Verschlafen – fängt ja schon gut an.
Schnell aus den Feder und ab unter die Dusche. Brrrrrrrrrrrr eiskalt. Hab wieder nicht dran gedacht, dass sich das Wasser erst erwärmen muss. Jetzt fällt mir auch noch das Shampoo runter und knirsch – ich bücke mich und komme nicht mehr hoch. Das hat mir gerade noch gefehlt. Ich bewege mich wie Quasimodo und bin steif wie ein Brett. Da muss ich durch.
In zwei Stunden ist ein wichtiger Kundentermin bei einem mir noch nicht bekannten Kunden. Also mit Termin verschieben ist da nix und mein Kollege kann nicht einspringen.
Und da sehe ich sie. Ganz verschlafen steht sie in der Tür. Sie strahlt mich an und zaubert mir sofort ein Lächeln in das Gesicht. Sie kommt auf mich zu und ich halte den Atem an.
Ihre raue Zunge spüre ich an meinem Knöchel. Das kitzelt und ich mache einen kleinen, ungeschickten Sprung auf die Seite und knartsch – ich kann mich wieder bewegen.
Sie ist eine Zauberin, aber das weiß ich schon lange. Ich liebe sie, mein kleines, süßes Hundemädchen.
Wir befinden uns im Zeitalter des Rokokos.
Dekor ist alles. Das frivole Treiben am Hofe bestimmt Mode und Lebenseinstellung. Phantasievolle Maskenfeste lösen einander ab und keine Dekorationsidee ist zu kühn oder zu verrückt. Die Vergänglichkeit des Augenblicks wird gefeiert. Gleichzeitig beginnt aber auch der Aufbruch in die Aufklärung.
Die Frauen sind fröhliche, verspielte, betont erotische Geschöpfe.
Um ihre Neugierde auf das eine oder ander Accesoire zu befriedigen, werde ich das incognito lüften.
Was trägt den die Baronin für einen schwarzen Fleck auf der Wange?
Ein Mouche – Ein Schönheitspflästerchen, das auf ausgesuchte Stellen getragen wurde. Je nach Standort trägt das Mouches einen anderen Namen.
Das Galante – auf der Wange
Das Leidenschaftliche – am Augenwinkel
Das Kokette – am Mundwinkel
Das Mörderische – am Busen
Die Kleidung ist wie alles in dieser Gesellschaft verfeinert. Glänzende Stoffe, kostbare Spitzen sowie aufwendige Stickereien von oft hochdotierten (aber leider selten bezahlten) Stickerinnen zieren Kleider, Westen und Jacken. Ein Hofkleid kann durchaus den Gegenwert eines gesamten Landgutes haben, gute Spitzen sind teurer als Diamanten und werden auch als Halsschmuck getragen.
„L’amour“ wurde Gegenstand eines vergnüglichen und
spannenden Glückspiels.“Le jeu“ hat gesellschaftlich abzulaufen. Es unterliegt anerkannten Regeln. Der Fächer wird zu einem Requisit qui est trés important in diesem Spiel. Man kann ihn diskret sprechen lassen.
Was sagt mir Madame ? –Suive-moi! Folge mir? (re. geschl. vor dem Gesicht) Wer würde dieser Aufforderung widerstehen, messieurs?
Interessant ist das Gestell unter dem Kleid -Panier– Brotkörbchen. Hergestellt wird das Panier aus Korbgeflecht oder Fischgebein. Es betont die Hüfte und lässt die schmale Tallie wirken, die teilweise bis auf 40 cm mit einem Mieder gechnürt wurde. Dies gilt als besonders erotisch.
Zu den Strümpfen trägt man ein Strumpfband. Es ist die hohe Zeit des Strumpfbandes. Sinnbild schmachtender Liebe und verstohlener Lust. Ein skandalöses Accessoire der weiblichen Toilette, der sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Das Rascheln beim laufen der Damen nennt man fou fou und gilt als absolutes muß. Auch die Namen der Stofffarben sind sehr orginell Gossendreck, vergifteter Affe, purpurner Floh oder Pipi vom Dauphin.
Ich muß auch die Perücke erwähnen, die jede Dame oder jeden Herrn schmückte.
Nach dem Tragen wurde sie allerdings in einen Vogelkäfig gelegt, damit die Vögel sie von Parasiten befreien konnte.
Das Neuste erzählte Herr Mozart von seiner Reise.
Verwundert beschreibt er die beheizten Schuhe der Französinnen. Hier haben die Frauenzimmer nichts als chaufretten unter den Füssen, kleine hölzerne und mit Blech gefüllte Kästchen, die durchlöchert sind, darin ein glühender Ziegel, oder heisse Aschen, oder erdene Kästel mit Glut gefüllt. Mich erstaunten auch die Pariser Klosetts mit Wasserspülunge ebenso wie in London den grad erst erfundenen Blitzableiter und merkwürdig berührte mich die Tea-Time.
Wolfgang A. Mozart war ein begeisterter Tänzer. Er versäumte weder die öffentlichen Maskenbälle im Theater, noch die Hausbälle von Freunden.
In einem Brief schreibt er:
Vergangene Woche habe ich in meiner Wohnung einen Ball gegeben. Wir haben abends um 6 uhr angefangen und um 7 uhr aufgehört, – was nur eine Stunde? – Nein Nein – Morgens um 7 uhr;
Mozart komponierte für die Tanzformen seiner Zeit. Insgesamt sind uns aus seiner Feder rund 130 Menuette, 40 Kontratänze, 49 Deutsche und 6 Ländler überliefert.
Die Kontratänze des 18 Jahrhunderts lassen sich nach der Art der Aufstellung und des Tanzablaufs in zwei Gruppen einteilen:
1. in der Tanzform der Anglaise – in einer Gassenaufstellung und
2. in der Careéaufstellung – im Viereck, Cottillon oder Quadrille genannt.
Country Dances finden sich schon im 17. Jahrhundert und wurden dann nach Frankreich unter dem Namen Contredance gebracht.
Zur Zeit Mozarts war die Tanzmode stark von Frankreich geprägt und Kontratänze waren sehr beliebt. Diese Tänze regten dazu an, immer wieder neue Figurenkombinationen zu erfinden. Sie sind ein Spiel mit bewegten Linien und Formen in Raum und Zeit.
Und wie das Wolferl sagen würde:
….ach kommt geschwind her ihr lieben, wir machen ein tanzerl.
Eure
Heute werde ich 6 Jahre alt. Vor 51/2 haben mich Herrchen und Frauchen zu sich geholt.
Mein erstes Frauchen starb an einem Herzinfakt. Ich erinnere mich noch genau an diesen Tag. Viele Menschen in weißen Hosen und T-Shirts liefen hektisch in unserer Wohnung herum. Nachdem ich stundenlang geheult hatte, kamen sie mit einem großen Knall, denn sie haben die Tür aufgebrochen, in die Wohnung. Ein großer Starker Mann mit Bart nahm mich von meinem Frauchen weg und drückte mich unserer Nachbarin Frau Klose in den Arm. Dann nahmen sie mein Frauchen mit. Ein Mann in Uniform nahm mich auch mit und brachte mich zurück in den Zwinger aus dem ich stammte. Da ging es mir gar nicht gut. Ich bin sehr ängstlich geworden und die anderen drängten sich überall vor. Mir blieb zum Schluß kaum was zum Essen übrig und die warme Decke war auch von allen belegt.
Und dann kamen sie. Ein großer Mann mit Brille und eine kleinere Frau mit fröhlichen Augen.
„Ich möchte den kleinen Hund nur mal anschauen.“ sagte sie zu dem großen Mann.
Die anderen drängten sich wie üblich vor und stießen mich immer wieder auf die Seite. Das sah sie, meine Heldin. „Ach schau dir mal dieses kleine, süße, verängstigte Hundchen an“, sagte sie zu dem Mann. Der hob mich mit seinen kräftigen Händen hoch und legte mich in den Arm der Frau, „Ach, war das schön.“ Ich kuschelte mich ganz gemütlich in ihren Arm. „Meine Süße, du kommst mit uns nach Hause“, sagte sie. Dankbar schleckte ich ihre Hand.
Nun leben wir schon so lange zusammen und ich kann mir kein schöneres Zuhause vorstellen. Ich liebe unsere Spaziergänge in die Stadt, wenn ich dann mit Herrchen im großen Park toben kann oder auch wenn wir die die Weinberge entlang gehen und die schöne Aussicht genießen. Anderen Hunden gegenüber bin ich immer noch ängstlich bis auf meine Freundin Gini, die Yorkidame von Frauchens Tochter.
Nachher wird mein Geburtstag gefeiert. Es gibt Fleischkäse vom Metzger Braun und Kartoffelsalat. Natürlich nicht für Gini und mich. Frauchen hat uns leckere Leberwurstkekse gebacken. Vielleicht fällt doch noch ein Stückchen Fleischkäse für uns ab. Ich bin mal gespannt was ich für Geschenke bekomme. Vielleicht einen Knochen oder ein neues Spielzeug?
Vor 5 1/2 Jahren und Heute
Eure
Im Himmel herrschte reges Treiben, stand doch Weihnachten vor der Tür. Wünsche hier, Wünsche da. Jedes Menschenkind sollte zufriedengestellt werden.
Nur Felix saß auf seiner Wolke Nr. 22 und langweilte sich fürchterlich. Er hatte sich dieses Jahr erhofft, endlich ein Weihnachtsengel zu werden, wartet er doch schon so lange auf diese Arbeit. Bis jetzt hat ihn aber der Personalchef „Weihnachtsmann“ noch nicht zu sich gerufen. Einen Job bei dem Weihnachtszustelldienst zu bekommen, war langwierig und fast aussichtslos. Felix hatte sich zwar mit eingehendem Bewerbertraining in der Engelschule darauf vorbereitet, aber die Warteliste war lang.
„Felix von Wolke 22, bitte zum Weihnachtsmann“ ertönte es aus den himmlischen Lautsprechern. Hurtig macht sich Felix auf den Weg. Nun steht er mit klopfendem Herzen vor der großen Tür. „Komm nur herein“ hört er den Weihnachtsmann mit seiner tiefen, sonoren Stimme sagen. Schon öffnet er die Tür und Felix sieht ihn an seinem Schreibtisch sitzen. „Du bist dran, Felix. Ich habe einen besonderen Auftrag für dich. Flieg zu Marie. Was Marie sich wünscht, konnte bisher nicht festgestellt werden. Kläre das ab, frag sie selbst und trödle nicht rum. Morgen ist Weihnachten“, brummte der Weihnachtsmann gestresst in seinen weißen Bart.
„Wo soll ich denn hinfliegen, wie finde ich Marie?“, fragte Felix mit vor Aufregung zitternder Stimme. „Komm mit mir, sagte das Christkind, ich gebe dir einen Erdenplan. Dort habe ich dir das Haus angekreuzt, indem Marie wohnt“.
Als Felix bei Marie ankommt, sitzt sie am Bett ihrer Mami, die ihn mit fiebrigen Augen ansieht. „Marie, was kann ich für dich tun? Eine Barbiepuppe, eine Wii oder ein Handy?“ Marie sieht ihn mit großen Augen an. „Ich warte schon ein paar Tage auf dich. Ich habe jeden Tag gebetet, dass du vorbeikommst, aber nichts ist passiert.“ Felix murmelt etwas verlegen was von Hauptsaison, Verwaltungskram und Weihnachtsstress.
Aber jetzt bist du ja da“, sagte Marie mit strahlenden Augen. „Bitte, bitte erfülle mir meinen Wunsch und mache meine Mami wieder gesund, damit wir zusammen Weihnachten feiern können. Sie ist doch schon seit ein paar Tagen so erkältet und fiebrig und es geht ihr gar nicht gut.“ Dabei schaut sie Felix flehend an.
Er lächelt und streichelt Marie über das Haar. „Dann wollen wir mal ganz schnell deine Mami gesund machen.“ Er legt seine Hände auf Kopf und Stirn der Mutter und lässt deren heilende Wirkung strömen. Auch fühlt er die Liebe von Maries kleinem Herzen und gab auch dieses weiter. „Vielen Dank“ flüsterte die Mutter schwach und leise. Ihre Stirn war schon wesentlich kühler. „Vielen Dank“, sagt Marie und legt den Kopf auf die Brust der Mutter, deren Hand Marie sanft liebkoste.
„Weihnachten, das Fest der Liebe existiert doch noch für einige Menschen und ich bin ein Teil davon, ein richtiger Weihnachtsengel“, freut sich Felix und wischt sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. Dann zwinkert er Marie zu und legt ihr noch eine Barbiepuppe in den Arm, bevor er sich wieder auf den Heimweg macht.
Ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest
wünscht Euch
Eure