mit dem Namen Allemande Eingang am französischen
Hof. Es gab diesen Tanz zwar auch schon in der Renaissancezeit, aber
erst in der Barock- und Rokokozeit wurde dieser Tanz populär. Der Reiz
der Allemande lag in der erotischen Verschlingung der Arme, dadurch
wurde er zu einem Flirtspiel für beide Partner.

Die Courante wurde fast 2 Jahre gern getanzt. Die Courante war im 17.
Jahrhundert die Königin des Tanzes. Der Tanz war nicht einfach zu
erlernen. „Wie auf einem Boot im Sturm“, von rechts nach links
schwankend, wird sie von Zeitgenossen beschrieben. Auch durch die
Zickzackbewegungen wurde sie bei Sachs „Hüpfendes Hin und Her“ genannt.

Die Sarabande ist seit etwa 1650 als höfische Tanzform der Barockmusik
ein häufiger, ursprünglich fester Kernsatz der barocken Suite: Allemande
— Courante — Sarabande — Gigue. Da sie ein exotischer, schneller und
obszön wirkender Tanz war, wurde sie immer wieder und wieder verboten.
In kürzester Zeit wurde sie ein langsamer, anständiger Tanz, ausgelöst
durch diese Verbote. Bei den spanischen Tänzen tanzen beide Partner mit
erhobenem oder bewegtem Arm. Die Sarbande wurde mit Kastagnetten
getanzt.

Zur Branlefamilie gehört die Gavotte. Sie ist der lustigste und
ausgelassenste Tanz der Suite.

Tatsächlich gibt es ein Bergvolk des Gapencais im oberen Dauphiné, dass
sich Gavots nennt. Ihr Haupttanz nennt sich Gavotte. Zunächst tanzte man
diese Gavotten in verschiedenen gestaffelten Zeitmaßen im Kreis oder in
der Reihe. In der höfischen Gesellschaft war die Gavotte gern als
Einschub in die Suite verwendet worden. Oft erscheint die Gavotte hier
auch als Mittelteil in der dreiteiligen Musette.

Die Gavotte lebt heute als Volkstanz in der Bretagne weiter.

Die Blütezeit der Gigue ist das 17. und das beginnende 18. Jahrhundert.
Hier erlebte sie nicht nur an den Höfen ihre volle Bedeutung, sondern
fand auch gleichzeitig in den Komposition der Zeit ihren Stellenwert.
Danach tritt sie nur noch vereinzelt auf. Auch am Hofe von Elisabeth der
I. von England pflegt man die sog. „Elisabethanischen Jigs“ zu tanzen.
Shakespeare nannte ihn „hot and hasty“. Die Tänzer heben die Arme hoch,
hopsen herum und machen sich zum Narren. Er wird nur gehüpft. Besondere
Bedeutung fand der Giuge als Schlusssatz in der Suite.

Die Barockzeit war gekennzeichnet durch steife Förmlichkeit, polierte
Beherrschung und eine Vorliebe für Fettleibigkeit. Es gibt neue
Erfindungen in der Musik, die Oper, das Oratorium, die Kirchensonate,
das Konzert und die Suite.

Die höfischen Tänze waren nicht alle künstlich – geziert, dass einige
von ihnen fröhlich und ausgelassen getanzt wurden. Dies gehört offenbar
zu den Widersprüchlichkeiten der Zeit, zu jenen Unebenheiten der
„barocca“, zur Inkonsequenz des Lebendigen, die selbst in dieser Epoche
in vielen Bereichen immer wieder durchbrach.

  Ein Ball beginnt mit einer Branle. Der König führt den Reigen an; es
  folgen die Tänzer in strenger Standesordnung. Der Anführer wechselt
  jeweils ans Ende der offenen Kette, bis der König wieder an der Reihe
  ist. Alle Tänze beginnen und enden mit Reverenzen. Es folgt eine
  Gavotte, die ebenfalls ein Reigen ist, nur ein schneller getanzter.
  Als nächstes wird eine Courante getanzt. Es tanzen allein der König
  mit der Königin; alle anwesenden sehen stehend zu. Der König der dann
  nach Status festlegt, wer nacheinander, die Hofleute – immer unter den
  Augen des Herrschers und des gesamten Hofes, tanzt. Der nächste Tanz
  ist das Menuett. Geschildert wird eine Art von Folge.

Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde vor allem, durch
Froberger, eine bestimmte Satzfolge als verbindlich angesehen: Allemande
– Courante – SarabandeGigue. Die Einleitung übernahm oft ein nicht
tanzmäßiger Satz, z.B. eine Intrada.