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Das Rokoko

 

Ausgangspunkt ist Frankreich. Der Name entstammt dem französischen Wort Rocaille (Muschelwerk, Steingarten) und bezeichnet ein immer wieder auftretendes Ornamentmotiv, das sich durch Asymmetrie von barocken Formen unterscheidet.

Im Barock hatte Ludwig XIV. von Frankreich sein Leben zum öffentlichen Ereignis gemacht, um den Adel am Hofe zu halten und durch Gunstbeweise oder -entzug zu lenken. Im Rokoko fand eine Gegenbewegung mit einem Rückzug ins Private statt (höfischer Eskapismus). An die Stelle monumentaler Machtentfaltung und kraftvoller Dynamik des Barock traten nun kultivierte Lebensführung und ein leichtfüßiges, feinsinniges Lebensgefühl, gepaart mit vornehm-zarter Sinnlichkeit und galanten Umgangsformen.

Dekor ist alles. Das frivole Treiben am Hofe bestimmt Mode und
Lebenseinstellung weiter Schichten. Phantasievolle Maskenfeste lösen
einander ab und keine Dekorationsidee ist zu kühn oder zu verrückt. Die
Vergänglichkeit des Augenblickes wird gefeiert. Gleichzeitig beginnt
aber auch der Aufbruch in die Aufklärung, eine entschiedene Abkehr von
Kirche und Religion, eine Hinwendung zu Philosophie und Wissenschaft. In
diesem Spannungsfeld sind Frauen einerseits fröhliche, verspielte,
betont erotische Geschöpfe, anderseits aber auch Mäzeninnen und
Vorreiterinnen der neuen Ideen.

Die Farben der Kleidung sind – wie alles in dieser Gesellschaft – aufs
höchste verfeinert. Zarte Pastelle schimmern in glänzenden Seiden- und
Moiré -Stoffen mit dem leuchtenden Weiß kostbarster Spitzen um die
Wette. Aufwendigste Stickereien von oft hochdotierten (aber leider
selten bezahlten) Stickerinnen zieren Kleider, Westen und Jacken. Ein
Hofkleid kann durchaus den Gegenwert eines gesamten Landgutes haben,
gute Spitzen sind teurer als Diamanten und werden auch als Halsschmuck
getragen.Die Schnitte sind weit und üppig, oft verspielt und gerne mit
großem Dekolletè. Die Frauenkleider behalten die Aufteilung in
Jupe(Unterrock) und Manteau (Oberkleid) bei, die sie im späten Barock
hatten. Daneben entwickelt sich aus dem „Negligé“, einem sackartigen
Hausgewand, das aber sehr wohl über Schnürmieder und Reifrock getragen
wurde, die „Adrienne“. Diese ist ein Zwischending beider Kleiderformen,
in dem das weite Negligé noch durch eine am Halsausschnitt angesetzte,
reich gefaltete und nahtlos ins Kleid übergehende Schleppe erhalten ist.
Dieser Schnitt nennt sich „Wattaufalte“, nach dem gleichnamigen
französischen Hofmaler, auf dessen Gemälden diese Kleiderform häufig zu
sehen ist. Die Rockformen gehen vom runden Reifrock bis hin zum extremen
Queroval der „Grande Parure“ genannten prunkvollen Hoftoilette mit
meterlangen seitlichen „Auslegern“. Anderseits wurde am Ausgang des
Jahrhunderts das knöchelkurze Kleid „a la Polonaise“ modern, eine
Kleiderform, die wiedergibt, was sich die höfische Gesellschaft zur Zeit
Marie Antoinettes so unter einem Kleid einer Schäferin vorstellte.

Lediglich die kühleren Briten lassen sich nicht ganz mitreißen und
entwickeln ihren eigenen, Praktischeren und tragbaren Stil. Die Schnitte
bleiben gemäßigt, Kapriolen und Extreme finden keinen Eingang in die
englische Kleidung. Die Modeszene würdigt das, indem sie die
verschiedenen Kleiderformen als „a la Francais“ (d.h. mit querovalem
Reifrock, Wattaufalte und großem Aufputz) und „a la Anglais“ (d.h. mit
relativ kleinem runden Reifrock und einfachem Schnürmieder) benennt. In
England entwickelt sich gegen Ende des Jahrhunderts bereits vor der
Französischen Revolution die Vorstufe zum hoch gegürteten Empirekleid
mit nach oben versetzter Taille, die ohne Reifrock getragen wurde – eine
Tatsache, die kaum bekannt ist.

Die Männerkleidung behält die „Justaucorps“ genannte lange Jacke mit
großen Ärmelaufschlägen bei, die lediglich im Laufe der Zeit etwas
schlanker in der Silhouette wird, und die zusammen mit langer Weste,
Spitzenhemd und Kniehose die in Europa einheitliche Tracht darstellt.
Auch hier tragen Engländer schon relativ früh eine weniger opulente
Version mit noch schlankerer Jacke mit kleineren Ärmelaufschlägen, ohne
große Stickereien oder Spitzenmanschetten. Sie ähnelt schon sehr der
späteren Empire- und Biedermeiertracht.

 

Die Hofkleidung ist derart teuer (und unbequem), dass sie auch nur zu
offiziellen Anlässen getragen wird. Zu Hause legt man sofort Kleid oder
Herrengala und die Perücken ab und trägt Negligé oder wattierten
Schlafrock und Schlappen. Den Kopf bedeckt eine Haube oder Nachtmütze,
denn der Kopf war oft der Perücken wegen kahl rasiert, aber auch damit
man die Krätze besser behandeln konnte.

Phantasievoll wie alles in dieser Zeit sind im Übrigen auch die Namen
der Stoff-Farben: Floh (spezifiziert nach alter und junger Floh,
Flohrücken, Flohschenkel usw.), vergifteter Affe und sterbender Affe,
Nönnchenbauch, Pipi von Dauphin oder Gossendreck sind einige davon. Im
Gesicht und Dekolleté werden die berühmten „Mouches“, die schwarzen
Schönheitspflästerchen getragen, von denen ebenfalls jedes einen
bestimmten Namen und eine Bedeutung erhält (das leidenschaftliche wird
am Augenwinkel angebracht, das galante sitzt mitten auf der Wange, das
kokette gehört an den Mundwinkel, das mörderische schließlich trägt man
am Busen).

Genauso mußte man den Fächer beherrschen. Auch für ihn gab es eine
Sprache (über die Wange gleiten lassend – Ich liebe Dich!, weit öffnend
– Warte auf mich!, öffnend und schließend – Du bist grausam! usw.).

Bei den Herren wird die naturfarbene lockenreiche und extrem warme
Allongeperücke des späten Barock abgelöst durch kleinere Perücken
unterschiedlichster Form, die fast ausschließlich weiss oder grau
gepudert werden.


TANZ:

Die Rokokozeit ist die graziösere und leichtere Abart des Barock.

Das Menuett war der Tanz des 18. Jahrhunderts. Er galt über hundert
Jahre als der schönste und schwerste Tanz und wird als einziger Satz in
die Sonatenkomposition aufgenommen. Aber das Menuett ist kein Tanz für
jedermann, denn es verlangte eine vollendete Körpertechnik, die man nur
durch jahrelangen Tanzunterricht erreichen konnte. Mit ihm drückte man
Würde, Eleganz und blasierte Müdigkeit aus.

Allein in Paris gab es damals ca. 300 Tanzmeister, die alle gute
Einnahmen hatten. Menuette wurden zu zweit, zu viert oder zu acht
getanzt. Es wurde noch symmetrisch, mit Schritten, die eine liegende
acht beschrieben, dann wurde ein S daraus, später eine 2 und schließlich
das Z.

Mit der Französischen Revolution wich alles Geschnörkelte und die
Künstlichkeit.