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4. Advent

Im Himmel herrschte reges Treiben, stand doch Weihnachten vor der Tür. Wünsche hier, Wünsche da. Jedes Menschenkind sollte zufriedengestellt werden.
Nur Felix saß auf seiner Wolke Nr. 22 und langweilte sich fürchterlich. Er hatte sich dieses Jahr erhofft, endlich ein Weihnachtsengel zu werden, wartet er doch schon so lange auf diese Arbeit. Bis jetzt hat ihn aber der Personalchef „Weihnachtsmann“ noch nicht zu sich gerufen. Einen Job bei dem Weihnachtszustelldienst zu bekommen, war langwierig und fast aussichtslos. Felix hatte sich zwar mit eingehendem Bewerbertraining in der Engelschule darauf vorbereitet, aber die Warteliste war lang.

„Felix von Wolke 22, bitte zum Weihnachtsmann“ ertönte es aus den himmlischen Lautsprechern. Hurtig macht sich Felix auf den Weg. Nun steht er mit klopfendem Herzen vor der großen Tür. „Komm nur herein“ hört er den Weihnachtsmann mit seiner tiefen, sonoren Stimme sagen. Schon öffnet er die Tür und Felix sieht ihn an seinem Schreibtisch sitzen. „Du bist dran, Felix. Ich habe einen besonderen Auftrag für dich. Flieg zu Marie. Was Marie sich wünscht, konnte bisher nicht festgestellt werden. Kläre das ab, frag sie selbst und trödle nicht rum. Morgen ist Weihnachten“, brummte der Weihnachtsmann gestresst in seinen weißen Bart.
„Wo soll ich denn hinfliegen, wie finde ich Marie?“, fragte Felix mit vor Aufregung zitternder Stimme. „Komm mit mir, sagte das Christkind, ich gebe dir einen Erdenplan. Dort habe ich dir das Haus angekreuzt, indem Marie wohnt“.

Als Felix bei Marie ankommt, sitzt sie am Bett ihrer Mami, die ihn mit fiebrigen Augen ansieht. „Marie, was kann ich für dich tun? Eine Barbiepuppe, eine Wii oder ein Handy?“ Marie sieht ihn mit großen Augen an. „Ich warte schon ein paar Tage auf dich. Ich habe jeden Tag gebetet, dass du vorbeikommst, aber nichts ist passiert.“ Felix murmelt etwas verlegen was von Hauptsaison, Verwaltungskram und Weihnachtsstress.

„Aber jetzt bist du ja da“, sagte Marie mit strahlenden Augen. „Bitte, bitte erfülle mir meinen Wunsch und mache meine Mami wieder gesund, damit wir zusammen Weihnachten feiern können. Sie ist doch schon seit ein paar Tagen so erkältet und fiebrig und es geht ihr gar nicht gut.“ Dabei schaut sie Felix flehend an.
Er lächelt und streichelt Marie über das Haar. „Dann wollen wir mal ganz schnell deine Mami gesund machen.“ Er legt seine Hände auf Kopf und Stirn der Mutter und lässt deren heilende Wirkung strömen. Auch fühlt er die Liebe von Maries kleinem Herzen und gab auch dieses weiter. „Vielen Dank“ flüsterte die Mutter schwach und leise. Ihre Stirn war schon wesentlich kühler. „Vielen Dank“, sagt Marie und legt den Kopf auf die Brust der Mutter, deren Hand Marie sanft liebkoste.

„Weihnachten, das Fest der Liebe existiert doch noch für einige Menschen und ich bin ein Teil davon, ein richtiger Weihnachtsengel“, freut sich Felix und wischt sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. Dann zwinkert er Marie zu und legt ihr noch eine Barbiepuppe in den Arm, bevor er sich wieder auf den Heimweg macht.

Sabine Stern

3. Advent

Schon lange stehe ich auf dem Dachboden. Meine Kufen sind vom Rost überzogen und in meinem Holz sieht man so manche Macke, die von einer unsanften Landung herführt.
Dabei erinnere ich mich noch daran als ich gekauft wurde. Ich war in dem Geschäft der letzte meiner Sorte. Die anderen Schlitten waren aus Plastik und es gab sie in rot, blau und grün zu kaufen.
Ein kleines Mädchen mit blauen Augen und goldbraunen Locken sah mich mit strahlenden Augen an. “Papa, ich möchten diesen wunderschönen Holzschlitten haben.” Ich fühlte mich sehr geschmeichelt . Und natürlich kaufte der Papa seinem Töchterchen den Holzschlitten.

Wir hatten sehr viel Spaß miteinander. Ich liebte es wenn sie auf mir saß und jauchzend, mit vor Aufregung roten Wangen, mit mir den Hügel hinabsauste. Ich brachte sie immer sicher an ihr Ziel.
Sie wurde älter und wir fuhren nur noch selten die Wiesen und Hügel hinunter. Meistens war es jetzt dunkel und mit ihren Freundinnen und Freunden fuhren wir gefährlich, vereiste Bahnen. Dabei banden sie uns Schlitten aneinander. So fuhren wir an einer Kette abwärts. Zwischen den Bäumen,mit iHöllentempo ging es die Eisbahnen hinunter. Mir war dabei immer ganz schön mulmig, aber ich brachte meinen Schützling immer sicher an sein Ziel.

Einige Zeit ist seit damals vergangen und sie hat geheiratet. Ich stehe jetzt auf dem Dachboden und habe schon lange keinen Schnee mehr gesehen, kein Kinderlachen mehr gehört. Wie ich das vermisse.
Besonders an so Tagen wie heute. Durch das Dachfenster sehe ich dicke Schneeflocken vom Himmel fallen. Ich seufze tief und ich höre mein Holz so vor sich hin knacken.
Plötzlich höre ich Stimmen: “Mein alter Schlitten steht noch oben auf dem Dachboden. Wir holen ihn herunter, dann können wir Schlitten fahren gehen.” Gesagt, getan. Ich stehe vor der Haustür und werde tüchtig abgerieben. Das tut gut. Ich merke wie immer mehr Leben in meine alten Holzfasern zurückkehrt. Schnell noch eine neue Schnur und es kann los gehen.

Schneeflocken fallen vom Himmel herab und es liegt genug Schnee um auf ihm sanft dahinzugleiten.
Sie hat immer noch die golbraunen Locken und die wunderschönen blauen Augen. Aber das kann doch nicht sein. Sie sieht immer noch aus wie das kleine Mädchen, dass mich vor Jahren kaufte.
“Mama, kommst du?” Es war also ihre Tochter.
Wie in alten Zeiten sausen wir die schneebedeckten Hügel hinab. Ich gebe mein Bestes. Schnell und sicher bringe ich sie an ihr Ziel. Immer und immer wieder. Ich höre das Jauchzen der Beiden und das glockenhelle Lachen, dass ich so lange vermisst habe.

Wir genießen diesen Tag, den 3. Advent und ich bin mir sicher, dass wir noch in Zukunft, viele solcher glücklichen Tage zusammen verbringen werden.

Sabine Stern

2. Advent

Ich lebe mit meinen Geschwister in einer Wolke. Mein Name ist Molly und ich bin ein kleiner Wassertropfen.
In unserer weichen und angenehmen Winterwolke wurde es in der letzten Tagen immer kühler. Das bedeutet, wenn wir jetzt mit einem Staubkorn in Berührung kommen, kristallisieren wir zu Eis und machen uns dann auf den Weg zur Erde.
Jeder Kristall von uns sieht anders aus. Unser Aussehen hängt von der Temperatur und dem Wassergehalt der Luft ab. Wenn wir uns dann einige hunder Meter vom Erboden befinden weht uns der Wind durcheinander. Durch die Strahlen, die sich an uns durch das Eis gebildet haben, verhaken wir uns ineinander und frieren aneinander fest. So kommen wir dann als Schneeflocke auf der Erde an.

Die meisten Geschwister von mir haben schon ein Staubkorn oder eine Bakterie gefunden. Nur mich wollte bis jetzt noch niemand haben.

Ich schauckelte gerade vor mich hin, als ich eine Stimme hörte: “Pssssst, hier bin ich.” Ich drehte sich nach rechts und links, aber ich konnte nichts sehen. “Hinter dir!” Ich drehte mich um und staunte nicht schlecht. Ein kleines, rötliches Staubkorn zwinkerte mir zu. ” Ich heiße Alex und bin ein Ziegelsteinstaubkorn und suche eine Partnerin auf dem abenteuerlichen Weg zur Erde.”

Ich bin hin und weg. Bei den Menschen nennt man das “Liebe auf den ersten Blick”, habe ich gehört.

Alex schwebte auf mich zu und ich kuschele mich eng an ihn. Ach, ist das schön. Zusammen fliegen wir eng umschlungen Richtung Erde.

Unterwegs treffen wir nach und nach meine Geschwister mit ihren Gefährten und verhaken uns dann mit ihnen. Wir sind eins. Wir kommen pünktlich zum 2. Advent auf die Erde und sind eine schöne Schneeflocke geworden.

Sabine Stern

Herzlich Willkommen Shirley

Seit 4 Wochen bist du nun bei uns Zuhause kleine Shirley. Du bist ein Havaneser/Lahsa Apso Mischling und so lieb, Wir alle lieben dich. Vor allem deine Tessa.

Seit 11 Jahren lebt Tessa, unsere Yorkihündin, bei uns. Wir hätten nicht gedacht, daß sie dich so schnell annimmt. Aber mit deinem Charme und deinem lieben Wesen hast du sie für dich gewonnen.

Bei Lilli. unserer Biewer-Pflegehündin, dauert es etwas länger. Aber seit Neuestem spielt ihr schon sehr schön miteinander und der Rest, wie kuscheln, wird auch noch.

Herrchen und Frauchen bewegen sich auch viel mehr beim Gassi gehen. Das tut ihnen gut.

Alle sind glücklich mit dir. Danke, süßer Schatz.

 

 

        

Darf ich bitten

Es ist schon fast 9 Uhr. Jetzt aber hurtig.

Drei neue Tänze habe ich vorbereitet und ein paar werden wir
wiederholen. Schnell die Treppe hinauf und in den kleinen Saal.

Dreierschritt, Walzerschritt, Pendelschritt, Kolofassung im Frontkreis –
das ist der Trias schwirrt es mir im Kopf herum. Leise summe ich die
Melodie vor mich hin.

Frau Böhlke hat schon einige Stühle aufgestellt. Wie früher in der
Tanzstunde. Eine Reihe am Fenster und gegenüber auf der anderen
Saalseite die andere Reihe.

Und schon kommen sie – meine Tanzmädels. Pünktlich wie immer und schick
sehen sie wieder aus.

Heute sind es 20 tanzfreudige Seniorinnen, die mich erwartungsvoll
anschauen. Erstmal ein Geburtstagsständchen für Frau Elstner, die am
Montag ihren 78 Geburtstag feierte. Sie verteilt an alle etwas Süsses.
Das ist so Brauch an Geburtstagen.

Karle, die Schlossmaus habe ich heute als Geschichte zum vorlesen und
zur Einstimmung gewählt.

Und dann tanzen wir: Langsamen Walzer, internationale Volkstänzen und
alte Deutsche Tänze.

Zum Schluss gleite ich mit Frau Schütz, einer rüstigen 90 Jährigen, zu
einem Walzer übers Parkett.

Die Zeit ist wie im Fluge vergangen und es war wieder wunderschön.

Danke meine werten Damen.

Seit 1 1/2 Jahren gebe ich nun Tanzen im Sitzen im Seniorenheim ehrenamtlich. Ich stimme die Choreografien auf die teilnehmeden Senioren ab. Nach einem halben Jahr haben wir noch einen neuen Kurs dazugenommen, der für nicht ganz so Rüstige ist. Mittlerweile setzen wir die Standardtänze um, unterhaltssame Bewegungsgeschichten. machen Yoga. versuchen uns im orientalischen Tanz und entspannen zu Autogenem Training und Muskelentspannung nach Jacobsen.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich den Damen und Herren soviel Freude mit meinen Choreographien machen kann. für mich selber ist es eine wunderbare Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte.

 

 

 

 

Ich liebe sie

Verschlafen – das fängt ja schon gut an.

Schnell aus den Feder und ab unter die Dusche. Brrrrrrrrrrrr eiskalt.
Hab wieder nicht dran gedacht, dass sich das Wasser erst erwärmen muss.
Jetzt fällt mir auch noch das Shampoo runter und knirsch – ich bücke
mich und komme nicht mehr hoch. Das hat mir gerade noch gefehlt. Ich
bewege mich wie Quasimodo und bin steif wie ein Brett. Da muss ich
durch.

In zwei Stunden ist ein wichtiger Kundentermin bei einem mir noch nicht
bekannten Kunden. Also mit Termin verschieben ist da nix und mein
Kollege kann nicht einspringen.

Und da sehe ich sie. Ganz verschlafen steht sie in der Tür. Sie strahlt
mich an und zaubert mir sofort ein Lächeln in das Gesicht. Sie kommt auf
mich zu und ich halte den Atem an.

Ihre raue Zunge spüre ich an meinem Knöchel. Das kitzelt und ich mache
einen kleinen, ungeschickten Sprung auf die Seite und knartsch – ich
kann mich wieder bewegen.

Sie ist eine Zauberin, aber das weiß ich schon lange. Ich liebe sie,
mein kleines, süßes Hundemädchen.

 

Die Steinmännchen


Ich freue mich jedesmal , wenn ich auf ein Steinmännchen treffe.
Man trifft sie überall. Einige von ihnen erfüllen die Funktion einer
Wegmakierung.
Sie wachsen, indem Menschen immer wieder Steine aufeinander legen. Sie
sehen aus wie Türmchen.
Auch am Wasser findet man sie. Dort weisen sie auf eventuelle Gefahren
hin.
Ihre Bedeutung ist kulturell und auch religiös.
In Skandinavien schützen sie die Wanderer vor Trollen, die gerne Fremde
mit ihren Streichen ärgern.        Die Steinmännchen  in Tibet sind mit
allerlei geeschmückt. Es zieren sie Fahnen, Tierskeletten und bunte
Farben. Damit sollen entweder gute Geister gewürdigt werden oder den
bösen Geistern  wird auf diese Weise gezeigt, dass sie unerwünscht sind.
Pilger und Touristen glauben an die magischen Kräfte der Steinmännchen.
Diejenenigen, die sie als Wegmakierung hinterlassen haben, sollen
hierhere gesund und munter hierher zurückkehren.
Da wir sehr gerne wandern wird es nicht lange dauern, bis ich wieder
einen Stein auf so ein Männchen setzen darf. Ich freu mich schon ;-)

 

Wer ist Clementinchen?


Ich mache die Augen auf und schließe sie gleich wieder. Als hätte ich die ganze Nacht in einem Steinbruch gearbeitet und schwere Steine geschleppt. Mein Kopf tut weh und meine Glieder schmerzen fürchterlich.
Klingelingeling.
Noch 5 Minuten nuschle ich so halbwach vor mich hin.
Klingelingeling, das ist doch nicht mein Wecker. Es hört sich viel zarter und heller an. Ich versuche nochmal mein linkes Auge zu öffnen, es klappt und bleibt offen und nun probiere ich es mit meinem rechten Auge. Auch dieser Versuch klappt.
Klingelingeling. Ich sehe nichts. Woher kommt nur dieses Klingelingeling?
„Hier bin ich.“
Ich höre ein feines, aber klares Stimmchen.
Jetzt ist es soweit, jetzt höre ich auch schon Stimmen. In den letzten Wochen habe ich zwar mehr als sonst gearbeitet, aber hört man deswegen gleich fremde Stimmen?
Ganz vorsichtig drehe ich meinen Kopf und schaue suchend durch das Zimmer.
Nichts, ich sehe nichts. Mir ist ganz unheimlich.
„Schau doch mal auf das Kissen neben dir, da bin ich.“
Ich traue meinen Augen nicht. Auf meinem Kissen sitzt ein kleines, vielleicht zwanzig Zentimeter großes, süsses, entzückendes, türkisfarbenes Mädchen mit durchsichtigen, feinen Flügeln.
„Du siehst schon richtig. Ich bin Clementinchen, deine Glücksfee. Ich wollte dich besuchen.
Wir Glücksfeen im Regenbogenland haben uns Sorgen um dich gemacht. Du hast in letzter Zeit viel gearbeitet und nicht viel Spass und Freude gehabt. Wir vermissen das Funkeln in deinen Augen und dein warmes, so ansteckendes Lachen.
Deswegen habe ich meine Farbpalette mitgebracht. Ein bisschen Farbe wirkt oft Wunder.
türkisgrün für deine wunderschönen Augen und ein zartes pink auf deine vollen Lippen. Das gefällt mir. Noch ein bisschen pfirsichfarben auf deine Wangen und ein Klecks samtbraun auf deine Haut. Voila, fertig. Ja, das bist wieder du.“ Clementinchen klatscht in ihre Händchen und schwirrt begeistert um mich herum.
RRRRRRRRrrrrrring. Das klingt ja grausam. Mein Wecker klingelt.
Clementinchen? Wo bist du? Sollte ich das nur geträumt haben. Kein Clementinchen.
Ich schaue aus dem Fenster. Die Sonne ist schon zu sehen und die Luft riecht herrlich. Was für ein schöner Tag.
Als ich vor dem Spiegel stehe und mein Blick auf die Lidschattenpalette fällt, lächle ich. „Ein bisschen türkisgrün für deine …“.

Danke Clementinchen.

 

Wie es euch gefällt

Eines Abends im Sommer wird zu Ehren des Prinzen Carl ein Fest gefeiert. Gäste von nah und fern werden erwartet.

Kutschen mit prächtigen Pferdegespannen fahren im Schlosshof vor. Damen in seidenen, reich bestickten Kleidern und Herren mit goldenen Borten und glitzernden Orden an ihren Gilets, werden von Lakaien über die große Treppe, in den Marmorsaal geleitet.

Im Schein von tausend Kerzen, die sich in den vielen Spiegeln wieder reflektieren, sieht man die hohen Herrschaften flanieren.

Es wird zu Tisch gebeten. Erlesene Speisen und Weine werden an der Tafel von einer viel zahl Diener serviert. Im Hintergrund erklingen zauberhafte Klänge eines Blockflötenquartetts.

Nachdem die Tafel durch den Prinzen aufgehoben wird, begibt man sich in das Schlosstheater. Im Theater wird ein neues Stück aufgeführt, an dem der Prinz selber mitwirkt, umringt von Schönen in Schäferinnenkostümen.

An verschiedenen Stellen im Park wurden kleine Bühnen errichtet. Auf der kleinen Seebühne spielen italienische Komödianten, Artisten bezaubern hier und da mit ihren Kunststücken, und so manch Sonderbares oder Kurioses sieht man in der großen Allee beim kleinen See.

Aus einer Ecke hört man Schwerter klingen und aus einer anderen sieht man Falken wie Pfeile durch die Luft schießen um ihre Opfer zu schlagen.

Imposant sind auch die Wasserspiele, Wassertropfen – die sich tänzelnd nach einer Melodie bewegen. Und bei dem großen Feuerwerk sieht der Himmel wie eine Farbpalette aus, den Pinsel eingetaucht in Farben um Formen zu kreieren. Nebel und Schwefelgeruch hängt in der Luft. Die Morgendämmerung steigt auf und ein neuer Tag beginnt.

Jeder findet Das zur Zerstreuung, was ihm gefällt.

 Sabine Stern

Der Kavalier

n der engen Gasse war es dunkel. Im Schatten des schmalen Palazzo mit den gotischen Fenstern steht regungslos eine vermummte Gestalt.

War es Mann? War es Frau? War es Edelmann oder Bauer?

Von den Schultern fällt ein schwarzer Tabarro bis auf den Boden. Auf dem Kopf trägt die Gestalt einen schwarzen, mit Marabufedern verzierten Tricorno. Darunter ist eine spitzenbesetzte Seidenkaputze, die eine weißgrundige Maske, eine Bauta, hält. Aus den schmalen Augenschlitzen der Maske blitzt das weiß der Sclera. Auch das Azurblau der Augen kann man erkennen.

An dem Ringfinger steckt ein wunderschöner filigraner Ring mit einem blutroten, großen, in Krallen gefassten Stein mit einem Wappen. So ein wunderschön gearbeites Stück kann nur einem edlen Herrn gehören.

Er dreht sich schnell und gewandt um und geht zu dem Kanal. Eine rote langstielige Rose befindet sich in der Hand.

Seine Statur ist groß und kräftig. Der Mantel öffnet sich ein wenig, eine cremefarbene Spitzenmanschette schaut unter dem rotbestickte Ärmel des Justaucorps hevor.

Gerade biegt eine Gondel in den Kanal. Die schwarze, überdachte Gondel nähert sich und legt an. 

Der Kavalier steigt ein. 

Eine zierliche Hand mit seidenen Handschuhen öffnet den Vorhang des Sitzplatzes und greift nach der Rose. Der Kavalier küsst die Hand und beide entschwinden hinter dem roten Samtvorhang.

Die Gondel gleitet davon und verschwindet hinter der Biegung des Kanals in Richtung Giudecca.

Sabine Stern