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Meine September-Geschichte

Ich stehe am Fenster und stelle fest:“ Heute regnet es nur einmal.“ Grau in Grau. Wer braucht diesen hartnäckigen Regen? Ich bestimmt nicht.
Für einen Moment schließe ich die Augen und komme ins träumen. Ein Vogel sollte ich sein, dann könnte ich hinfliegen wohin ich wöllte, denke ich so vor mich hin.


Stimmenwirrwarr. Es sind verschiedene Sprachen, Weiblein und Männlein, die ich da höre. Noch fühle ich mich wie im Nebel, aber langsam wird alles deutlicher.
Das Vaporetto auf dem ich mich befinde, ist brechend voll. Zum Glück ergattere ich an der nächsten Haltestelle einen Sitzplatz im Freien. Ich bin in Venedig.
Sonnenstrahlen spüre ich wie eine Liebkosung auf der Wange. Der Geschmack von Salz macht sich in meinem Mund breit und der Wind streichlt mein Haar.
Mit der Linie 2 fahre ich nach San Marco. Die Nr. 2 fährt schneller und mit weniger Stopps durch den Canal Grande und legt an den Haltestellen Tronchetto, Piazzale Roma, Giudecca, Zattere, S. Giorgio, S. Marco und Lido an. Die Insel Guidecca sehe ich auf der rechten Seite und auf der linken Seite die Haltestelle Zattere. Da möchte ich aussteigen.
Auf dieser Seite von Venedig trifft man weniger Touristen. Hier ist es wunderschön.
Ich höre das schlagen der Wellen gegen die Holzpfähle und das kreischen der Möwen. Irgendwo trällert ein Tenor „Nessun dorma“ aus dem Radio.
Ich brauche nur ein paar Minuten zu der Kirche Angelo Raffaele.
Eine kleine Bar mit ein paar Tischen im Freien ladet zum Verweilen ein. An der Theke bestelle ich mir einen Cappuccino, einen Gingerino vino und ein Tramezzino mit Thunfisch und Ei. Zwei ältere Herr prosten mir mit einem Ombra zu. Ich schenke ihnen mein bezaubendstes Lächeln. Schwupp die wupp steht auch ein Gläschen Roter vor mir. “Salute!”
Draussen sitzt niemand an den kleine Tischen und ich habe freie Auswahl. Ich genieße die Sonne und schaue zwei Frauen zu, die sich eifrig unterhalten. Kinder spielen an einem Brunnen mit dem Wasser und ein kleiner Hund jagt eine Taube.
Hier lässt es sich aushalten.


Irische Volksmusik von „Flogging Molly“ holt mich wieder unsanft zurück. Mein Handy mit meinem neuen Rufton. „Hallo, Sabine S……………..“
Es regnet immer noch. Leider ist diese kleine Traumreise vorbei, aber ich fühle mich frisch und gut.



Carnevale di Venezia

Ich liebe den Venezianischen Carnevale und habe ihn schon oft besucht.

Schon seit dem Mittelalter war der Venezianische Karneval unglaublich prunkvoll und berühmt wegen der Schönheit seiner Maskeraden.

Wegen der einzigartigen Natur der Stadt auf dem Wasser, wurden Umzüge von Gondeln und venezianischen Prunkgondeln durchgeführt. Jeder Winkel und jeder Platz ist das Bild einer Theaterbühne. Fröhliche Gesellschaften improvisierten Dialoge und spielten Commedia dellárte . Untermalt von Gitarrenakkorden und Mandolinenklängen.

Jeder konnte sich einen Platz suchen an dem er sein Stück frei vortragen konnte.Während des Karnevals war die Piazza und die darumliegenden Zonen ein einziges Durcheinander von Spielen und Veranstaltungen. Aus allen Orten kamen Komikergruppen, Akrobaten, Seiltänzer, Händler, Marktschreier, Astrologen, Zahnzieher und Musikanten in Venedig an. An den Vergnügungen und an den gemeinsamen Lustigkeiten nahmen alle teil, gleich erscheinend durch die Maske.

Damals dauerten die närrischen Tage fast ein halbes Jahr und wurden sogar über die Staatsgeschäfte gestellt. Die Stadt verhängte Erlass über Erlass, um die Maskerade und deren Missbrauch zu verbieten, doch es war vergebens. Da sich unter den Masken sehr wichtige Persönlichkeiten verbergen konnten, war die Maske in Venedig unantastbar und durch eigens dafür bestimmte Gesetze geschützt. In voller Blüte stand der Karneval zu Lebzeiten Casanovas im 18. Jahrhundert.

Erst als Napoleon 1797 die Stadt einnahm, verbot er den Karneval kurzerhand. Die Herrschaft Napoleons war nicht nur Untergang der Republik, sondern auch der beginnende Dornröschenschlaf des Karnevals.

Die Erweckung des Karnevals aus seinem fast 200-jährigen Schlaf führte 1979 auch zum Wiederaufblühen eines fast vergessenen Gewerbes – dem der Maskenherstellung.

Der Karneval in Venedig ist etwas Besonderes. Die Masken, die durch ihre Schönheit und ihre ausgefallenen Kostüme wirken, bewegen sich mit Eleganz und Leichtigkeit. Man fühlt sich wie im Traum oder ist es Illusion? Venedig ist einfach außergewöhnlich.

Sabine Scherer

 

Die Commedia dellárte

Zur Commedia dellárte gehören die typischen Figuren, die vom Publikum an der Körperhaltung, der Maske, dem Klang der Stimme und an der Art der Gesten erkannt, belacht und geliebt werden. Man nennt sie auch Stehgreiftheater.

Der Schauspieler drückte sich meisterhaft in Wort oder Gebärde aus. Die Themen der Stücke stammen aus Romanen und Gedichten, aus Komödien und Farcen und Spielereien am Hofe. Die Commedia wurde vom Geist der Renaissance getragen mit ihrer vollen Lebensfreude und Optimismus, den nicht mal die Kirche brechen konnte.

Handwerker schlossen sich in Venedig und in anderen größeren Städten zu Schauspieltruppen zusammen. Sie spielten auf Märkten zur Belustigung. Es war aber auch in Mode gekommen Komödianten bei Festen am Hofe spielen zu lassen, weil ihre Geschichten amüsant waren. Sie nannten ihre Spielweise “dellárte”. Was heißen sollte: Handwerk des Theaterspielens.

Bereits 1509 kann man in Venedig eine Verlautbarung lesen:

Seit einiger Zeit ist in unserer Stadt Mode geworden, bei Festen, Hochzeiten und Gastmählern Komödien zu spielen, in sogar eigens dazu errichteten Gebäuden. Dabei werden von maskierten Personen unflätige Reden geführt und schändliche, schamlose Dinge getan.

Arlecchino, Brighella, Pantalone und die anderen Typen der Commedia hatten die Bühne erobert.

Sabine Stern

 

Meine Juli-Geschichte

Mindestens einmal im Jahr reise ich nach Venedig, denn ich liebe diese Stadt. Entweder zur Karnevalszeit oder im September nach Cavallino, kombiniert mit einem Badeurlaub.

Für den Einen ist Venedig wunderbar und die Stadt fasziniert ihn mit ihren engen Gässchen, den vielen belebten Campos und den sich schlängelnden Kanälen. Der Andere meckert: „Die vielen Touristen, alles ist so teuer und außerdem stinkt es hier.“

Ich denke so für mich: wenn ich in Stuttgart am Schlossplatz Kaffee trinke, ist er auch teurer, als wenn ich in einer Seitenstraße ein Café besuche.

In Venedig gibt es wunderschöne Cafés. Ich denke da an ein bezauberndes Café gegenüber von dem Eingang der Frarikirche. Kurz über eine kleine Brücke und schon steht man davor. Im Inneren sind wunderschöne Gemälde und die heiße Schokolade ist ein Gedicht.

Im März, April und manchmal zur Karnevalszeit wohne ich direkt in Venedig und komme mit dem Schlafwagen um 23 Uhr von München. Den Bahnhof Santa Lucia erreiche ich morgens um 8 Uhr. Am Bahnhof genieße ich dann einen Cappuccino bevor ich mich zu den Vaporettos begebe und Richtung Rialto fahre. Dort ist in der Nähe mein Hotel Malibran. Ein nettes Hotel mit einfachen sauberen Zimmern. Im Erdgeschoss gibt es ein kleines Restaurant mit typisch italienischer Küche.

Gegenüber ist das Theater Malibran. Benannt nach der berühmten Opernsängerin Maria Malibran. Früher stand hier das alte Marco Polo Haus. Zwei Gedenktafeln weisen darauf hin.

Die Gegend um Rialto ist besonders abends wunderschön. Man trifft sich in einer der Bars zu einem Glas Vino.

Einer meiner Lieblingsspaziergänge führt zunächst über die Rialtobrücke, dann links und immer geradeaus zum Campo San Polo. Dort befindet sich gegenüber der Kirche ein kleines Lokal mit guter Küche und vernünftigen Preisen. Ab und zu kommt ein Musiker mit einer Quetschkommode vorbei und singt herrlich schmalzige Lieder. Dann geht es weiter zum Campo Santa Margherita in Richtung Gesuati-Kirche. Von dort hat man einen herrlichen Ausblick auf die Insel Giudecca. Auf den Treppen der Salutekirche mache ich eine kleine Pause und genieße den Anblick der herrlichen Palazzos am Canale Grande. Auch den Markusplatz mit den Anlegestellen der Gondeln und dem Campanile sieht man von dort ausgezeichnet

Bei jedem Besuch in Venedig entdecke ich wieder etwas Neues und ich freue mich immer wieder darauf, was und wen ich kennen und schätzen gelernt habe.

Mein letzter Spaziergang für heute führt mich Richtung Fondamente Nuovo mit Blick auf die Insel San Michele.

 

Meine August-Geschichte

Fernab vom Trubel Venedigs kann man am Wochenende die umliegenden Inseln der Lagune besuchen und genießen. Jede Insel für sich ist ein besonderer Juwel.

Von den Fondamente Nuove aus ist man gleich mit dem Vaporetto in Murano. Diese Insel ist bekannt durch ihre Glasbläserkunst. Wunderschöne Vasen, Schalen, Leuchter kann man hier bewundern und auch kaufen. Auch Glasfiguren werden entzückend detailliert gearbeitet. Im Palazzo Giustinian kann man sich über die Geschichte der Glasproduktion informieren.

Wer gerne Fisch isst, kann köstliche Fischmenüs im Garten der Antica Trattoria genießen. Für einen Espresso finde ich immer wieder eine nette Bar und kann mich so unter die Einheimischen mischen. Oder wie wäre es mit einem leckeres Eis?

Wieder auf dem Vaporetto steige ich unbedingt an der Insel Sant’Erasmo aus. Diese Insel liefert seit Jahrhunderten Spareselle (Spargel) und Castradure (kleine Artischocken) und noch manch anderes Gemüse.

Ein Erkundungsspaziergang lohnt sich und zum Probieren des Gemüses gibt es natürlich auch gute Lokale. Besonders im Mai, wenn die Artischocken dort blühen, ist es herrlich.

Wenn das Vaporetto zuerst die Insel Torcello anfährt, empfehle ich trotzdem erst die Insel Burano, zu besichtigen. Ich steige dort an der Haltestelle Mazzorbo aus und gehe über die Holzbrücke, die die Inseln miteinander verbindet. Von hier aus habe ich einen schönen Blick auf Venedig.

Und schon begrüßen mich die fröhlichen, bunt gestrichenen Häuser und die Spitzenstickerinnen im Schatten der Bäume von Burano, meiner Lieblingsinsel. Klein aber fein.

Angeblich strichen die Fischer früher ihre Häuser rot, blau oder grün an, damit sie diese vom Wasser aus besser erkennen konnten und wieder nach Hause fanden. Ich finde, dass durch die lebhaften Farben der gestrichenen Häuser und dem außergewöhnlichen Licht, die Insel unwiderstehlich wirkt.

Folge ich dem Rio di Mezzo und biege in die Via Galuppi bis zum gleichnamigen Platz ein, so finde ich die eine oder andere interessante Boutique.

Überall gibt es Spitze. Meistens kommt sie vom fernen Osten. Die echte Buranospitze gibt es natürlich auch, aber sie ist natürlich um vieles teuerer. In der „Scuola di Merletti“ wird die Technik der „Punto Aria“ (Luftstickerei) weitergegeben. Nicht zu verwechseln mit dem Klöppeln. Dort im Museum kann man sich die wundervollen Arbeiten ansehen.

Vormittags besuche ich an der Fondamente della Pescheria den Fischmarkt. Dort verweile ich ein wenig und schau dem Treiben der Fischverkäufer zu. Die leckeren, frisch gegrillten Fischspezialitäten sind ein Gedicht.

Zurück auf dem Vaporetto genieße ich den Ausblick und lasse noch einmal alle Eindrücke Revue passieren, bis ich Venedig erreiche.