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3. Advent

Schon lange stehe ich auf dem Dachboden. Meine Kufen sind vom Rost überzogen und in meinem Holz sieht man so manche Macke, die von einer unsanften Landung herführt.
Dabei erinnere ich mich noch daran als ich gekauft wurde. Ich war in dem Geschäft der letzte meiner Sorte. Die anderen Schlitten waren aus Plastik und es gab sie in rot, blau und grün zu kaufen.
Ein kleines Mädchen mit blauen Augen und goldbraunen Locken sah mich mit strahlenden Augen an. “Papa, ich möchten diesen wunderschönen Holzschlitten haben.” Ich fühlte mich sehr geschmeichelt . Und natürlich kaufte der Papa seinem Töchterchen den Holzschlitten.

Wir hatten sehr viel Spaß miteinander. Ich liebte es wenn sie auf mir saß und jauchzend, mit vor Aufregung roten Wangen, mit mir den Hügel hinabsauste. Ich brachte sie immer sicher an ihr Ziel.
Sie wurde älter und wir fuhren nur noch selten die Wiesen und Hügel hinunter. Meistens war es jetzt dunkel und mit ihren Freundinnen und Freunden fuhren wir gefährlich, vereiste Bahnen. Dabei banden sie uns Schlitten aneinander. So fuhren wir an einer Kette abwärts. Zwischen den Bäumen,mit iHöllentempo ging es die Eisbahnen hinunter. Mir war dabei immer ganz schön mulmig, aber ich brachte meinen Schützling immer sicher an sein Ziel.

Einige Zeit ist seit damals vergangen und sie hat geheiratet. Ich stehe jetzt auf dem Dachboden und habe schon lange keinen Schnee mehr gesehen, kein Kinderlachen mehr gehört. Wie ich das vermisse.
Besonders an so Tagen wie heute. Durch das Dachfenster sehe ich dicke Schneeflocken vom Himmel fallen. Ich seufze tief und ich höre mein Holz so vor sich hin knacken.
Plötzlich höre ich Stimmen: “Mein alter Schlitten steht noch oben auf dem Dachboden. Wir holen ihn herunter, dann können wir Schlitten fahren gehen.” Gesagt, getan. Ich stehe vor der Haustür und werde tüchtig abgerieben. Das tut gut. Ich merke wie immer mehr Leben in meine alten Holzfasern zurückkehrt. Schnell noch eine neue Schnur und es kann los gehen.

Schneeflocken fallen vom Himmel herab und es liegt genug Schnee um auf ihm sanft dahinzugleiten.
Sie hat immer noch die golbraunen Locken und die wunderschönen blauen Augen. Aber das kann doch nicht sein. Sie sieht immer noch aus wie das kleine Mädchen, dass mich vor Jahren kaufte.
“Mama, kommst du?” Es war also ihre Tochter.
Wie in alten Zeiten sausen wir die schneebedeckten Hügel hinab. Ich gebe mein Bestes. Schnell und sicher bringe ich sie an ihr Ziel. Immer und immer wieder. Ich höre das Jauchzen der Beiden und das glockenhelle Lachen, dass ich so lange vermisst habe.

Wir genießen diesen Tag, den 3. Advent und ich bin mir sicher, dass wir noch in Zukunft, viele solcher glücklichen Tage zusammen verbringen werden.

Sabine Stern