Tag 7: Fantasiereisen
Anna setzt Wasser für einen Tee auf.
„Du wolltest mir doch noch etwas über die Verbindung von Autogenem Training und Progressiver Muskelrelaxation und einer Reise durch den Körper erzählen!"
„Wenn man Übungen der Progressiven Muskelrelaxation vor den Übungen des Autogenen Trainings einflechtet, erfährt man eine noch intensivere Entspannung. Und wenn man eine kleine Fantasiereise vor den Übungen erzählt, wird die Entspannung zu einem wunderbares Erlebnis."
„Was ist denn eine Fantasiereise?"
„Fantasiereisen sind eine spezielle Form von Denken in Bildern. In der Stadt Ment wirst du mehr dazu erfahren. Man sollte bei der Wahl der Bilder einen gern besuchten Ort oder eine angenehme Situation, wie zum Beispiel ein Spaziergang über eine Wiese oder durch einen Wald, das Baden in einem See oder dem Meer auswählen. Kläre aber erst ab, ob bei dem Trainierenden eine Allergie vorliegt, die durch Gräser oder Blüher ausgelöst wird. Wenn ja, dann solltest du vielleicht nur eine Reise durch den Körper durchführen."
Ich höre Anna erstaunt zu und lasse ihre Worte auf mich wirken.
„Ich kann mir diese Verknüpfungen gut vorstellen, aber wie funktioniert eine Fantasiereise?"
Man reist in der Fantasie zu beliebigen Orten und kann auch ganze Geschichten durchleben. Es werden vom Erzählenden Erlebnismöglichkeiten beschrieben, an denen der Zuhörer teilnehmen kann."
Ich verstehe. Das ist so, als wenn ich mir an einem Regentag vorstelle, dass ich in einem Liegestuhl am Strand liege, die Sonnenstrahlen die Haut liebkosen und ich das Meer rauschen hore."
„Genauso ist es", sagt Anne lächelnd zu mir. „Du hast Fantasie und kannst deine Visualisierung umsetzen."
Ich frage Anna, ob ich ihr eine Trainingseinheit geben darf.
Aber gerne. Lass mich nur kurz ein paar dicke Wollsocken holen und dann mache ich es mir vor dem Kamin gemütlich
Ich schließe für ein paar Minuten die Augen und atme ein paarmal tief ein und aus. Ich merke wie sich Ruhe und wohlige Wärme in meinem Körper ausbreiten.
Ich habe mir auch eine schöne Fantasiereise ausgedacht und freue mich schon darauf sie Anne zu erzählen.
Liebe Anne, suche dir nun einen bequemen Platz und setze oder lege dich bequem hin. Damit es dir nicht kalt wird, wickle dich in eine Decke.
Ich möchte mit dir in einem Wald spazieren gehen. Hast du irgendwelche Allergien? Nein? Gut. SchlieBe deine Augen und stelle dich ganz auf Ruhe und Entspannung ein.
Stelle dir vor, dass du einen wunderschönen Waldweg entlang gehst. Je weiter du auf diesem Weg
vorankommst, desto entspannter und ausgeglichener fühlst du dich. Fühle und spüre die Vertrautheit der Natur. Rieche den Duft und nehme das beruhigende Grün der Bäume wahr. Die wärmenden, goldenen Sonnenstrahlen blinzeln zwischen den Bäumen durch. Genieße es hier zu sein.
Du siehst vor dir eine kleine Lichtung. Du machst es dir auf dem weichen, wundervoll frischen, grünen Gras bequem. Balle die rechte Hand zu einer Faust und lege sie gegen die Brust. Drücke den rechten Ellenbogen gegen deine Flanke und nehme die Spannung auf. In Faust, Ellenbogen, Unter-und Oberarm und in der Schulter, ja selbst im oberen Rücken und im Brustkorb ist die Spannung zu spüren.
Atme ruhig und gleichmäßig weiter.
Entspanne den rechten Arm wieder. Lasse ihn in eine bequeme Haltung auf deinen Schoss sinken und spüre der Entspannung nach. Wohlige Wärme breitet sich in der Hand, im Arm und hoch bis zur Schulter aus. Wiederhole die Übung noch einmal.
Nun ballst du die linke Hand zu einer Faust und legst sie gegen die Brust. Drücke den linken Ellenbogen fest gegen die linke Seite und spüre der Spannung nach. In der Faust, im Unter- und Oberarm bis in die Schultern, den oberen Rücken und den Brustkorb. Atme ruhig weiter. Entspanne wieder.
Lasse den Arm sinken und spüre auch hier die angenehme Wärme, die von der Hand durch den gesamten Arm bis in die Schulter, den Rücken und den Brustkorb fließt. Wiederhole die Übung. Nehme den Unterschied zwischen Anspannung und Entspannung auf. Spüre die Wärme, die durch Hande, Arme bis in Schulter, Rücken und Brustkorb stromt und entspanne dich mehr und mehr.
Stelle deine Beine dicht nebeneinander. Belaste die Ferse und strecke die Zehen nach oben und drücke die Beine gegeneinander. Nehme die Spannung wahr. In den Oberschenkeln, den Waden, bis hoch ins Gesäß. Entspanne die Beine wieder. Wiederhole die Übung, aber strecke deine Fußspitzen nach oben. Und entspanne wieder.
Die Beine sind locker und du entspannst auch die Füsse. Du spürst der Entspannung nach. Breite nun deine Arme weit aus und führe sie nach hinten. Hole tief Luft. Wölbe dabei deinen Brustkorb nach vorne. Langsam und gleichmäßig atmest du weiter. Spüre die Spannung im Nacken, in den Schultern und im Rücken. Entspanne dich wieder.
Führe die Arme wieder nach vorne und lege die Hän-de in den Schoß. Ein angenehmes Prickeln spürst du in deinem Nacken und den Schultern. Wiederhole diese Übung noch einmal. Atme tief aus und ziehe die Bauchdecke nach innen, als wollte die Bauchdecke die Wirbelsäule pressen und die Wirbelsäule sich gegen eine Stuhllehne pressen. Halte die Spannung. Dann entspanne den Bauch. Lasse den Bauch ganz locker. Atme wieder ruhig und gleichmäßig. Die Übung wiederhole noch einmal.
Entspanne auch dein Gesicht. Lasse es ganz weich werden und lächle. Lächeln stimmt fröhlich und entspannt.
Sage zu dir: Ich bin nun vollkommen ruhig und gelassen. Meine Arme und Beine sind angenehm schwer. Ich bin vollkommen ruhig. Meine Arme und Beine sind angenehm warm. Ich spüre die angenehme Schwere, die Wärme und bin ganz ruhig. Mein Puls schlägt gleichmäßig und harmonisch. Ich bin ganz ruhig, ganz schwer und ganz warm. Mein Atem fließt ruhig und gleichmäßig. Ruhe, Schwere, Wärme.
Mein Sonnengeflecht ist strömend warm. Ich bin ganz ruhig. Meine Stirn ist angenehm kühl, mein Kopf ist frei und klar. Ich bin vollkommen ruhig und entspannt.
Entspannt gehst du nun langsam den Waldweg in deinen Gedanken wieder zurück. Leicht und beschwingt, hüpfend, räkelnd und dich streckend. Du fühlst dich wunderbar, gesund und entspannt.
Gespannt warte ich auf das Feedback von Anne. Sie räkelt und streckt sich und schaut mich dann lächelnd an.
„Das hast du toll gemacht. Was ich super fand war, dass du dich nach Allergien erkundigt hast. Das kann sonst unter Umständen sehr gefährlich werden. Ich fühle mich entspannt und ausgeruht. Nun kann ich dir nichts mehr beibringen, aber ich habe noch von anderen Entspannungsmethoden gehört."
Sie gießt uns einen Tee ein.
„Ein paar Tagesreisen weiter liegt das kleine Städtchen Men Dort lebt ein guter Bekannter von mir, in einem kleinen Fachwerkhaus, inmitten des Ortes. Er ist viel in der Welt herum gekommen und hat mir von Entspannungsmethoden aus ferne Ländern erzählt. Er würde sich bestimmt über deinen Besuc freuen."
„Gern würde ich noch mehr über Methoden zur Entspann erfahren. Ich werde gleich morgen früh zu ihm aufbrechen.
🤔🤔🤔
Mein Tagebucheintrag lautet heute:
Man kann Progressive Muskelrelaxation und Auto-genes Training miteinander kombinieren. Mit einer Fantasiereise und dem Durchwandern der Muskel-gruppen runden wir die Entspannung wunderbar intensiv ab.