Skip to main content

Empire - Sturm und Drang - Klassik

Die französische Revolution beendete das leichtfertige Treiben der
Rokokogesellschaft. Philosophische Ideale und die Antike mit ihren
klaren Formen sind nun Vorbild in allen Bereichen.

Als Franzosenzeit wurde – vor allem in der deutschsprachigen Literatur des 19. Jahrhunderts – die Epoche der französischen Herrschaft über große Teile Europas zwischen 1792 und 1815 (Napoleonische Kriege) bezeichnet. Sie wurde oft mit der Regierungszeit Napoleon Bonapartes gleichgesetzt und meinte insbesondere die Zeit der französischen Besatzung großer Teile des damaligen Deutschland, ihrer direkten Zugehörigkeit zum französischen Kaiserreich oder zu napoleonischen Vasallenstaaten wie dem Königreich Westphalen. Die Franzosenzeit endete mit Napoleons militärischer Niederlage in der Schlacht bei Waterloo 1815.



MODE:

 

Obwohl sich die Rolle der Frau an dem, was man unter Antike verstand,
orientiert, Frauen auch in philosophischen Zirkeln mitdebattieren,
sollen sie doch auf der anderen Seite weiterhin zarte und sanfte Wesen
sein- und weiblich, weiblich, weiblich.

Die zeitliche Einordnung des Empire, bzw. des englischen ****Regency,
liegt relativ eng in den Jahren zwischen 1795 und 1820, wobei sich das
Regency im Großen und Ganzen, wie auch in den Jahrhunderten zuvor, durch
größere Vernunft bei Schnitten und Stoffen auszeichnet. Die Kleidung des
Empire kopiert in weiten Grenzen ebenfalls die antiken Vorbilder – oder
das, was man dafür hielt. Grundlage ist immer das weich fließende, hoch
gegürtete weiße Chemisenkleid aus feinster und dünnster Seide oder
indischem Baumwoll-Mousseline. Es umspielt den Körper bei jeder Bewegung
und stellt auf diese Weise durch den Gegensatz aus scheinbar strengem
Schnitt und scheinbar unschuldigem Weiß die nahezu erotischste
Kleiderform der gesamten Modegeschichte dar. Die Schuhe dazu bestehen
aus einer hauchdünnen Ledersohle und sind mit Bändern das Bein hinauf
geschnürt – wieder ganz nach antikem Vorbild.

Vorreiter bei dieser Mode sind (natürlich) die Französinnen, bei denen
es Wettbewerbe um das leichteste Kleid gab (die Kleider wurden
tatsächlich ausgewogen). Man trug als Unterwäsche lediglich ein
hautfarbenes Trikot, und es sind entrüstete Berichte biederer deutscher
Frauen berichtet, in denen die „nackte Mode“ im Sündenbabel Paris
gebrandmarkt wird. Die Kehrseite der Medaille sind reihenweise schwer
unterkühlte bzw. an Erkältungskrankheiten gestorbene junge Frauen, die
auch im Winter nicht mehr als ein Umschlagtuch über diesen hauchzarten
Kreationen trugen, und die in den eiskalten, nahezu unbeheizten
Schlössern ausharrten – und das nicht nur in Frankreich, sondern auch im
von Frankreich geprägten Petersburg. Neuere Forschungen haben ergeben,
dass ein guter Teil der „Schwindsüchtigen“ der damaligen Zeit (die man
bislang als Tuberkulosetote interpretierte) ganz einfach den Kälte – und
Grippetod erlitten. Bezeichnenderweise trugen alle diese Erkrankungen
den summarischen Namen „Musselinkrankheit“ nach dem hauchdünnen
Baumwollstoff, aus der die Kleider bevorzugt zu sein hatten. Zum Hof
wird die Chemise mit einer mehr oder weniger langen Schleppe ergänzt,
die reich bestickt ist, und ein zeremonielleres, „angezogeneres“
Kleidungsstück darstellt. Die Länge der Schleppe von Courschleppe und
Chemise ist streng reglementiert. Sie hängt vom Status ihrer Trägerin
ab, und geht durchaus bis hin zu vier Metern. Es ist leicht vorstellbar,
wie schwierig es war, eine Viermeterbahn hauchzarter Seide durch einen
mit Möbeln und Menschen bestückten Raum zu lotsen (von denen der
weibliche Teil ja ebenfalls Schleppe trug), ohne wesentliche Teile des
Mobiliars umzureißen, oder sich mit einer der anderen Damen zu
verheddern.

Anmut und Grazie waren jedoch ein derart wesentlicher Teil des
weiblichen Lebens, dass in vielen langen Stunden derartige Unterfangen
ausgiebig geübt wurden. Genauso geübt wurde übrigens das malerische
in-Ohnmacht-sinken, eine Tat, bei der die Schleppe auch noch gefällig um
den scheinbar leblosen Körper drapiert werden musste.

Die Männerkleidung im Empire erfährt nur einen erheblichen Bruch: Die
Kniehosen werden zugunsten der „Sansculottes“, der langen Hosen
aufgegeben. Ansonsten wird sie lediglich weniger farbenprächtig als im
Rokoko, und Farben und Schnitte ähneln schon sehr der heutigen
Herrenmode.

In Anlehnung an die weißen Statuen wurde Weiß eine der beliebtesten
Farben; extrem hohe Taillen und schmale Silhouetten zeichneten ansonsten
das Bild der typischen Empiregarderobe einer modischen Dame aus. Herren
trugen ebenfalls Fräcke mit hoher Taille.

TÄNZE:

Die Tänze des 19. Jahrhunderts sind nicht mehr kunstvoll, nicht mehr
raffiniert. Sie sind ausgelassen und wild. Außerdem führte der Mangel an
Herren, der infolge der napoleonischen Kriege an den Höfen herrschte,
dazu, dass Choreografien bevorzugt wurden, in denen ein Herr mit zwei
Damen tanzte, so z. B. die Douze, ein Gruppentanz für vier Herren und
acht Damen, oder der Trioletwalzer, dessen „Paare“ aus jeweils einem
Herrn und zwei Damen bestehen. Unter den Tänzen wurde besonders der
Ländler beliebt, der Dreher oder Deutscher sind der gleiche Tanz. Er ist
langsamer als der Walzer und das Paar dreht ständig, aber ohne enge
Paarfassung.

Das Entsetzen über Walzer, die Sorge vor allem um das Wohl der Mädchen
und unterschiedliche Begründungen finden sich in vielen Schriften der
Zeit. Warum die Angst? Es wurde ausschließlich 800 Jahre lang offen
getanzt und nun kommt der Walzer mit einer engen Paarfassung und seinen
raschen Drehbewegungen. Die zündende Kraft der Musik von Johann Strauss
und Weber, Chopin und vielen anderen Komponisten machten ihn so populär
und beliebt. Er war ein Bürgertanz und löste am Hof Empörung aus. 1793
tanzten ihn bei ihrer Doppelhochzeit die spätere Königin Luise und ihre
Schwester. Auf dem Wiener Kongress lockerten sich dann die Sitten mit
Rücksicht auf die ausländischen Gäste. Der Kongress tanzt – natürlich
Walzer. Aber es gab immer noch Ausnahmen. Der Walzer galt nicht überall
als hoffähig.

Englisch – Tanzen war der Oberbegriff für alle Contretänze. Ein
bekannter Englischer ist die Quadrille und eine Sonderstellung nimmt die
Cotillon ein, die gerne ein Fest beschließt.

Das Tanzfest eröffnet eine Polonaise. Der Tanz wurde schon im Barock
getanzt. Wegen seines kriegerischen Ausdrucks mit stampfen und
Stechschritten passte er vom Charakter nicht in diese Zeit. Erst wieder
im 19.Jahrhundert, als berühmte Polonaisen komponiert wurden hielt sie
wieder Einzug.

Die Mazurka wurde zu einem Gesellschaftstanz. Sie war ein polnischer
Nationaltanz. Ein so genannter Stiefeltanz mit Hackenknallen.

Ein böhmischer Nationaltanz ist die Polka. Auch sie wurde bekannter als
sich ihr namhafte Komponisten annahmen. Ein bekannter Wechselschritt mit
Nachhüpfer, herausstrecken der Hacken mit einem überkreuzen der
Fußspitze und einem Mitwiegen des Oberkörpers zur jeweiligen Seite.

Zum Schluss der Galopp. Wer ihn tanzte kam so aßer Atem, dass er eine
Pause einlegen musste. Er wurde in einfachen Anstellschritten durch den
Saal oder auch an seiner Peripherier entlang getanzt

Im 19. Jahrhundert tanzt der Adel wie das Volk. Freiheit, Gleichheit,
Brüderlichkeit.